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Ford Mustang Dark Horse (2025) 5.0 V8 – Handschalter

Manchmal ist es gut, wenn sich nichts ändert. Während Europa alles elektrifiziert was nicht bei drei auf den Bäumen ist und die Letzten der Handschalt-Fraktion ihre Helme an den Nagel hängen, bringt Ford einfach nochmal einen richtigen Mustang. V8. Handschaltung. Coupé. Punkt.

2024 markierte das 60-jährige Jubiläum des Ford Mustang – und statt sich leise zu verabschieden, trompetet Ford das Comeback des klassischen V8-Sportwagens lauter denn je. Nach dem bereits gelungenen Mustang Mach 1, der uns 2021 mit präziser Handschaltung, Shelby-GT350-Komponenten und echtem Fahrspass überraschte, schiebt Ford nun gleich zwei Neuinterpretationen nach: den rundum verbesserten Mustang GT und einen „Mach-2“ – den Dark Horse. Beide Modelle feiern den V8-Sauger mit einem Augenzwinkern und einer klaren Botschaft: Wir sind noch da.

Einsteigen, Startknopf drücken – und dann passiert es: Ein tiefes, kehliges Grollen schüttelt das Auto durch, der V8 ist ready. Kein künstlicher Sound, kein Synthesizer – hier klingt alles echt. Der Motorlauf pulsiert spürbar durch Sitz und Lenkrad, ein Sounderlebnis, das dich sofort wachrüttelt.

Fahrimpressionen – so fährt sich der neue Mustang
Schon die ersten Kilometer lassen erahnen, dass dieser Mustang mehr kann als nur geradeaus donnern. Die Gasannahme ist in den Sport und Track-Modi messerscharf, das Ansprechverhalten präzise, ohne hibbelig zu wirken. Auf der Autobahn gleitet er überraschend gelassen, der V8 brummt bei Tempomat 120 zwar deutlich hörbar im Hintergrund, doch wehe, man schaltet zwei Gänge runter und gibt Vollgas: Dann schiebt der Mustang vehement an, begleitet von Donnergrollen aus den vier Auspuffendrohren.

Richtig spannend wird es auf der Landstrasse. Enge Kehren, längere Kurvenkombinationen, wellige Strecken – der lange Radstand und das beachtliche Gewicht (rund 1’800 kg) lassen den Mustang zwar nicht zum agilen Kurvenfloh werden, aber er überrascht mit gutem Rhythmusgefühl und stabiler Balance. Im direkten Vergleich zum BMW M4 fühlt er sich weniger messerscharf und technisch neutralisiert an – aber genau das macht ihn auch zugänglicher und ehrlicher. Während der M4 seine Dynamik fast steril und perfekt auf den Asphalt presst, carved der Mustang eher – mit breiter Brust, aber auch mit ehrlicher Seele.

Die Lenkung belässt man am besten im normalen Modus, denn dort bietet sie den besten Kompromiss aus Leichtgängigkeit und Rückmeldung. In Sport und Track wirkt sie unnötig synthetisch und mit künstlicher Schwergängigkeit, die wenig Mehrwert bringt. Wer vom M4 kommt, wird sich vielleicht eine direktere Verbindung zur Vorderachse wünschen – aber im Kontext eines US-Muscle Cars ist das hier das beste Setup, das Ford je angeboten hat. Das 6-Gang-Handschaltgetriebe gefällt – die Wege sind kurz, wenn auch leicht knorrig. Doch in Kombination mit dem automatisch gesetzten, grosszügigen Zwischengas beim Runterschalten wird jeder Gangwechsel zum kleinen Spektakel. Kein Zweifel: Wer selbst schaltet, hat mehr vom Mustang. Schade: In den USA gibt es ein optionales Handling-Paket (nicht EU-homologiert) mit breiteren Felgen, Trofeo RS Reifen, mehr negativem Sturz und noch mehr Grip. Hey Ford, warum keine limitierte Version – Dark Knight Horse Edition?

Und der Klang?
Ein Gedicht. Schon im normalen Modus klingt der V8 sonor und tief, in „Sport“ wird’s basslastiger – im „Track“-Modus dann Klappen auf – freie Fahrt für die kleinen Dezibels: Laut, präsent, fast rotzig. Kein synthetischer Unfug, sondern echter Achtzylinderklang. Einziger Nachteil: Wer frühmorgens losfährt, sollte seine Nachbarn regelmässig zum Grillfest einladen.

Dark Horse – der Mach-1 Nachfolger?
Der neue Mustang ist optisch kantiger geworden, mutiger – besonders in der Dark Horse-Version mit aggressivem Kühlergrill, breiten Lufteinlässen und dunklen LED-Scheinwerfern. Gegenüber dem normalen GT hat der Darkhorse stärkere Querstabilisatoren, deutlich bessere Hitzeresistenz dank Ölkühlern für Motor, Getriebe und Differenzial.

