Fahrbericht: VW Golf 7 R Facelift

Fahrbericht: VW Golf 7 R Facelift

Athletisch gebaut, etwas zurückhaltend aber mit viel Selbstbewusstsein kommt der neue Golf 7 R daher. Die neu gestaltete LED-Signatur der Scheinwerfer, die LED-Rückleuchten mit Lauflichtblinkern sowie die neue Frontlippe werten den Golf optisch zwar dezent, aber bestimmt zum Vorgänger auf.

Fahrbericht: VW Golf 7 R Facelift

19“ Felgen, scharfe Linien an Karosserie und in der LED-Technik

Aussen

Äusserlich bleibt sonst alles beim alten – 4-flutige Auspuffanlage und Seitenspiegel in Alu-Optik sind die typischen Merkmale. Neu kann man ab Werk eine Titan Auspuffanlage der Edelschmiede Akrapovic bestellen, die kostet aber stolze 3660 CHF und war beim Testfahrzeug leider nicht verbaut. Die Gewichtsersparnis beträgt 7kg, ob das als Verkaufsargument zählt bei einem Fahrzeuggewicht von ca. 1500kg, muss jeder für sich entscheiden. Wie sich der Endschalldämpfer anhört, gibt es hier zu hören:

Innenraum

Im Innenraum hat endgültig das Zeitalter der Digitalisierung eingeschlagen. Vor dem schönen Lederlenkrad befinden sich nun keine Analogen Anzeigen mehr, sondern lediglich ein grosses Display, das einem Drehzahl, Tempo und die Navigationskarte anzeigt.

Nebst Drehzahl, Tempo und Navigation wird auch Verbrauch und Restreichweite angezeigt

Vom Fahrersitz aus rechts findet man ein ebenfalls grosses Touchscreendisplay, über das man das ganze Infotainment und die Navigation steuert.

Die Bedienung über das Touchscreen ist sehr bequem, Fingerabdrücke sind aber leider unvermeidbar

Die Bluetooth-Kopplung zum Smartphone, in meinem Fall ein iPhone 6S, funktioniert absolut perfekt. Per Touchscreen oder den Tasten am Lenkrad kann man dann bequem zwischen Musikstücken wechseln oder Telefonate über die Freisprechanlage führen.

Die ganze Einheit lässt sich auch über eine Spracherkennung steuern. Im Golf war eine Gestensteuerung verbaut, über die man beispielsweise per Handwisch das Lied wechseln kann. Funktioniert hat es im Test leider nicht immer und wenn man immer mehrmals in der Luft herumwirbeln muss, lässt man das Gefuchtle dann irgendwann auch ziemlich schnell mal sein. Die Mobiltelefonvorbereitung „Business“ kostet 550 CHF Aufpreis, das Navi „Discover Pro“ sogar stolze 1960 CHF. Das Soundsystem von Dynaudio bietet bei der richtigen Klangeinstellung ein gutes Klangerlebnis, und dank einem Subwoofer unter dem Kofferraum kommen die Bässe hochwertig und satt rüber.

Die Leder-Sportsitze mit integriertem R Logo in der Ausführung „Vienna“ sehen schick aus und bieten bei kurvigen Strassen und sportlichem Tempo einen guten Seitenhalt ohne Komforteinbussen. Schalensitze sollten allerdings mindestens optional für den R verfügbar sein.

Motor und Getriebe

Entscheidet man sich für die DSG Variante wie beim getesteten Fahrzeug, leistet der Zweiliter Reihenvierzylinder TSI-Motor neu kraftvolle 310PS, und drückt einem mit 400 Newtonmetern in die Sitze. Das sind 10 PS und 20 Newtonmeter mehr als beim Vorgänger. Dank der Launchcontrol sprintet der stärkste Seriengolf der jemals gebaut wurde in nur 4.6 Sekunden von Null auf 100 km/h. Wenn man bedenkt, dass es sich in den Grundgenen immer noch um einen Golf handelt, ist das echt eine starke Zeit. Das neue 7-Gang DSG schaltet extrem sauber und reagiert sehr schnell. Bei einer gemischten Fahrweise mit Alltag und einigen Etappen eher sportlich gefahren, ist das perfekt harmonierende DSG ein grosser Pluspunkt.

