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Fahrbericht: Jaguar I-Pace

Der Jaguar I-Pace überraschte im März 2018 bei seiner offiziellen Vorstellung alle. Einen voll-elektrischen Jaguar hatte so bald niemand erwartet, da besonders die deutschen Hersteller zu dieser Zeit noch kein Elektrofahrzeug in diesem Segment hatten. Auch heute ist der I-Pace, neben dem Model X (bereits getestet) und dem e-Tron (bereits getestet), noch ein Vorreiter in der Sparte der Premium-eSUV.

Einmal eingestiegen und die E-Maschinen aktiviert, erwacht das ganze Infotainment in seinem vollen Glanz. Die verarbeiteten Materialien vermitteln, auf den ersten Blick, einen hochwertigen Eindruck. Besonders sticht das Sport-Lenkrad mit interaktiven Schaltflächen heraus. Diese leuchten erst auf, wenn die Zündung aktiviert ist, während im Ruhezustand nur Klavierlack zu sehen ist.

Die verbauten Sitze sind eher Durchschnitt, kein besonderer Seitenhalt und auch optisch eher braver XE als böser F-Type. Allerdings bietet der Konfigurator für sportliche Fahrer optionale Performance Sitze, die wir natürlich in jede Konfiguration mitaufnehmen würden.

Allmählich wird es aber Zeit für ein paar Fahreindrücke. Fahrstufe auf D und los. Fahrpedal des I-Pace und Mundwinkel des Fahrers sind umgekehrt proportional miteinander verbunden: Pedal runter, Mundwinkel rauf! Kein Brummen eines Benzin- oder Dieselmotors, kein Getriebe, welches zuerst die Gänge sortieren muss. Nichts dieser Art. Jeder Beschleunigungsbefehl wird sofort umgesetzt!

Bei jedem Kickdown im scharfen «Dynamic»-Modus, steigt die Karosserie vorne gefühlt um 10 cm und die 696 Nm schieben vehement nach vorne. Keine durchdrehenden Räder, sondern lupenreine 4,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Bis etwa Tempo 50 km/h können die 400 PS auch das Gewicht von 2,2 Tonnen gut kaschieren, während nachher Faktoren wie das Gewicht spürbar werden.

Aber die Optik liegt ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Zurück zur Technik. Die zwei E-Antriebe teilen sich die Kraft aus dem 90 kW Lithium-Ionen-Akku und wissen gut mit der Leistung von 400 PS umzugehen. Ganz nebenbei entsteht auch ein weiterer toller Effekt, denn der Akku (hier im I-Pace als Bodenplatte) bietet einen tiefen Schwerpunkt.

Tiefer Schwerpunkt gleich gutes Fahrverhalten? Oh ja. Während uns der Tesla mit seiner gefühlstoten Lenkung enttäuscht hat und der e-tron auch keinen sportlichen Eindruck hinterlassen konnte, punktet der Jaguar in Sachen Fahrdynamik. Präzise Lenkung, stimmiges Fahrwerk (trotz oder eben wegen der optionalen Luftfederung), gutes Einlenkverhalten und ein allgemein sportlich-direkter Eindruck.

Eine Gemeinsamkeit besteht dennoch zwischen Verbrenner und Elektro. Wenn der Spassfaktor hoch ist, sinkt die Reichweite drastisch. Laut WLTP-Messzyklus sollten im Idealfall bis zu 470 Kilometer mit einer Akkuladung zu schaffen sein.

Während unserem Testzeitraum konnten wir maximal eine Reichweite von 360 km ablesen. Fairerweise muss man dabei aber auch die Winterreifen mit erhöhtem Rollwiederstand und die winterlichen Temperaturen miteinbeziehen.

Also zurück an den Stecker. Am langsamsten geht das «Tanken» an der Haushaltsteckdose. Dort dauert es ca. 45 Stunden, um den Akku einmal komplett aufzuladen. Wer nicht so lange verweilen möchte, kann sich eine 22 kW Steckdose suchen, damit lädt der Akku im Idealfall in ca. 10 Stunden voll.

Wer aber auf dem Sprung ist und den Akku möglichst schnell aufladen möchte, sollte eine Gleichstrom-Säule suchen. Diese lädt im besten Fall mit 50 kW. Somit wäre der I-Pace nach nur knappen 2,5 Stunden wieder voll einsatzbereit. In Zukunft sollen die Ionity Hochleistungslader die Ladezeit nochmals drastisch verkürzen, doch von den angebotenen 350 kW kann der Jaguar leider nur 100 kW nutzen (e-tron maximal 150 kW) und soll nach eigenen Angaben dann in nur 40 Minuten von 1% auf 80 % geladen sein.

Kurzer Aussencheck: Die Ähnlichkeit zu den anderen Modellen der Marke bleibt. Ein grosser Kühler, hauchdünne Heckleuchten und ein merkwürdig-zweigestuft-abfallendes Heck zieren den Jaguar I-Pace. Um die Anforderungen an Kühlung und Aerodynamik in Einklang zu bringen, öffnen aktive Lamellen im Jaguar-Grill nur dann, wenn Kühlung tatsächlich erforderlich ist.

Im geschlossenen Zustand glätten sie den Luftstrom, indem sie die Luft unter der Motorhaube entlangführen und durch einen Luftschlitz wieder nach aussen leiteen. Leider gehört der I-Pace zu der Gattung Elektroautos, die auch optisch etwas zu sehr aus der Masse herausstechen wollen.

Innen ist der neue I-Pace ganz Jaguar. Bei seiner Markteinführung war er der erste Jaguar mit dem modernen Infotainment-System aus dem Range Rover Velar. Problem dabei ist leider, dass sich seit 2017 schon wieder viel getan hat und der Touchscreen, insbesondere beim Scrollen, schon wieder etwas störrisch wirkt, im Vergleich zu den Systemen von Audi oder Tesla.

Dazu kommt, dass sich bei unserem Testwagen eine Aluminium-Blende im Armaturenbrett gelöst hat und auch die Gurt-Verkleidung der B-Säule knarzte und sich bewegen liess. Auf der Haben-Seite stehen allerdings ganze vier USB-Anschlüsse für die Passagiere der zweiten Sitzreihe.

Was bleibt also? Der Jaguar I-Pace ist wohl das sportlichste eSUV in Sachen Querdynamik momentan und trotzdem kein verdienter COTY-Sieger für uns. Der Innenraum vermag in Sachen Verarbeitung mit dem e-tron nicht mitzuhalten. Zudem fehlen ihm «geeky» Accessoires, um die Tesla-Nerds abzuholen. Ein künstlicher Verbrennungsmotor-Sound reicht da leider nicht aus.

Der Basispreis für den Jaguar I-Pace beträgt CHF 82’800.-. Unser Testwagen in der HSE Ausstattungsvariante und der Aussenfarbe Santorini Black startet bei CHF 97’200.- und klettert mit Sonderausstattung auf CHF 110’240.-.

E-Auto-Disclaimer: Wir äussern uns in unseren Berichten nie dazu, ob Elektroautos «sinnvoll» oder «umweltfreundlich» sind. Die Entscheidung pro oder contra E-Auto überlassen wir dem Leser, wir kümmern uns um den Fahreindruck und die damit verbundenen Attribute.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Aussenfarbe Silicon Silver mit Black Pack (Optikpaket schwarz), 22 Zoll 5 Doppelspeichen Felgen in Gloss Dark Grey, Performance-Sitze mit Windsor-Leder in Ebony und Dachhimmel in Premium-Velours in Ebony.  

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