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70 Jahre Porsche Sportwagen

Von Ferry Porsche ist das Zitat überliefert: „Das letzte Auto, das gebaut werden wird, wird ein Sportwagen sein.“ Nach 70 Jahren Sportwagenbau sagt Porsche sogar nun: „Das letzte Auto mit Verbrennungsmotor das jemals gebaut wird, wird ein Sportwagen mit Boxermotor sein.“

Diese Vision und noch viel mehr hat uns Porsche anlässlich ihres 70-Jahre-Sportwagen-Jubiläums genauer erklärt.
Doch beginnen wir von vorne:

Ende der 1940er Jahre fällt Ferry Porsche eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen: Um seinen lang gehegten Traum zu verwirklichen, startet der Juniorchef des Konstruktionsbüros Porsche das Projekt eines Sportwagens nach seinen eigenen Vorstellungen und unter seinem eigenen Namen. Die Konstruktionsnummer ist zugleich Typbezeichnung und wird zur Legende: 356.

Im Frühsommer 1948 ist der erste Prototyp fahrbereit. Der Mittelmotor-Roadster mit einem auf 35 PS gesteigerten Vierzylinder-Boxermotor aus dem VW Volkswagen erhält im Juni 1948 seine Strassenzulassung. Der 356 “Nr. 1“ Roadster ist der erste Sportwagen mit dem Namen Porsche, der Ursprung der Marke.

Trotz aller Erfolge des Porsche 356 zeichnet sich schon Mitte der 1950er Jahre ab, dass nur ein grundlegend neu konstruierter Sportwagen die Basis für das weitere Wachstum von Porsche sein würde.

Der luftgekühlte Boxermotor im Heck soll erhalten bleiben und der Wunsch nach mehr Leistung und Laufruhe, einer verbesserten Strassenlage sowie einem grösseren Innen- und Kofferraum erfüllt werden. Die Entwicklung mündet in den Typ 901, der 1963 auf der IAA in Frankfurt vorgestellt wird. Kurz nach den ersten Auslieferungen, muss das neue Modell wegen eines Einspruchs von Peugeot umbenannt werden: Der 911 ist geboren.

Was dann passierte, wissen wir alle. In einer beispiellosen Karriere über 54 Jahre entwickelt sich der 911 stetig weiter und bleibt sich im Grunde doch immer treu − er wird zur Sportwagenikone.

Mit dem 911 und den beiden 718-Varianten Boxster und Cayman bietet Porsche eine grosse Spreizung an Sportwagen. Es lässt dem Kunden die Wahl zwischen Heck- und Mittelmotor, zwischen Allrad- und Hinterradantrieb, zwischen Coupé und Targa, Cabriolet und Roadster. Puristische Saugmotoren in den GT-Modellen, Turbomotoren in den normalen Alltagsautos und bald auch Hybridantriebe und sogar ein rein elektrischer Antrieb im 911?

Genug der Theorie, starten wir unsere Fahrt durch die Modellpalette der Schwaben. Wir beginnen mit der Fahrt vom Hotel zur Teststrecke im Porsche Panamera Sport Turismo als Turbo S E-Hybrid. Ob Porsche uns damit schon vorab sagen will: „Habt keine Angst, die Zukunft hält vielleicht Batterien bereit, aber wird dafür umso schneller?“

Der Antritt der 680 PS und 850 Nm ist gewaltig, allerdings fehlt das Zückerchen, sobald die E-Power ausgeschöpft ist. Die Fahrleistungen eines grossen Kombis mit Platz für Hund, Familie und Schwiegermutter verknüpft mit den Fahrleistungen eines 911 Turbo S. Ein paar weitere Fakten gefällig? Basispreis CHF 249‘700, O-100 km/h Sprintzeit: 3,4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 310 km/h.

So vergeht die Fahrt von Düsseldorf nach Aldenhoven sehr schnell und erstaunlich komfortabel. In Aldenhoven angekommen, folgt dann zügig der Umstieg in den 718 Cayman S.

