Kurztest: Porsche Cayman GT4

Es war Liebe auf den ersten Blick. Der normale Cayman der 981-Baureihe gefiel mir schon immer, doch der neue Porsche Cayman GT4 ist die Vollendung in Form und Funktion.

Warum? Okay ich versuche es euch zu erklären. Die Grundzutaten sind einfach, man nehme einen Cayman, eines der bestbalanciertesten Fahrzeugkonzepte der Welt und verbessere es mit mehr Abtrieb, mehr Traktion, mehr Hubraum und mehr Leistung.
Hört sich gut an? Definitiv!

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Steht dem GT4 besonders gut: Racing Yellow.

Dann kommt der persönliche Erstkontakt. Der Testwagen, der uns beim „Porsche MidEngine Event“ zur Verfügung stand, war in Racing Yellow, der wohl passendsten Farbe für den GT4. Satt und intensiv. Der gelbe Farbton sorgt zusammen mit den zusätzlichen Anspoilerungen, die meist in schwarz gehalten sind, für einen wunderbaren Kontrast. Vorne ermöglichen grosse Lufteinlässe eine gute Durchströmung der Wasserkühler, während an der Seite die Sideblades mit geprägtem „GT4“ Schriftzug für zusätzlichen Staudruck und dadurch eine bessere Luftansaugung und effizientere Kühlung des Motors sorgen.

Am Heck prangt ein feststehender Flügel, der zusammen mit dem schwarzen Diffusor und zwei zentralen Endrohren, ebenfalls in Schwarz, wahrlich nach Hatzenbach, Schwedenkreuz und Fuchsröhre schreit. Also einsteigen und losfahren!

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Der feststehende Heckflügel zeigt seine Zugehörigkeit zur GT-Familie.

Den Zündschlüssel, traditionsgemäss links vom Lenkrad, umgedreht geht es langsam auf die Strasse. Sofort fällt auf: Die Kupplung und das Getriebe wollen beide mit der nötigen Bestimmtheit geführt werden. In Zeiten von PDK’s und Rührschüsselgetrieben ist das zwar auf den ersten Metern ungewohnt, doch sobald man sich darauf einlässt, saugt einem der GT4 in seinen Bann. Und obwohl die Gänge 2 & 3 noch etwas kürzer übersetzt sein dürften, ist die Verbindung von Sportkupplung mit der gewichtsoptimierten 6-Gang-Schaltung mit extra kurzem Schalthebel und extrem präzisen Schaltwegen ein Traum. Sie lässt den Fahrer mit dem Auto verschmelzen und sorgt dafür, dass Handarbeit vor und in jeder Kurve und bei jeder Beschleunigung wieder zum eigenen Erfolg wird. Danke für die Entscheidung gegen PDK Porsche!

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Ein einzigartiges Fahrgefühl: Unterwegs im Porsche Cayman GT4

Der Mitfahrer hinter uns darf ich euch vor lauter Fahrfreude natürlich nicht unterschlagen, denn im Porsche Cayman GT4 sitzt der Boxermotor vom 911 Carrera S (991-Baureihe), ein 3,8-Liter-Sechszylinder der hier 385 PS und 420 Newtonmeter Drehmoment leistet. Das maximale Drehmoment ist über einen Bereich von 4.750 bis 6.000 1/min verfügbar. Gemeinsam mit dem niedrigen Leistungsgewicht von 3,5 kg/PS führt das zu Emotionsschüben bei jeder Pedalberührung. Immer begleitet vom infernalischen Sound der Sportabgasanlage. Weniger rotzen und sprotzeln als beim Cayman GTS, dafür lupenreiner, schreiender Sechszylinder-Boxermotor-Sound. Also runterschalten, durchbeschleunigen, wieder hochschalten und wieder von vorne. Herrlich.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Der GT4 sorgt für eine Menge Emotionen im Cockpit.

