Es gab da ein Versprechen. Ein kleiner Roadtrip, irgendwann im Jahr 2026. Solche Sätze sagt man schnell. Dann kommt das Leben und sie verstauben. Diesmal nicht. Ende Juli passte ein Datum. Drei Tage, zwei Nächte, dazwischen das Elsass und die Vogesen.
Zwei Autos, die weiter auseinander kaum liegen könnten. Ich im schwarzen 997.2 Carrera 4S, Handschalter und Sauger. Der Kollege im grünen Clio RS, der seltenen Cup-Version. Schwarz gegen grün, schwer gegen leicht. Der eine mit Boxer im Heck und Allrad, der andere ein Fronttriebler ohne überflüssiges Kilo. Auf dem Papier zwei Welten. Auf der Strasse wollten beide das Gleiche.

Zwei Autos, zwei Philosophien
Den 997.2 kennt ihr aus einem früheren Text. Kurz nur. 3.8-Boxer, sechs Gänge von Hand, hydraulische Lenkung, Allrad, nachgerüstete Klappe. Unten rum geht er sanft. Ab vier-, fünftausend Touren wird er zum Problem für die Vernunft. Kein brutaler Schub, eher samtig und ein bisschen böse. Er dreht willig bis oben.
Der Clio ist die bessere Geschichte. Der Kollege hat ihn zum 18. bekommen. Seither, neben anderen Autos, 170’000 Kilometer. Ein Auto, das man mit 18 kriegt und anderthalb Jahrzehnte behält, gehört irgendwann zum eigenen Leben. Es ist die Cup-Version. Weniger Ausstattung, strafferes Fahrwerk, andere Federn und Dämpfer. Schärfer als der normale RS. Die 201 PS kommen erst bei 7100 Touren, die 215 Nm bei 5400. Heisst, drehen, sonst passiert nichts. Dazu Semislicks. Ein Werkzeug für Kurven, mehr will es nicht sein.
Beide kommen ohne Turboloch aus, ohne Soundgenerator, ohne grossen Bildschirm, ohne Nervigkeiten von 2026 wie Intelligent Speed Assistant oder Driving Attention Camera. Handschaltung hier wie dort. Zwei Lenkungen, die einem die Strasse in Gefühl übersetzen, beide hydraulisch. So muss das sein.



Tag 1 – Saverne und rauf in die Höhe
Treffpunkt Saverne, am Kanal, oberes Elsass. Guter Ort zum Loslegen. Wasser, altes Gemäuer, ein bisschen Frankreich zum Warmwerden. Kaffee und für mich einen grossen Glace-Coupes.
Wir hätten direkt hochfahren können. Sind wir nicht. Erst der Bogen über die nördlichen Pässe. Donon, Sainte-Marie, Bonhomme. Erste Kurven, erstes Beschnuppern der zwei Autos. Dazwischen die Ebene, schnurgerade Dämme durchs Wasser, Sonne satt. Noch kein Höhepunkt. Aber man kommt in Stimmung.
Ein Detail sagt viel über den Kollegen. Er macht für jeden Roadtrip einen eigenen Aufkleber. Rund, Berge, Sonne, «Route des Crêtes, 27.–29.07.26». Für den 997 war es der erste. Hoffentlich nicht der letzte.
Nachmittags Check-in im Chalet Hôtel Le Collet. 1100 Meter, direkt am Col de la Schlucht. Basislager, besser gehts kaum. Auf der einen Seite die Kämme, auf der anderen die Weinstrasse. Für einen Fahr-Trip die richtige Idee.




Abends im Chalet – Spa und ein Menü, das man nicht erwartet
Dann das Essen. Ich bin kein Food-Blogger und schon gar kein Food-Fotograf. Trotzdem lag am Ende das Handy auf dem Tisch. Küche von Olivier Lapôtre, Maître Cuisinier de France, dazu Küchenchef Julien Claude. Regional, saisonal, etwas gehaltvoller, nie brav. Es kam Gang um Gang. Ein grüner Gruss aus der Küche. Später eine Bisque auf Heu, das riecht man, bevor man löffelt. Als Hauptgang eine Mousseline von der Heimbach-Forelle, Stampf von der Vitelotte-Kartoffel, Bärlauchcreme. Der violette Kartoffelton zum hellen Fisch, das passt. Zum Schluss ein Lemon-Curd-Crumble mit Zitronen-Ingwer-Sorbet.
Man sitzt danach da, satt und ruhig. Schon der Weg hierher hat sich gelohnt. Das Beste kam am nächsten Tag.

