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Ausblick auf den MINI John Cooper Works GP 3 (2020)

MINI steckt gerade etwas in der Krise. Die Neuheiten liessen sich lange Zeit, die sportlichen Derivate erwachen nun langsam wieder aus einem Dornröschenschlaf. Aus John Cooper Sleeps wird wieder John Cooper Works. Highlight: Der neue MINI John Cooper Works GP 3.

Die Marke aus England hat uns im Rahmen des 24-Stunden-Rennen zum Nürburgring eingeladen. Ein sympathischer Food-Truck, nette Unterkunft, einige alte MINIs, eine angenehme Atmosphäre und eben ein GP 3 Prototyp neben seinen GP-Brüdern. Dazu die neuen 306 PS starken MINI Clubman JCW und Countryman JCW. Die John Cooper Works Modelle werden endlich wieder standesgemäss befeuert und gefeiert.

Als besonderes Highlight, zumindest für mich, sind zwei Dakar-Fahrzeuge plötzlich aufgetaucht. Dazu ganz unscheinbar, Dakar-Legende Stéphane Peterhansel, der gerne einige spannende Geschichten erzählte.

Die Marke MINI hatte allerdings nicht viel Mitteilungsbedarf. Keine Pressekonferenz, keine Gelegenheit zur Mitfahrt, nur die Demorunde vor dem Rennstart durften wir vom Brünnchen aus beobachten. Ein dünnes Programm als Sinnbild für MINI’s aktuelle (Neuheiten-)Krise.

Die drei bisherigen MINI JCW GP Generationen mit zwei Dakar-Fahrzeugen sind fast geräuschlos vorbeigehuscht. Einige Sekunden später folgten etwa 50 laut-knallende Hyundai i30 N und i30 N Fastback mit Werkskennzeichen, die vom Publikum bejubelt wurden.

Wie bloss geriet die Kult-Marke in ihr heutiges Formtief? MINI war einst das, was Hyundai N heute ist. Die junge, freche und unvernünftige Alternative. Heute ist MINI wie Facebook. Für die Jungen zu langweilig, weil längst die Eltern ihre Einkäufe im Countryman D herumkutschieren.

Da gäbe es noch die passionierten Sportfahrer, die MINI ebenfalls ihren Rücken zugedreht haben. Was ist da los? Nun entweder hegen und pflegen diese ihren MINI R56 GP 2 oder haben längst die Marke gewechselt. Das kam mit der unsportlichen, schweren und behäbigen Vorfacelift-Generation des John Cooper Works F56, die es zum Marktstart nur mit einer spassraubenden 6-Gang-Automatik gab.

Doch MINI verspricht Besserung! Was wissen wir also bereits über den kommenden GP 3? Ein mehr als 300 PS starker Vierzylinder soll für gutes Spurtvermögen sorgen. Weit geöffnete Lufteinlässe, grosse Leichtmetallräder, das eigenständige Design der Front- und Heckschürze sowie der comic-artige Dachspoiler sind die trotz der für das Testprogramm aufgelegten Tarnung unübersehbaren Merkmale des neuen GP.

Hört sich doch soweit so gut an. Generell muss man als Sportfahrer ja schon jubeln, wenn sich eine Marke überhaupt noch entschliesst, eine puristische, leichtere und schnellere Sonderversion auf die Beine zu stellen. Gefällt, MINI! Endlich wieder ein Herz für Petrolheads.

Ich, als grosser Mini-Fan und ehemaliger John Cooper Works Besitzer, hatte mich gefreut. Vielleicht würde ein GP 3 Prototyp als seriennaher Rennwagen für die ultimative Langstrecken-Erprobung beim 24-Stunden-Rennen an den Start gehen, wie damals die Hyundai i30 N im Jahre 2017. Die Antwort von MINI dazu: “Nein, zu viel Aufwand.”

Gut, meine Hoffnung war noch nicht ganz dahin. Immerhin soll der GP 3 in etwa dieselbe Leistung wie ein Civic Type R bekommen, dazu wohl etwas weniger Gewicht. Es bietet sich also an, dem Japaner den Rekord auf der Nordschleife für frontangetriebene Autos streitig zu machen. Das wäre ein weiterer Paukenschlag mit dem MINI allen Sportfahrern klar zeigen könnte: “Wir sind zurück!”

Doch auch da wurden meine Erwartungen getrübt. MINI gibt sich vorerst mit einer 7:56:69 zufrieden. Diese Zeit ist zwar alles andere als langsam, jedoch wirkt der neue GP 3 mit seiner erwachsenen Grösse, mehr als 300 PS, den Verbreiterungen und grossen Reifen auch so, als könnte er noch viel mehr. Vielleicht findet MINI mit etwas Feinabstimmung auch noch die eine oder andere Sekunde..

Die Basis für den aktuellen F56 JCW GP 3 fuhr gerade einmal eine 8:28 und aus diesem Betrachtungswinkel ist die neue Sub-8-Zeit schon sehr beachtlich. Aber ist beachtlich genug? Genug um all die verlorenen Kunden wieder zu begeistern und Preise aufzurufen, die wohl über CHF 60’000 liegen?

Wir werden sehen. Ich würde es mir jedenfalls wünschen, denn jede Fahrt in einem sportlichen MINI ist ein freudiges Ereignis. Je sportlicher, desto besser.

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