Porsche versucht im 718 das Konzept der erfolgreichen Sportwagen aus den 1950er Jahren wieder aufleben zu lassen: Ein Zweisitzer mit einem Vierzylinder-Boxermotor vor der Hinterachse. Leider gelingt das nur mässig-erfolgreich, da viele Kunden bei der Kombination von 2.5 Liter Vierzylindermotor und einem Basispreis von CHF 86‘500 für den 718 Cayman S zu sehr zusammenzucken.

Leider verpassen diese Kunden aber auch den wohl aktuell besten kompakten Mittelmotorsportwagen. 350 PS mit einem leichteren Motor (im Vergleich zum Vorgänger 981) und Turboaufladung sorgen für fantastisches Feedback und einen sehr hohen Grenzbereich auf einem engen Handling-Parcours.

Umstieg in die Ikone. Ein 911, genauer ein 991.2 Carrera 4 GTS steht bereit. 0-100 km/h in 4.0 Sekunden, 450 PS und einen Basispreis von CHF 174‘600. Einige Runden auf dem engen Handling-Parcours hinter dem 718 GTS zeigen, dass der 911er unterdessen etwas zu erwachsen für diese Art von Spielplatz geworden ist.

Wir ziehen also weiter und finden einen Slalom mit anschliessender Rechtskurve, die nach dem Scheitelpunkt ein Ausweichmanöver simuliert. In unserem 4 GTS ist die volle Palette an Helferlein an Bord: Aktives Dämpfungssystem PASM, die Hinterachslenkung, der Wankausgleich PDCC und der intelligente Allradantrieb PTM.

Somit werden der Slalom und das Ausweichmanöver zum Kinderspiel. PDCC ist ein System zur aktiven Wankstabilisierung. Es minimiert die Seitenneigung des Fahrzeugs bei Kurvenfahrt. Zudem vermindert es ein seitliches Aufschaukeln des Fahrzeugs auf welligem Untergrund. Ein späterer Durchgang mit deaktiviertem PDCC zeigt aber, dass das Fahrzeug nun nicht mehr nur über die Reifen kommunizieren darf, sondern der Fahrer auch über die Wankbewegungen der Karosserie, den Grenzbereich etwas besser abschätzen kann.

Der 3.0 6-Zylinder-Biturbo-Boxermotor ist zusammen mit dem hervorragenden Porsche Doppelkupplungsgetriebe ein absolutes Sahnestück. Während man von aussen ein leichtes Turbosäuseln hört, spielt die Sportabgasanlage und der Soundaktuator auch im Cockpit alle Stufen der Boxersound-Orgie bis zum Begrenzer durch.

Ist Fortschritt also immer schlecht? Nein. Porsche hat uns anwesenden Medien versprochen auch in Zukunft alles Menschenmögliche zu tun, um die zwar immer strenger werdenden Vorschriften seitens Regierung / EU einzuhalten, aber auch weiterhin sehr emotionale Fahrerautos zu bauen. Dazu arbeitet man an optimierten Brennverfahren, niedrigeren Emissionswerten und Elektrifizierung zur Erhöhung der Performance.

Mehr als sechs Milliarden Euro investiert Porsche bis 2022 in die Elektromobilität: in Plug-in-Hybride und in rein elektrische Fahrzeuge. Das Zukunftspaket beinhaltet rund drei Milliarden Euro Sachinvestitionen und etwas mehr als drei Milliarden Euro Entwicklungskosten. Davon fliessen etwa 500 Millionen Euro in die Entwicklung von Varianten und Derivaten des Taycan (Mission E), gut eine Milliarde Euro in die Elektrifizierung und Hybridisierung der bestehenden Produktpalette, mehrere hundert Millionen in den Ausbau der Standorte sowie rund 700 Millionen Euro in neue Technologien, Ladeinfrastruktur und Smart Mobility.

Eine abschliessende schnelle Runde im Porsche 911 GT2 RS mit Rekordfahrer Lars Kern hat dann nochmals eindrücklich gezeigt, dass Porsche viel mehr ist als ein Fortbewegungsmittel. Ein Porsche steht für Fahrspass, für Emotionalität, für Individualität. Ein Porsche wird immer ein Fahrzeug sein, das man selbst fahren möchte und auch selbst fahren kann.

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