Tag 2 – Die Route des Crêtes
Der zweite Tag war der eigentliche Grund. Vom Hotel direkt auf die Kammstrasse, südwärts. Die Route des Crêtes hält, was der Name sagt. Sie folgt dem Grat der Vogesen. Bei jeder Kuppe kippt der Blick runter in die Rheinebene. Dunst überm Flachland, an klaren Stellen der Schwarzwald dahinter. Links Wiese, rechts Abgrund, dazwischen Asphalt in wechselnder Qualität. Ideallinie kannst du vergessen. Du fährst, was die Strasse hergibt.
Jetzt wurde interessant, wie die zwei Philosophien gegeneinander arbeiten. Auf den schnellen Bögen und in den Abfahrten spielte der Elfer seine Karten. Drehmoment, Ruhe, Traktion aus dem Allrad. Früh und sauber aufs Gas, der Rest passiert von selbst. Nichts Wildes. Es geht einfach vorwärts, während der Boxer von Bariton auf Sopran umschaltet.
Eng, steil, verwinkelt, und der kleine Grüne wurde zur Macht. Von hinten fast unheimlich, wie leicht und wie zügig der ums Eck ging. Das Gewicht, das er nicht mitschleppt, war ihm egal. Semislicks wie festgeklebt, der Sauger oben im Drehzahlband, und der Zwerg sprang von Scheitel zu Scheitel. Ich musste im schwereren Elfer ackern, um dranzubleiben. Da zeigt sich wieder die alte Wahrheit. Leistung ist schön. In Kurven gewinnt am Ende das Kilo, das fehlt. Zwei Wege, gleiches Tempo. Hinter beiden Lenkrädern ein Grinsen.


Eguisheim und der Flammkuchen
Mittags runter von der Höhe, ins Elsass, auf die Weinstrasse. Eguisheim, eines der schönsten Weindörfer der Gegend. Man sieht sofort, warum. Fachwerk, Blumen an jeder Wand, ein Storchennest auf dem Kirchturm, ein Brunnen mittendrin. Touristisch, klar. Trotzdem verdient.
Dazu, was sonst, ein Flammkuchen. Dünn, knusprig, am Rand schön dunkel. Kalte Cola, Terrasse, Mittagssonne. Kein Sternemenü wie am Abend zuvor. In dem Moment aber das Richtige. Das einfache Essen ist oft das ehrlichste.
Über die Höhe zurück zum Hotel. Nach einem Tag Kurven ist ein Spa auf 450 Quadratmetern nicht das Schlechteste. Pool, Sauna, Jacuzzi. Beine hoch, Wasser blubbert, Entspannung stellt sich ein. So ein Abend rettet den nächsten Fahrtag, mehr als man denkt.


Ursachenforschung
Über eine Sache habe ich unterwegs immer wieder nachgedacht. Ich werde langsam richtig warm mit dem 997.2. Das passiert mir nicht mit jedem Auto. Ehrlich gesagt mit den wenigsten.
Zwei stechen aus der Vergangenheit raus. Mein erster MINI JCW, der Dreitürer, den ich von 2012 bis 2017 hatte. Und der MINI Countryman JCW, mit dem ich bis Sizilien runter bin. Die Frage ist, warum die und nicht die schnelleren, teureren, (un)vernünftigeren dazwischen. Ich glaube, es liegt nicht an der Rundenzeit. Es liegt daran, dass diese Autos etwas von einem wollen. Ein Handschalter, der eine saubere Kupplung verlangt. Eine Lenkung, die redet, statt zu filtern. Ein Charakter, der nicht bei jedem Kaltstart gleich klingt.
Der 997.2 hat genau das. Er lässt mich arbeiten. Er gibt was zurück. Je mehr Kilometer zusammenkommen, desto mehr wird aus dem Kauf ein Kompagnon. Diese drei Tage über die Route des Crêtes haben das beschleunigt.

Fazit
Was bleibt. Zuerst eine alte Überzeugung, hier bei OneMoreLap ohnehin Programm: The trend is not your friend. Zwei Autos ohne Bildschirmzirkus, ohne Turbodebatte, mit drei Pedalen und einer ehrlichen Lenkung. Auf so einer Strecke schlägt das jedes Datenblatt. Ein alter Elfer aus Zuffenhausen und ein siebzehn Jahre alter Franzose mit 170’000 Kilometern zeigen dasselbe. Charakter altert nicht.
Dann die Route. Basislager mit festem Hotel war goldrichtig. Die Route des Crêtes ist jeden Kilometer wert, Sprit inklusive. Das Elsass drumherum liefert die Pausen, die so ein Trip braucht.
Und der Rest. Ein Versprechen eingelöst. Viel braucht es nicht. Zwei Autos, an denen man hängt, eine Strasse, die sich lohnt, jemand, mit dem man beides teilt. Der nächste Trip ist schon versprochen. Diesmal hoffentlich früher.
Interaktive Route:
Route des Crêtes
Basislager Le Collet · 27.–29.07.26