Kleiner Exkurs – Blue Ember Metallic – wow, was für eine Farbe. Dieser Farbton ist eine wunderschöne Kombination aus dunklem Blau mit einem feinen, kupfer-goldenen Schimmer. Besonders im Sonnenlicht entfaltet der Lack seine ganze Kraft – je nach Blickwinkel wechselt er leicht zwischen Blau, Lila und einem warmen Goldton. Kein Effektlack, der sich aufdrängt – sondern ein subtiler, eleganter Farbton, der Tiefe und Charakter ausstrahlt. Mystisch – perfekt zum Namen „Dark Horse“.

Wer es besonders möchte, kann das optionale Dark Horse Styling Paket wählen – allerdings nur in Kombination mit den Farben Vapor Blue Metallic, Blue Ember Metallic oder Absolute Black Metallic. Dieses Paket umfasst unter anderem ein schwarz lackiertes Dach, Bremssättel in Notorious Blue, Indigo Blue Akzente im Interieur sowie Türtafeln mit zusätzlichen Einsätzen in Indigo Blue. Eine Kombination, die wirkt – aber eben nicht für alle Farbtöne verfügbar.

Innen zeigt sich der Dark Horse zweischneidig. Der neue blaue Titan-Schaltknauf wird im Sommer wohl zur Herdplatte, sieht aber verdammt gut aus. Die Bildschirme – 12,4-Zoll Instrumente und 13,2-Zoll-Touchscreen – beeindrucken durch Grafik, Tempo und Personalisierbarkeit. Ein Highlight: Die Retro-Optik im Tacho, die per OTA-Update eingespielt wurde, erinnert an analoge Mustang-Tage und sorgt für ein Grinsen bei jedem Start.

Doch bei allem Fortschritt: Die Knöpfchenflut am Lenkrad ist gewöhnungsbedürftig – manche Funktionen wie die Klappenauspuff-Modi lassen sich nicht mehr direkt anwählen, sondern nur über das Drive Mode Menü. Das wirkt im Vergleich zum aufgeräumteren Mach 1 unnötig verschachtelt. Das Interieur wirkt hochwertiger als zuvor, bleibt aber klar funktional – Mustang eben.

Für die, die wollen: Ein Drift-Modus mit elektronischer Driftbremse. Eine elektromechanische Lösung, die mit Hilfe von Drift-Profi Vaughn Gittin Jr. entwickelt wurde. Sie steuert die Hinterradbremsen über kompakte Elektromotoren und soll sowohl Einsteigern als auch Profis die perfekte Querfahrt ermöglichen – zumindest theoretisch. Aus Rücksicht auf die Reifen und den „Real-World“ Nutzen haben wir dieses System nicht ausprobiert.

Der neue Mustang kommt mit einer ganzen Reihe moderner Assistenzsysteme daher. Spurhalteassistent, adaptiver Tempomat, Verkehrszeichenerkennung, Rückfahr-Notbremse – all das ist nun mit an Bord. Damit fährt sich der Mustang im Alltag sicherer, aber zum Glück nicht bevormundend. Im Gegensatz zum Vorgänger (Mach 1), der noch keinen Spurhalte-Assistenten kannte, erkennt man hier, dass Ford die Balance zwischen Fortschritt und Fahrfreude ernst nimmt.

Was bleibt also?
Der neue Mustang ist ein letztes Aufbäumen gegen ein Zeitalter der Elektrifizierung. Er ist wild, laut, roh – und genau deswegen so besonders. Aktuell ist er das einzige neu-zu-erwerbende Sportcoupé mit frei atmendem V8 und Handschaltung. Kein Turbo. Kein Fake-Sound. Kein Doppelkupplungs-Geschwätz. Einfach du und das Auto. Und wenn Ford nicht irgendwann doch ein „Trojan Horse“ auf Elektrobasis bringt, bleibt dieser Mustang für viele von uns wohl der letzte Echte. Er ist nicht perfekt – die Lenkung ist nicht die direkteste, die nicht-Schalensitze kein Highlight, das Infotainment etwas verspielt, der Innenraum wirkt stellenweise grob. Aber: Er ist ehrlich. Und genau das macht ihn in einer Welt voller glatter Perfektion so begehrenswert.

Der Verbrauch lag im Schnitt über die gesamte Testdauer bei 14,6 Liter Benzin / 100 km. Der Basispreis für den Ford Mustang Dark Horse mit 6-Gang-Handschaltung liegt bei CHF 77’800, unser Testwagen in der Aussenfarbe “Blue Ember” und optionaler Ausstattung lag bei CHF 79’800.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Aussenfarbe Blue Ember, Recaro-Sportsitze, Dark Horse Styling Paket

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