Der Neue kommt – Ein Tagebuch zum Neuwagenkauf

Ich habe mir ein neues Auto bestellt. Doch der Weg von der Entscheidung das bisherige Auto abzugeben, der Selektion möglicher Nachfolger, die finale Bestellung und die Wartezeit bis zur Abholung sind „einzigartig“ und das meine ich nicht nur im positiven Sinne.

Daher werde ich euch meine Gedanken und Erfahrungen im Stil eines Tagebuches näher bringen und lade euch auch ein, eure Gedanken und Erfahrungen über das Kommentarfeld unten mit mir zu teilen.

Beginn des Jahres 2017:
Der Entschluss, dass mein MINI John Cooper Works R56 mit diversen Modifikationen weichen muss, steht fest. Seit Herbst 2016 durfte er nicht nur Wochenende-Spassgerät sein, sondern musste auch fast täglich im Alltag und für längere Strecken herhalten.

Dass ein MINI mit KW Gewindefahrwerk, Rennsport-optimiertem Innenraum und diversen weiteren Performance-Modifikationen nicht sonderlich gut dafür geeignet ist, erklärt sich wohl von selbst. Die Recherche nach einem Nachfolger beginnt also.

Frühling 2017:
Die Liste an möglichen Alternativen ist gross, meine Anforderungen an einen Nachfolger aber noch viel grösser. Kurz zusammengefasst: Das Ziel war eine Steigerung der Performance, verbunden mit einem noch emotionaleren Fahrerlebnis, ausgiebiger Erprobung (Zuverlässigkeit) und Langstreckenkomfort.

Als letzter Punkt im Anforderungskatalog steht ein etwas spezieller Punkt. Es sollte ein Fahrzeug sein, was jung und dynamisch wirkt, mit einem möglichst kleinem Neidfaktor, allerdings ohne einen Wolf-im-Schafspelz zu sein. Unverständlich? Im Gegensatz zu vielen anderen Autofans, definiere ich mich nicht über mein Auto, sondern über meinen Charakter und als Geschäftsmann über meine Leistungen. So will ich wahrgenommen werden.

Alles quatsch? Dann fahr mal als 25-Jähriger zur Tankstelle mit z.B. einem Jaguar F-Type SVR in grellem Orange. Wenn dich dann Menschen nur basierend auf der Wirkung der Mischung von jungem Typen, auffälligem Sportwagen und eingebrannter Vorurteile zu beleidigen beginnen, verstehst du diesen Punkt vielleicht.

Einen Auszug aus der Liste der möglichen Kaufkandidaten, die sich meinen Kriterien stellen mussten (sortiert nach Alphabet):

  • Alfa Romeo 4C (hier getestet)
  • Alfa Romeo Giulia QV
  • Audi TTS FV
  • Audi RS 3 8VA (hier und hier getestet)
  • BMW M140i (hier getestet)
  • BMW M2 (hier getestet)
  • BMW M3 F80 (hier getestet)
  • BMW M4
  • BMW M5 F10
  • BMW Z4 35is
  • BMW-Alpina B3 Biturbo Touring
  • Ford Focus RS (hier getestet)
  • Infiniti Q60 3.0t
  • Jaguar XE S (hier getestet)
  • Lotus Evora S
  • Lotus Exige S V6
  • Mercedes-Benz C63 S AMG Kombi
  • Nissan 370Z Nismo (hier getestet)
  • Porsche Boxster S 981
  • Porsche Cayman S 981
  • Porsche 911 Carrera S, Baureihe 997 Mk2
  • Porsche 911 Carrera 4S, Baureihe 997 Mk2
  • VW Golf Clubsport S (hier getestet)

Anfang Juni 2017:
Ich kaufe mir Autos nur für spezielle Anlässe. Das gebe ich zu. Ich bin einer dieser Menschen, die Spontan- und Intuitivkäufe hassen. Ich suche immer einen Grund mir jede Ausgabe zu rechtfertigen. So natürlich auch ein Autokauf. Den MINI hatte ich mir vor fünf Jahren, als jungen Gebrauchten, als Geschenk und Belohnung gleichzeitig gekauft. Einerseits zum 20ten Jahrestag meiner Geburt und andererseits nach dem ersten Jahr beim damaligen Arbeitgeber.

