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Neuvorstellung: EDO Roadster Leggera – Hommage Vert Alpina: Der Alpina, den es nie gab

Als BMW sich die Marke Alpina einverleibte, endete in Buchloe nicht nur eine Familiengeschichte. Es wurde nebenbei eine Lücke für immer zugenagelt. Alpina hat die G29-Basis nie benutzt, und einen solchen Alpina wird es unter BMW-Regie erst recht nicht mehr geben.

Ausser, jemand schreibt es selbst weiter. Genau das tut ein kleines Atelier in Bulle, Kanton Fribourg.

3001617 Bearbeitet

Wem huldigt dieses Auto?

Edo Popken ist in der Szene kein Unbekannter. Mode, Champagner und mit EDO Motorsport eine Reihe kompromissloser Aufbauten auf dem BMW i8, vom i8 Procar bis zum i8 CSL-R. Sein jüngstes Projekt heisst EDO Roadster. Der Wagen, um den es hier geht, ist der Leggera in «Vert Alpina», ein Handschalter auf Basis des BMW Z4 M40i Pure Impulse.

Das Grün heisst Vert Alpina, der Name sagt schon alles. Die Bremssättel leuchten in Blau. Auf den Nabendeckeln der Räder sitzt am gezeigten Fahrzeug das Alpina-Wappen. Und im Cockpit findet sich eine belederte Spange am Lenkrad, dazu eine blaue Naht als weitere Homage.

Das Bemerkenswerte ist, dass EDO daraus kein Geheimnis macht und es klar als Alpina-Homage betitelt.

Warum ausgerechnet ein Alpina-Roadster?

Um zu verstehen, woher diese Zuneigung kommt, muss man weit zurück. Der letzte offene Alpina war der Roadster S, gebaut 2003 bis 2005, ausgerechnet auf dem Z4 der ersten Generation. Danach kein Nachfolger, das Genre war beendet. Dass EDO heute wieder einen Alpina-Roadster auf einen Z4 stellt, schliesst einen Kreis, den in Buchloe niemand mehr geschlossen hat.

Popkens eigene Geschichte beginnt an einer anderen Ecke..

Sein allererstes Atelier-Projekt war ein Z8, den er innen wie aussen selbst interpretiert hat. Der Innenraum wurde in Buchloe genäht, Lavalina-Leder, Bicolor Schwarz/Grün mit gelb-schwarzem Cross-Stitching. Dann fehlte nur noch das grüne Dach.

Der Grund, den er nennt, könnte kaum besser zum heutigen Leggera passen: Er wollte die Handschaltung und keinen schwächeren Motor. Wer die drei Roadster heute sieht, erkennt darin die Fortsetzung eines Gedankens, der vor Jahren mit einem Z8 begann.

EDO BMW Z8 in Alpinagrün

Was steckt drunter?

Unter der Haube arbeitet der bekannte B58, der Drei-Liter-Reihensechser des M40i. Ab Werk leistet er 340 PS und 500 Nm. EDO nennt für den Umbau über 400 PS und mehr als 600 Nm. EDO verspricht eine lineare Leistungscharakteristik ohne typischen Turbo-Effekt. Interessanter wird es bei den Fahrleistungen und hier lohnt sich der Konjunktiv. Unter 4,0 Sekunden auf 100 verspricht EDO für den Handschalter. Zur Einordnung: Der Serien-M40i mit sechs Gängen steht bei 4,6. Ein Schalter, der über eine halbe Sekunde gutmachen soll, während schon die schnellere Wandlerautomatik bei 4,5 liegt, das müsste EDO auf der Bahn erst zeigen. Bis dahin behandeln wir die Zahl wie alle anderen hier, als Herstellerangabe.

Dagegen hält eine grössere Bremsanlage mit 376mm Durchmesser, angelocht und genutet, Leichtbaubremsscheiben mit Brembosattel und einem dezenten A für Alpina-Homage.

Beim Gewicht ähnliches Bild. Von 1.518 kg ist die Rede, gegenüber einer Serienbasis, die im DIN-Standard bei 1.550 kg ansetzt. Was real dazukommt, klingt solide: Gewindefahrwerk, geschmiedete 20-Zöller, eine Zweikolben-Bremsanlage, eine Lithium-Ionen-Starterbatterie, dazu die volle Sattlerarbeit im Innenraum.

Wichtig zu wissen, und ein Unterschied zum üblichen Tuning: Wer einen EDO Roadster will, kauft keinen umgebauten Gebrauchten und konfiguriert auch nichts selbst. EDO legt jede Ausführung fest, der Kunde wählt eine davon. Insgesamt sollen 16 Roadster entstehen, verteilt auf die drei Linien Leggera, Ultraleggera und Concorso und keiner gleicht dem anderen. Nach Angaben von EDO ist jedes Fahrzeug in der Schweiz homologationsfähig, auch emissionsseitig, jedes Bauteil komme mit DTC- oder Herstellergutachten.

Wann wird aus einem BMW ein Alpina?

Als Fahrer eines eigenen Alpina bin ich hier ehrlich zwiegespalten. Die Hommage schmeichelt. Ich mag den Z4 und liebe seine Handschaltung. Alpina ist ein heiliger Gral. Die Hommage kommt aus echter Zuneigung, von jemandem, der selbst Alpina-Modelle besitzt und zelebriert. Das sieht man jedem Detail an.

EDO selbst sieht darin eine reine Hommage ohne rechtliche Angriffsfläche, das Kernargument: BMW hat den Z4 M40i eingestellt, Alpina hat ihn nie gebaut. Dass die Rechte an diesem Namen inzwischen bei BMW liegen, macht die Sache trotzdem pikant. Ob das am Ende reine Verehrung bleibt oder irgendwann jemanden in München stört, wird sich zeigen.

Und die anderen Modelle?

Der Leggera ist nicht allein. Daneben stellt EDO den Ultraleggera mit Carbon-Schalensitzen und Rennstreifen als das trackigere Modell und den Concorso als Gran Turismo mit Achtgang-Automatik und Abstandstempomat. Basis ist bei allen derselbe Z4 M40i. Vom Leggera soll noch eine alpinablaue Variante folgen, weitere Interpretationen sind offen.

Was bleibt?

Die Idee gefällt. Jemand mit viel Mut feiert den Abschied des offenen, handgeschalteten Roadsters mit klassischer Handschrift, den in dieser Generation nie jemand gebaut hat und wohl nie jemand in grösserer Stückzahl bauen wird. Das ist eine schöne Trotzhandlung gegen eine Zeit, in der solche Autos aussterben.

Preise nennt EDO auf Anfrage. Jedes Auto ist eine von EDO festgelegte Einzelkonfiguration, gebaut wird die Serie in streng limitierter Stückzahl. Sobald sich die Gelegenheit ergibt, den grünen Wagen selbst zu fahren, holen wir den Fahrbericht nach. Dann wissen wir auch, was von den Versprechen auf der Strasse übrig bleibt.

Wir bleiben dran.

Alle Bilder zur Verfügung gestellt © Edo Performance – Patrick Meise

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