Fahrbericht: Hyundai i30 N Performance

Irgendwo in der Vulkaneifel. Die Strassen sind verwinkelt, sehr schmal, geprägt von Ausbesserungen, kleinen Wellen und Unebenheiten. Perfektes Revier für einen «Hot hatch», also einen Kompaktsportwagen. Doch was kann der Hyundai i30 N Performance?

Die Strasse lichtet sich, wir sehen die Oberburg von den zwei Manderscheider Burgen, in denen früher die Kurfürsten von Trier und der Manderscheider Graf eine wohl eher unruhige Nachbarschaft pflegten. Runter zur Niederburg geht es über eine steile Strasse mit Haarnadeln, spät bremsen, einlenken, beschleunigen.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

An der Niederburg vorbei, runterschalten, Zwischengas kommt automatisch. Die Bedienbarkeit von Getriebe und Kupplung ist fantastisch. Die Schaltgassen sind definierter und kürzer als bei meinem BMW M2.

Es geht wieder den Berg hoch, der Schall wird von der Felswand zurückgeleitet. Kurz vom Gas, eine gewehrschussartige Salve kommt aus dem Auspuff geschossen. Pedal wieder runter, der Hyundai krallt sich gierig die Kurve, die LED-Schaltanzeige blitzt, nächster Gang und weiter. Alles wirkt direkt, anstrengend, ungefiltert, echt. Gänsehaut!

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Weiter führt die Strasse in Richtung Nürburgring. Da wo der i30N viele tausend Kilometer akribischer Fahrwerkserprobung auf und neben der grünen Hölle absolviert hat. Aber wer jetzt denkt, dass das N im Namen nur für Nürburgring steht, liegt falsch.

Der tiefgreifende Feinschliff an Motor- und Getriebetechnik wurde im Entwicklungszentrum Namyang vorgenommen. N steht also für die sportlichen Hyundai-Modelle die in Namyang und am Nürburgring «scharf» gemacht werden.

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Ein weiterer Punkt warum ich den i30 N mag? Er macht beim prestigeträchtigen Wettlauf um die beste Zeit für frontangetriebene Fahrzeuge auf der Nürburgring-Nordschleife nicht mit. Im Kern der Entwicklung stand ein emotionales Fahrerlebnis.

Das, was die stärkeren und schnelleren Konkurrenten (Cupra 300, Golf GTI / R, Type R) leider oft vernachlässigen.

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Ist der i30 N also emotional aber langsam? Nein, der Vierzylinderturbo leistet 275 PS  bei 6’000 Umdrehungen und 353 Nm bei 1’450 – 4’700 Umdrehungen. Im Overboost, also für maximal 18 Sekunden sogar 378 Nm bei 1’750 – 4’200 Umdrehungen.

Das sorgt für eine Beschleunigung 0-100 km/h von 6,1 Sekunden. Langsam ist das nicht.

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Allerdings haben die Ingenieure von N leider keine Abspeckkur verordnet. Lenkradheizung, diverse Assistenzsysteme, elektrische Sitzverstellung mit Memory und vieles mehr sorgt für ein Gewicht von rund 1’500 kg, was doch etwas zu «dick» ist.

Unser «Lieblingshatch», der Golf Clubsport S kam dank Diät auf unter 1’300 Kilogramm. 200 kg Differenz in dieser Fahrzeugklasse ist deutlich spürbar. Ein Clubsport S lenkt eine Spur direkter ein, schiebt weniger über die Vorderachse, fühlt sich bissiger, frischer und einfach leichtfüssiger an. Also freuen wir uns auf einen i30 N der vielleicht schon bald etwas abspeckt oder dieses Gewicht mit über 300 PS noch etwas dynamischer nach vorne bringt.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Erstmals bei einem Hyundai Modell hierzulande kommt ein Sportfahrwerk mit adaptiven Stossdämpfern zum Einsatz. Es lohnt sich, für die Landstrasse das entspanntere Programm zu wählen. Es dämpft schnell und gleichmässig Unebenheiten weg, ohne übermässig anfällig auf Wankneigungen zu sein. Absolut perfekt für Landstrassen.