Das Fahrwerk lässt dem Fahrer die Wahl zwischen dem Normalmodus (straff, aber erträglich) und dem brettharten Sportmodus, der für maximale Querbeschleunigung und bestmögliche Traktion auf der Rennstrecke ausgelegt ist. Mein Beifahrer, Koray von Koray’s Autoblog fand beide Modi etwas zu hart. Ich fand den Sportmodus sehr passend zum Fahrzeug, weil auch er, ähnlich wie der Motor und das Getriebe, ungefiltert extrem präzise Rückmeldungen weitergibt und zusammen mit der hervorragenden Lenkung für ein ultradirektes Fahrverhalten sorgt.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Der gelb-schwarze Kontrast wirkt dynamisch.

Leider konnte ich das Fahrwerk nicht auf einer Rennstrecke an seine Grenzen bringen, doch schon im öffentlichen Strassenverkehr spürt man, wie astronomisch hoch der Grenzbereich liegt und wie neutral sich der GT4 bewegen lässt. Ein grosser Anteil daran hat die um 30mm abgesenkte Karosserie, die Wank- und Nickbewegungen eliminiert.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Unser Testrevier: Der Genfer See.

Für hohe Agilität, Stabilität und Spurgenauigkeit kommt an der Vorderachse eine verstärkte McPherson-Federbeinachse mit rundstreckenerprobter Kinematik sowie einzeln an Längs- und Querlenkern aufgehängten Rädern zum Einsatz. Einfach gesagt, die selbe Vorderachse wie im GT3. Auch die Hinterachse ist durch zusätzliche Verstärkungen und spezifische Radträger an die Dynamik des neuen Cayman GT4 angepasst. Einzelne Kugelgelenke an beiden Achsen binden das Fahrwerk zudem besonders straff an die Karosserie an und ermöglichen damit eine noch präzisere Radführung.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Der Porsche Cayman GT4 meldet sich mit seinem Sportwagensound schon von weitem an.

Für alle Ingenieuren und Hobby-Mechaniker unter uns: Höhe, Sturz und Spur wie auch die Stabilisatoren des Fahrwerks lassen sich für den Rundstreckeneinsatz individuell einstellen. Für die letzten Hundertstelsekunden pro Runde. Und mehr Adrenalin im Blut.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Motorsporterprobt: die optional erhältliche Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB).

An den äusseren Enden warten Michelin Pilot Sport Cup 2 (vorne 245/35, hinten 295/30) für die 20-Zoll-Felgen und in unserem Falle die optionale Porsche Ceramic Composite Brake (PCCB) mit besonders grossen Bremsscheiben (410 mm Durchmesser vorn und 390 mm hinten).

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Innen freut man sich über kurze Wege vom Sportlenkrad zum Schalthebel.

Im Innenraum trifft man auf die Porsche-typische perfekte Verarbeitung in Verbindung mit einigen Rennsportdetails. So mussten Türgriffe aus Gewichtsgründen sogenannten Öffnerschlaufen weichen, die aus Gurtband gefertigt sind. Viel Alcantara am Lenkrad, Schalthebel, A-Säule und am Dachhimmel sorgt für hohen Grip – und Motorsportgefühle. Optional gibt es neben dem Sport Chrono Paket mit einer eingebauten Stoppuhr und einer neu entwickelten Porsche Track Precision App auch ein Clubsportpaket, dass aus einem mit der Karosserie verschraubten Überrollkäfig, 6-Punkt-Gurt und Feuerlöscher besteht.

Kurztest: Porsche Cayman GT4

Optional bringen das Sport Chrono Paket oder das Clubsport Paket noch mehr Motorsportflair in den Innenraum.

Der GT4 ist mehr als ein gelungenes Fahrzeug. Er ist (neben dem GT3 RS) die Ikone unter den Tracktools und verkörpert die Trackday-Philosophie wohl wie kein anderes Fahrzeug. Er ist nicht für den Mainstream oder die Durschnittsporschekunden, sondern für eine spezielle Gruppe an Rennsportenthusiasten und Performancetreiber. Der GT4 beginnt bei CHF 104’700.

Unsere Bewertung

10 Motor

10 Fahrwerk

10 Getriebe

10 Dynamik / Fahrspass

10 Emotionalität

9 Innenraum

10 Bedienung

10 Sitzposition

8 Verbrauch

7 Anschaffungspreis / Aufpreisliste

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