Wer etwas puristisch angehaucht ist und sich für die handgeschaltete Version entscheidet, muss auf die zusätzlichen 20 Newtonmeter verzichten. Die Sprintzeit auf 100 km/h verschlechtert sich ebenfalls um eine halbe Sekunde.

Fahrdynamik & Assistenzsysteme

Dem Fahrer stehen fünf Fahrmodi zur Verfügung – ECO, Comfort, Normal, Race und Individual. Dank der adaptiven Fahrwerksregelung DCC schafft der Golf einen grossen Spagat zwischen Sportlichkeit und Komfort. Der Aufpreis von 1300 CHF für die adaptiven Dämpfer wäre daher für mich ein Muss. Der Golf R wird nach wie vor vom 4Motion Allrad angetrieben. Bei zügigen, längeren Kurven bleibt das Fahrzeug lange neutral, erst bei engeren Kurvenwinkeln merkt man, dass der Allrad doch sehr frontlastig ist. Schaltet man das ESP auf Sport, kann er das bis nahe an den Grenzbereich gut kaschieren. Schaltet man die Traktionskontrolle allerdings ganz aus, darf man sich zwar, vor dem Scheitelpunkt, an dem mit-einlenkendem Heck erfreuen, fällt allerdings nachher ebenfalls wieder relativ schnell in ein Untersteuern. Im Normalbetrieb fährt sich der Golf sehr komfortabel und ist Modelltypisch spielerisch wendig.

Fahrbericht: VW Golf 7 R Facelift

Hier leider ohne optionale Akrapovic-Auspuffanlage, aber keineswegs stumm

Verbrauchstechnisch hält sich der R, mit Hinblick auf seine Fahrleistungen, im Rahmen. Angegeben sind mit DSG 7l/100km, was wir allerdings nie erreichen konnten. In der Stadt waren es im Schnitt ca. 10l, bei sportlicher Fahrweise Überland 12-14l und auf der Schweizer Autobahn sank der Verbrauch in Kombination mit dem Tempomat auf unter 8l.

Der adaptive Tempomat und Fahrassistent „Front Assist“ kommen in der Option „Fahrassistenz Plus“ und kosten 810 CHF Aufpreis. Im nervigen Stop&Go Stadtverkehr, sowie auch auf der Autobahn will man den Abstandhaltetempomat nach etwas Eingewöhnung, nie mehr missen. Bei Stau bremst er das Auto bis zum Stillstand ab, hält die Position und fährt bei kurzer Haltezeit automatisch wieder los. Steht man etwas länger, reicht ein Berühren des Gaspedals und das Auto ist wieder im Tempomatenmodus und rollt geduldig weiter.

Gesamtfazit

Der neue Golf R ist ein sehr gelungenes Paket und bietet sich am Ende des Tages immer noch ideal für den sportlichen Alltagsgebrauch an. Dank den spürbar sportlichen Genen macht es auch Spass, zwischendurch das Gaspedal durchzutreten und zügig einer schönen kurvigen Strasse entlang zu fahren. Allerdings ist der Golf R keine puristischer Motorsportler wie sein Bruder der GTI Clubsport S, sondern will gekonnt den Spagat zwischen Alltag mit genügend Restkomfort, netten Assistenzsystemen und einer Prise Sportlichkeit vermischen. Das Facelift verbessert den Golf weiter und bietet mit Optionen wie dem Performance Paket oder der Akrapovic-Auspuffanlage nun Optionen, seinen Golf etwas schärfer zu würzen, während der Innenraum durch die Doppelbildschirm-Bedienung nun deutlich technischer, aber nicht unbedingt übersichtlicher wird. Preislich bekommt man ihn mit DSG ab 51’350 CHF, beim getesteten Modell lag der Preis bei 62’780 CHF. LN

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