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Fahrbericht: BMW 330d xDrive Touring (G21)

Sind nicht die Freunde die besten, die verlässlich, zurückhaltend und gleichermassen angenehm sind? So einer ist der 330d Touring. Erst etwas belächelt, wollte ich ihn nach einigen Tagen fast nicht mehr abgeben. Doch dazu jetzt mehr.

Ein langer Termin geht zu Ende, knapp zwei Stunden Rückreise stehen an. Das Gepäck verstaut, die Jacke auf den Rücksitz geschmissen, klemmt man sich hinters Steuer. Der 3er startet unauffällig und begibt sich in Richtung Autobahn. Ein Traktor will überholt werden, so bietet sich ein kurzer Kick-Down an und das Drehmoment lässt den Traktor sehr schnell sehr klein werden im Rückspiegel.

Autobahnauffahrt, Tempolimit 120, Fahrassistenten scharfgestellt, die Lieblingsplaylist angewählt und gefühlt nach 30 Minuten ist man bereits im heimischen Gefilde. Einige geschwungene Kurven stehen an, also kurz den Sportmodus rein und der 3er punktet mit hecklastigem Allrad, direkter Lenkung und vernünftiger Handlichkeit, auch durch seine kompakten Aussenmasse. Einlenken, leicht beschleunigen und man fährt dynamisch, aber ohne Krach oder übertriebene Härte durch die kurvige Passage.

Daheim angekommen, wirft man einen Blick auf den Verbrauch: 5,7 Liter Diesel / 100 km. Auf dem Weg aus der Tiefgarage schaue ich zurück und erwische mich bei einem kurzen Lächeln. Er begeistert und ist überraschend emotional. Emotionen, die nicht durch rohe Fahrdynamik, Klang, enges Gestühl oder wahnsinnig entzückenden Aussenlinien geweckt werden, sondern durch seine Souveränität, vermischt mit dem Spagat zwischen Sport & Komfort.

Du denkst jetzt wohl, ich sei weich geworden. Eine Langstrecke wäre auch mit meinem M2 möglich, die paar Kurven wohl noch emotionaler und schneller. Doch zurück zum Vergleich mit den Freunden. Die vorlauten Freunde, die Redseligen und die Clowns sind alle gut, allerdings bitte nur in geringen Dosierungen und nicht an Tagen, die sonst schon angestrengend genug waren. Lange Abende mit tiefgründigen Gesprächen sind oft besser mit der Sorte Freunden, die verlässlich, trotzdem dynamisch, nicht altbacken, vielleicht zu Beginn etwas zurückhaltend und gleichermassen angenehm sind.

So auch mit Autos. Nach einigen Stunden anstrengendem Meeting, brauche ich keinen Fahrdynamik-Clown, der mir die Ohren zubrüllt und dabei noch mit üblen Trinksitten nervt. Am Wochenende dann dafür aber umso lieber..

Doch genug der emotionalen Leier und her mit einigen technischen Daten. Der 330d ist im Gegensatz zu seinem Bruder 330i weiterhin ein Reihensechszylinder-Diesel mit 3.0 Liter Hubraum, so wie es sein Name auch verspricht. Er leistet 265 PS bei 4 000 U/min und ein Drehmoment von 580 Nm Drehmoment zwischen 1’600 und 3’000 U/min. Für den Spurt aus dem Stand auf Tempo 100 benötigt der neue BMW 330d xDrive Touring 5,4 Sekunden.

Gekoppelt an das 8-Gang Steptronic Sport Getriebe mit Schaltwippen ist es, wie wir es aus dem X3 30d kennen, eine perfekt funktionierende Kombination. Dank intelligenter Vernetzung kann das Getriebe seine Schaltstrategie auf die aktuelle Streckenführung und Verkehrssituation abstimmen. Daten des Navigationssystems sowie des Radarsensors der aktiven Geschwindigkeitsregelung werden verwendet, um damit in schnell aufeinanderfolgenden Kurven unnötige Schaltvorgänge zu vermeiden und bei der Annäherung an ein vorausfahrendes Fahrzeug durch frühzeitiges Zurückschalten das Motorschleppmoment zur Verzögerung zu nutzen.

Der BMW-Allrad (xDrive) sorgt auch dank optionalem M Sportdifferential für ein hecklastiges Fahrverhalten in Kurven, was BMW selbst hier, bei einem Modell ohne den Beinamen «M», anbietet. Allerdings muss man auch hinzufügen, dass das optionale «Adaptive M Fahrwerk» in seinem Spagat zwischen Sport und Komfort etwas hinter der noch variableren C-Klasse (C 43 AMG) hinterherhinkt, wenn auch nur um Nuancen.