Ich kaufe Autos. Finanzierung ist entgegen meiner Prinzipien, beim Leasing nerven mich die Vorgaben und Regeln. Versteht ihr langsam wie ich ticke? So sollte das auch beim nächsten Auto sein, 25ter Geburstag trifft auf 1-jähriges geschäftliches Jubiläum. Allerdings mache ich es mir, wie ihr jetzt vielleicht nachvollziehen könnt, selbst nicht sonderlich einfach.

Nach einem spontanen Besuch bei einem Autohaus überraschte mich die Offerte für einen Neuwagen so stark, dass ich von meinem Kurs abkomme, aus Gründen wie z.B. des Wertverlustes nie über einen Neuwagen nachzudenken. Also wieso einen Gebrauchten kaufen, wenn der Neuwagen nur einige wenige Prozente über dem Preis des gebrauchten und vielleicht sogar missbrauchten Fahrzeuges liegt?

Dieser Moment hat meine Sichtweise auf den Automarkt enorm stark verändert, weil ich nun weiss, dass persönliche Offerten und Listenpreise aus Online-Konfigurationen sich um Zehntausende Franken unterscheiden können.

Mitte Juni 2017:
Der Händler, der mir kurz vorher die Offerte unterbreitet hat, ruft an und teilt mit, dass ein Produktionsslot von einem Fahrzeug frei wurde, weil ein Käufer abgesprungen ist. Termin ausgemacht. Vorfreude ist da. Zwei Tage später, nach erfolgter Probefahrt und definitiver Bestellungsabsichten kommt dann aber die schlechte Nachricht.

Der Verkäufer hat den Slot einige Stunden zuvor einem anderen Kunden abgegeben, ohne mich zu informieren und ich müsste also statt einem Monat, ein halbes Jahr warten. Thank you, but no thanks. Enttäuschung macht sich breit. Sehr breit.

Anfang Juli 2017 – 3 Monate bis Auslieferung:
Nach 4-wöchiger Absenz vom Thema Autokauf, wage ich mich mit einem erneuten Spontanbesuch bei einem anderen Autohaus wieder in das moralische Dilemma. Ob es am Anzug gelegen hat, den ich noch vom vorangegangen Termin trug oder ob der Verkäufer meine Enttäuschung des vorangegangen Bestellversuches riechen konnte, weiss ich bis heute nicht, allerdings wurde ich sofort ernstgenommen, der Verkäufer verstand meine Wünsche nach Sonderausstattungen, die nur angekreuzt werden dürfen, wenn sie dynamischen Mehrwert bringen und wir hatten innert Kürze eine noch bessere Offerte als zuvor ausgehandelt. Die Wartezeit von 3 Monaten fand ich in Ordnung, damals…

Im Nachhinein glaube ich, dass ich für den Käufer der Glücksgriff des Tages war. Ich wusste meine Wunschausstattung praktisch auswendig, hab keine Zeit verschwendet mit nervigen Fragen und wollte keine Probefahrt. Der einzige Punkt, den seine Freude vielleicht minderte, war die entgangene Leasing-Provision. Whatever. Einige Tage später war der Kaufvertrag final und unterschrieben. Das Auto war also bestellt.

Zwischenfrage an den Leser: Weisst du schon, welches Auto es geworden ist? Konntest du es zwischen den Zeilen herauslesen? Kommentier deinen Favoriten…

Mitte Juli 2017 – 2,5 Monate bis Auslieferung:
Eine E-Mail erreicht mein Postfach, in dem ich vom Verkäufer zu meinem Kauf beglückt wünscht und gleichzeitig erinnert werde, dass ich zwei weitere Optionen nur noch jetzt meiner Bestellung hinzufügen könnte. Es ist ein lästiger Upselling-Versuch, so nennt man in Marketing-Sprache den Versuch einem Kunden, möglichst passende, weitere kostenpflichtige Optionen schmackhaft zu machen, um den Profit damit noch weiter zu steigern.