Auch für die elektrisch unterstützte Servolenkung haben sich die Hyundai Ingenieure etwas Besonderes einfallen lassen: Die Servounterstützung greift nicht an der Lenksäule, sondern ist direkt am Lenkgetriebe platziert. So kann die Lenkung höhere Kräfte übertragen, reagiert schneller auf die Befehle des Fahrers und gibt überdies präzisere Rückmeldungen.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Kurze Pause mit Aussencheck. Vorne sind unzählige Mücken stumme Zeugen puren Fahrspasses. Im Vergleich zu seinem Mitbewerber Civic Type R kann man vom i30 N sagen, dass er nicht in einer Blindenwerkstatt entstanden ist.

Viele N Logos, rote Zierleisten an der schwarzen Frontlippe, serienmässige Voll-LED-Scheinwerfer und einige aerodynamische Änderungen für eine bessere Luftführung mit optimierter Kühlung.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Hinten sehen wir die zwei Endrohre der Abgasanlage, die dritte Bremsleuchte im Heckspoiler in Triangelform und einen Diffusor. Insgesamt dezent, erwachsen und ein gelungener Mix an Form und Funktion (jaja, der Civic, ihr wisst schon..).

Sechs Lackierungen stehen zur Wahl, darunter Performance Blue speziell für den i30 N. Das auffällige Hellblau orientiert sich an den WRC-Rallyefahrzeugen von Hyundai Motorsport und wäre meine Wahl.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Innen gibt es gut gepolstertes Gestühl mit vielfachen Verstellmöglichkeiten und blauen Nähten, eine LED-Schaltanzeige oberhalb des Tachos, Pedalen mit Aluaufsätzen und einen griffigen Schaltknüppel.

Das Lenkrad ist mit offenporigem Leder überzogen und hat sich bei unserem Presse-Testwagen (16’000 km), der schon durch viele Journalisten-Hände gehen musste, eher preiswert angefühlt und durch die teils gefüllten Poren auch nicht mehr sonderlich hygienisch.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Der Infotainment-Bildschirm kann alles, was er können muss. Er ist besser als das Infotainment des Civic Type R oder auch des Focus RS, allerdings muss er sich gegen die Konkurrenz aus dem VW Konzern (Cupra, GTI etc.) geschlagen geben.

Die Ausrichtung des Bildschirms ist eher zum mittleren Rücksitz als zum Fahrer, was zu Beginn sehr ungewohnt ist. Die Materialwahl lässt sich mit «Hartplastik» in einem Wort gut beschreiben. Leder gibt es nur an der Mittelarmlehne und zum Teil an den Sitzen. Warum der Tempomat die eingestellte Geschwindigkeit nicht darstellt, ist uns ein Rätsel.

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Am Lenkrad befindet sich auch die «OneMoreLap» Taste, also die zwei N-Modis, die alle Komponenten auf «scharf» schalten. Hier spürt man auch, dass der frühere BMW M Chef Albert Biermann beim i30 N die Entwicklungsverantwortung hatte.

Vergleicht doch mal die hellblauen Tasten optisch mit den M1 und M2 Tasten im neuen BMW M5. Auch technisch, komplett frei konfigurierbar, erinnern sie an die M1 und M2 Tasten, wie sie in den meisten BMW M Modelle zum Einsatz kommen.

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Beim Hyundai gibt es jedoch neben den drei Fahrmodis «Eco», «Normal» und «Sport», noch zwei spezielle Modis. Im normalen «N» Modus ist alles scharf.

Im «N Custom» Modus, kann man einzelne Komponenten, wie z.B. den Klappenauspuff oder die Dämpfer wieder in Komfort setzen und so sich sein eigenes Setup zusammentüfteln. Wunderbar!

Fahrbericht Hyundai i30 N Performance

Was bleibt also? Die Gewissheit, dass wir einen neuen ernstzunehmenden Mitbewerber in der Klasse der Kompaktsportwagen haben. Der erste Schuss von Hyundai ist sehr gut gelungen. Der i30 N ist sehr direkt und emotional zu fahren mit voller Alltagstauglichkeit und zu einem fantastischen Preis mit 5 Jahren Werksgarantie ohne Kilometerbegrenzung. Wir freuen uns auf weitere N-Fahrzeuge!

Unser Verbrauch lag im sportlichen Schnitt bei 9,6 Litern pro 100km. Der Basispreis des Hyundai i30 N Performance startet bei CHF 36’990.-. Unser von Hyundai Schweiz zur Verfügung gestellter Testwagen in Performance Blue lag bei CHF 42’700.-.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp:
Performance Blue und das optionale N-Exclusive Pack (nur Schweiz).

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