Die wesentliche Verbesserung im Vergleich zum Vorgänger (F31) liegen dabei im Detail: Die Einführung einer hubabhängigen Dämpferregelung führt zu einer spürbaren Beruhigung des Aufbaus beim Ausgleich von Fahrbahnunebenheiten. An der Vorderachse werden Aufbauschwingungen zunächst durch ein zusätzliches, in die innere Hülse des Dämpfers eintauchendes Element ausgeglichen. Erst bei stärkerer Beanspruchung wird der gesamte Dämpfer aktiv.

Die konzeptionellen Grundvoraussetzungen dafür bieten das optimierte Gewicht, der tiefe Fahrzeugschwerpunkt, eine im Verhältnis 50:50 ausbalancierte Achslastverteilung sowie der lange Radstand, die vergrösserten Spurweiten und die an der Vorderachse erhöhten Radsturzwerte.

Kurzer Aussencheck. Der 3er polarisiert nun deutlich mehr, passend zur weiteren BMW Modellpalette, die zum Teil optisch für viel Diskussionsstoff sorgt. Die grosse BMW Niere geht nun direkt in die Scheinwerfer über, während die LED-Scheinwerfer mit einem Tagfahrlicht in angedeutetem U-Form deutlich grimmiger wirken, als das Tagfahrlicht des optionalen Laserlichts (bei uns verbaut) mit herkömmlicher L-Form.

Seitlich gefallen deutliche Linien, die das Auto breit und sportlich erscheinen lassen. Hinten enttäuscht er mich allerdings etwas. Die abfallende Dachlinie endend in einem Knick oberhalb der Rückleuchte konnte mich nicht überzeugen, während die Rückleuchten mit asiatisch-wirkenden Bogen, sehr an eine Lexus-Rückleuchte erinnern.  Die hochgezogene Heckschürze mit schwarzen Elementen sind wunderbar sportlich und Teil des M-Sport Paketes.

Auch Innen ist der BMW 3er in seiner neuesten G21-Evolution nun aufgeräumter, moderner und vernetzter. Dank M-Paket finden wir hier unter anderem Sportsitze mit M spezifischer Polsterung, ein M Lederlenkrad, einen anthrazitfarbenen BMW Individual Dachhimmel und Interieurleisten in der Ausführung Aluminium Tetragon.

Doch auch hier müssen wir, wie bei einigen anderen BMW-Modellen, die wir kürzlich getestet haben, die Materialabwertungen beim iDrive-Controller und der Tasten rundherum für Fahrmodi und Co. kritisieren. Auch das neue Tacho ist mit seiner Darstellung, die deutlich von den restlichen Darstellungen (Schriftart, Schriftgrösse, Darstellungsart) im Infotainmentscreen abweicht, kein Schritt in die richtige Richtung.

Ansonsten ist die Materialanmutung, die Verarbeitung und die Ergonomie auf sehr hohem Level und ein deutlicher Schritt vorwärts im Vergleich zum Vorgänger. Eine optionale Akustikverglasung sorgt übrigens nun für noch besseren Musikgenuss.

Technisch gesehen spielt BMW nun mit ihrem Parking Assistant Plus und Driving Assistant Plus wieder ganz vorne mit. Ersterer parkt selbstständig ein und auch wieder aus, während er einen interaktiven 3D Anblick permanent berechnet. Das Fahrassistenzpaket sorgt für eine enorme Entlastung im rollenden Zustand. Es beinhaltet eine aktive Geschwindigkeitsregelung mit Stop & Go-Funktion, sowie auch den Lenk- und Spurführungsassistenten. Dazu einen Nothalteassistenten und aktiven Seitenkollisionsschutz.

Was bleibt also?
Der 3er Touring als 330d G21 ist ein wunderbarer Alltagsbegleiter mit mächtigem Drehmoment für alle Situationen. Er trumpft mit seiner Zurückhaltung und seiner Souveränität, wobei er gleichermassen durch seine kompakten Aussenmasse ein direkteres und dynamischeres Fahrverhalten bietet, als sein grosser Bruder, der 5er Touring. Leider ist er etwas schwer geworden (fast 2 Tonnen) und die Optik gibt Anlass zu Diskussionen.

Der Verbrauch lag im Schnitt bei 7,4 Liter Diesel / 100 km. Der Basispreis für den BMW 330d xDrive Touring liegt bei CHF 67’800, unser Testwagen mit optionalen Ausstattungen in der Aussenlackierung “Oxidgrau metallic” liegt bei CHF 107’790.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp:
Aussenfarbe “Dravitgrau Metallic”, 19″ LM Räder Doppelspeiche 791 M Bicolor / Sportreifen, MB, Leder ‘Vernasca’ Mokka Dekorsteppung (SW), Interieurleisten Aluminium Tetragon, Entfall Modellschriftzug, BMW Individual Hochglanz Shadow Line mit erweiterten Umfängen, Sonnenschutzverglasung

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