So wurden mir Optionen wie eine Lenkradheizung oder das Glasdach angepriesen, obwohl das komplett entgegen der Philosophie meiner Bestellung war (Unnötiges Gewicht bleibt draussen, kein elektr. Glasdach = tieferer Schwerpunkt & mehr Performance), die der Verkäufer im persönlichen Gespräch so gut verstanden hat. Irgendwie schade.

Mitte August 2017 – 1,5 Monate bis Auslieferung:
Ich schaue täglich sämtliche neuen Videos zum Fahrzeug an, markiere alle Zubehörteile die mich interessieren als Favoriten und frage mich, in welchem Produktionsstadion mein Fahrzeug wohl ist. Ich stelle mir vor, wie grossartig die Möglichkeiten für ein hübsch-aufbereitetes Online-Portal sein könnte, in dem der Kunde über seine Fahrzeug-Identifizierungsnummer den Bestellstatus miterleben dürfte, ähnlich wie bei praktisch jedem Paket was man sich heute zustellen lässt.

Die Faszination und die Vorfreude wären bewiesen höher, die Möglichkeiten für Zusatzverkäufe in einem solchen Portal sind unfassbar gross und für den Kunden angenehmer als E-Mail-Upselling-Versuche. Personalisierte Zubehörangebote, Fahrtrainings und vielleicht sogar ein Forum, in welchem „Leidensgenossen“, also Menschen im selben Bestellstatus unter anonymen Usernames sich gemeinsam auf die Auslieferung freuen könnten. Wieso liebe Hersteller, wieso lässt ihr diese Chance aus?

Anfang September 2017 – 1 Monate bis Auslieferung:
Seit der Nachricht von Mitte Juli habe ich kein Wort vom Händler gehört, langsam mache ich mir Gedanken, ob ich wirklich in etwa 4 Wochen stolzer Besitzer eines Neuwagens sein darf. Wie läuft wohl die Übergabe ab? Wie riecht der Neuwagen? Wie fühlt sich der erste Kaltstart an, wenn die Klappen sich öffnen werden und der Showroom sich mit bassiger und voluminöser Auspuffnote füllt? Wie schwierig wird es für mich, das Fahrzeug sanft und liebevoll einzufahren? Wann werde ich den ersten OneMoreLap-Moment spüren?

Fragen über Fragen. Ich sollte besser mal die Versicherung nach einer Offerte anfragen und vielleicht den Händler nach einem Update zur Bestellung kontaktieren?

Dieser Artikel wird laufend aktualisiert. Folge uns auf Facebook um bei Aktualisierungen verständigt zu werden.

4 Kommentare

  • Eva Friedhoff sagt:

    Lieber Ringli, ich wünsche dir weiterhin einen guten Schwangerschaftsverlauf und bin schon seeehr gespannt auf dein „Baby“ ! – Schöner Bericht😍

  • Erlon Alves sagt:

    Lieber Andreas. Sehr gut beschrieben. Da ich mich auch mit einem Neuwagen (Jaguar F-Pace) mich tierisch aufgeregt hatte, bin ich der Meinung, dass du dir den Jaguar XE S kaufen wirst 😉

    Ich freue mich auf dein Update.

  • Danilo Zobel sagt:

    Hallo Herr Ringli,
    prima Idee, die heiße Story hier zu zelebrieren.
    Der Spagat genannter Präferenzen zielt klar auf einen BMW: alltagstauglich, glückshormonbildend (made by Heckantrieb) und chic mit erträglichem Neidfaktor. 😊​
    Wenn nicht, möchte ich ausdrücklich dazu geraten haben.

  • Simon sagt:

    Das beschreibt ganz klar den Kauf eines BMWs – vorallem mit dem Upselling 😉 viel Fahrfreude!

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