Suche

Ferien im falschen Monte Carlo: Mit dem Alpina B5 durch die Toskana, wo kein Bordstein sicher ist

Monte Carlo. Man denkt an Casino, Yachten, Fürstenfamilie. An einen Ort, wo ein blauer Alpina B5 Touring genau richtig steht, zwischen all den anderen leisen Statussymbolen der Leute, die es nicht nötig haben, laut zu sein.

Nur bin ich im falschen Monte Carlo gelandet. In Montecarlo, einem Dorf in der Toskana, oberhalb von Lucca, bekannt für seinen Wein und für nichts, was mit Monaco zu tun hätte. Und dort, auf einem Parkplatz unter einer alten Eiche, stand neben meinem 320-km/h-Kombi ein dunkelblauer Fiat 500 aus den Sechzigern. Weidenkorb auf der Heckklappe. Zweimal Touring. Ziemlich coole Combo.

Ferien im falschen Monte Carlo: Mit dem Alpina B5 durch die Toskana, wo kein Bordstein sicher ist

Warum ausgerechnet hier?

Urlaub. Kein Pässe-Roadtrip, keine Fotokulisse, kein Programm. Einfach Altopascio, ein Haus mit Pool, ein Olivenbaum, der Hund im Schatten. Das klingt langweilig, perfekt – soll es auch sein. Genau auf so einer Reise zeigt ein Auto, was es wirklich kann. Hitze, italienische Autobahn, viel Gepäck und Hundebox.

Ich habe den B5 gekauft, nachdem ich zehn Tage lang den M5 als Plug-in-Hybrid gefahren war. Mein Toskana-Trip hat die These nochmals gestärkt.

Was kann der B5, was hier zählt?

Nicht der Topspeed. Der interessiert auf der italienischen Landstrasse niemanden, mich am wenigsten. Der grosse V8, ein 4,4-Liter-Biturbo auf N63-Basis (N63B44T3) mit 621 PS und 800 Nm, zieht leise und hat Durchzug wie ein Güterzug, ohne dass man ihn je richtig fordern müsste. Man gleitet. Dazu ein Kofferraum der nicht von Batterien beengt wird. Ladestopp? Fehlanzeige.

Das ist die Alpina-Idee. Nicht schneller als ein M5, aber weiter, leiser, souveräner. Wobei die Souveränität auf der italienischen Autobahn zweimal auf die Probe gestellt wurde. Da kam jeweils einer angeflogen, fuhr dicht auf, wie es der Verkehr dort so mit sich bringt. Beide Male genügte ein sanfter Gasbefehl, das Drehmoment liegt ja schon knapp über Leerlauf an und die Sache hatte sich erledigt. Ohne Hektik, ohne Drama. Was blieb, war im Rückspiegel ein Fahrer, der rätselte, was ihn da eben so mühelos stehen gelassen hat. Einen 5er-Kombi hat er gesehen, die sechs Buchstaben am Heck wohl erst danach bei Google eingegeben..

Und wo hört der Spass auf?

Am Bordstein.

Italien ist kein Land für Frontsplitter. Das lernt man schnell und man lernt es jedes Mal neu, mit angehaltenem Atem. Jede Rampe, jede Bordsteinkante, jede italienische Dorfeinfahrt ist eine kleine Prüfung für den tiefen Alpina. In Lucca gibt es ein grosses Parkhaus, dort geht es, aber nur, wenn man die Rampe schräg anfährt, im Millimeterbereich.

Ferien im falschen Monte Carlo: Mit dem Alpina B5 durch die Toskana, wo kein Bordstein sicher ist

Das ist der Preis dieses Autos. Ein Gran Turismo, gebaut für die Autobahn und die grosse Reise, muss im engen italienischen Alltag mit Vorsicht behandelt werden. Abstriche die ich gerne mache – wenn ich die ganzen Frontantrieb-Crossover-SUV-Geschwüre mit Basismotorisierung sehe.

Lucca und das falsche Monte Carlo

Lucca erkundet man am besten zu Fuss. Die Altstadt hinter der berühmten Stadtmauer ist eng, verwinkelt und nichts für einen breiten, tiefen Kombi. So gehört es sich auch. Die schönsten Orte erschliesst man ohnehin nicht durchs Fahrerfenster.

Und dann Montecarlo. Der Name ist der ganze Witz. Kein Fürstentum, kein Glamour, sondern ein stilles Bergdorf mit Aussicht ins Tal. Genau der richtige Platz für ein Auto, das Understatement zur Kunst macht. Dass ausgerechnet hier ein sechzigjähriger Fiat 500 neben mir parkte, war Zufall. Aber es war der Zufall, der die ganze Reise auf den Punkt brachte. Zwei blaue Autos, zwei Epochen. Blaue Tourings, die rocken.

Am schönsten hat es eine Gruppe älterer Italiener vor dem Pizzaladen gesagt. Ein paar Gesten, ein anerkennendes Nicken zum Auto und die Frage, die keine war: Das sei doch kein normaler BMW – Otto Cilindri? Ja und nein. Ist es nicht.

Was bleibt?

Kein Fazit über Querdynamik, keine Rundenzeit. Sondern der leiseste Superlativ, den es gibt: Der B5 Touring ist das reisetauglichste schnelle Auto, das man kaufen kann. Souverän & beruhigend, ein Auto, das 320 km/h kann und trotzdem der beste Begleiter für einen Urlaub ist, bei dem man kein einziges Mal schnell fahren “muss”, aber jederzeit könnte. Das Monza mitnimmt, das Gepäck schluckt, das über den Pass gleitet und sich in der Toskana unauffällig einreiht. Der Tank dürfte etwas grösser sein. Ansonsten habe ich keine negativen Punkte.

Nur den Bordsteinen sollte man in Italien weiter misstrauen. Die vergeben nichts.

Schreibe eine Antwort

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Schliessen
Impressum & Datenschutzerklärung | Partner von: RINGLI.media © 2023. Alle Rechte vorbehalten.
Schliessen