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BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

BMW M850i xDrive Cabriolet – Kurzfazit & Einordnung

Kurzfazit:
Das BMW M850i xDrive Cabriolet ist kein Sportwagen, auch wenn BMW das gern behauptet. Es ist ein schwerer, sehr schneller, sehr raffinierter Grand Tourer mit einem V8, der heute fast schon wie ein historisches Artefakt wirkt – Prädikat: Schützenswert. Offen gefahren ist er einer der stimmigsten BMW der letzten Jahre. Der Sound ist grossartig, die Souveränität ebenfalls. Der Innenraum ist hochwertig, wirkt aber zu nah an normalen BMWs, um das Auto wirklich auf Aston- oder Bentley-Ebene zu adeln.

Für wen geeignet:
Für Fahrer, die einen echten GT wollen, offen, schnell, kultiviert, mit einem V8 als Stimmungsmotor. Für lange Strecken, schöne Abende, Reisen, und für alle, die lieber Souveränität kaufen als Schärfe.

Für wen nicht:
Für Puristen, die Leichtfüssigkeit, Feedback und Sportwagen-Logik suchen. Für Menschen, die “besonders” primär über Innenraum-Inszenierung definieren. Und für alle, die sich bei zwei Tonnen Leergewicht innerlich schon beim Lesen verkrampfen.

Fahrverhalten:
Sehr stabil, sehr schnell, sehr einfach schnell zu fahren. Die Vorderachse ist präzise, aber nicht “kleinwagen-nervig” lebendig. Das Auto kann zackig, fühlt sich aber wohler, wenn man es als GT fährt und nicht als Kurvenfräse.

Alltag & Komfort:
Alltag ist problemlos, sofern man das Cabrio-Leben mag. Verdeck öffnet und schliesst schnell, die Geräuschkulisse ist für ein Softtop erstaunlich gut. Windarm dank Windschott. Hinten ist es eher 2+2, also eher Jacken-ablage als ernsthafte Sitzgelegenheiten.

Langstrecke & Autobahn:
Genau hier liefert er. Hohe Reisegeschwindigkeit fühlt sich banal an, Komfort und Geradeausruhe sind stark. Verbrauch ist, sagen wir, Teil des Konzepts, nicht Teil der Diskussion.

Emotion & Charakter:
Der V8 ist der Hauptdarsteller. Offen gefahren ein absoluter Genuss. Nicht mit seiner Lautstärke, sondern präsent, warm, erwachsen. In Kombination mit der GT-typischen Ruhe, dem stabilen Fahrverhalten und der enormen Leistungsreserve entsteht ein Charakter, der heute selten geworden ist: gross, gelassen, selbstbewusst.

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Langfassung: Abschiedsrunde in einem Auto, das nie ein Sportwagen sein wollte

Der BMW 8er ist Geschichte, zumindest die G-Generation G14 (Cabrio), G15 (Coupé) und G16 (Gran Coupé). Produktion ausgelaufen – aktuell ohne Nachfolger. Ich hatte immer einen Sweet-Spot in meinem Automobil-Herzen für den 8er, sei es als M8 Competition Cabrio, als M850i Coupé der uns auf die Route des Grandes Alpes begleitet hat oder als stimmiger 8er Gran Coupé.

Und jetzt ist es vorbei. Grund genug für eine Abschiedstour. Im Dezember, im M850i xDrive Cabriolet mit dem legendären N63 V8 Motor.

Ersteindruck: Ist das noch Understatement?

Das M850i Cabrio ist ein Auto, das du nicht “übersiehst”. Lange Haube, breiter Stand, dieses selbstbewusste BMW-Gesicht, das je nach Blickwinkel genial oder leicht opulent wirken kann. Eines der wenigen Autos, das als offenes Cabrio wie als geschlossenes Coupé exakt gleich attraktiv wirkt, ach ihr merkt, der 8er – er hat’s mir angetan. Und das nicht, weil er laut oder provokant wäre, sondern weil er eine seltene Form von eleganter Zurückhaltung ausstrahlt, wie sonst nur Fahrzeuge aus Buchloe.

Dazu kommen die Details, die man erst auf den zweiten Blick wahrnimmt: die M-spezifischen Aussenspiegel, die satten Spurweiten, die grossen Räder und in unserem Falle eine sehr geschmacksvolle Wahl der Aussenfarbe: “Turmalinviolett”.

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Tür auf, reinsetzen: Sportwagen-Sitzposition in einem grossen GT-Cabriolet?

Innen ist alles sehr sauber gemacht. Merino-Leder, ordentlich Material, stimmige Ergonomie, sportliche Fahrerorientierung. Das M850i fühlt sich innen wie “der beste BMW” an, nicht wie eine eigene Welt. Viele hat das wohl enttäuscht, ich finde es perfekt so. Für mich die G-Generation BMW Interieur mit Abstand das beste Interieur in der Automobilwelt. Ergonomisch, Touchscreen, Lenkradtasten, Laut-Leiste Tasten, iDrive Controller.

Oder in unserem Falle nun: Startknopf, Fahrmodus D, fahren.

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Die ersten Meter: Geht es hier um Tempo oder um Ruhe?

BMW beschreibt das 8er Cabrio als besonders steif, mit diversen Verstärkungen und einem Materialmix aus Carbon, Stahl und Aluminium. Merkt man das? Ja – aber nicht so extrem wie beim iX. Und es fühlt sich gut an. Kein Schütteln, kein Zittern, kein “Cabrio-Kompromiss” beim normalen Fahren.

Genau deshalb tut ihm das Sportwagen-Narrativ keinen Gefallen. Dieses Cabrio will nicht aggressiv sein. Es will stabil, komfortabel und entspannt schnell sein. Würde BMW das 8er Cabrio konsequent als Grand Tourer verkaufen, wäre der erste Eindruck ein Volltreffer. So sitzt du nach wenigen Minuten da und denkst: schnell, ja. sportlich, auch. Aber genau richtig für ein Cabrio.

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Landstrasse: Wie gut lässt sich über zwei Tonnen wirklich kaschieren?

Auf der Landstrasse zeigt das M850i Cabriolet sehr schnell, was es kann und wo seine Grenzen liegen. Leistung ist jederzeit da, der V8 schiebt mit einer Selbstverständlichkeit an, die fast beiläufig wirkt. Das ZF-Achtgang-Getriebe passt perfekt dazu: unauffällig, schnell, immer den richtigen der 8-Gänge am Start.

In langgezogenen Kurven fühlt sich das erstaunlich leichtfüssig an. Die Lenkung ist präzise, das Auto lässt sich sauber platzieren, die Karosserie bleibt ruhig. Sobald es jedoch enger wird, welliger und technischer wird, lässt sich das Gewicht nicht immer vollständig verstecken. Über zwei Tonnen bleiben eine Menge Gewicht. In engen Kehren, beim kräftigen Anbremsen und bei schnellen Richtungswechseln spürt man das. Schlimm? Nein – wer einen Kurvenschreck will, ist mit einem sportlichen 4er Cabriolet deutlich besser bedient.

Es hilft, dass Traktion praktisch immer vorhanden ist und die Bremsen gut dosierbar arbeiten. Eine optionale Hinterachslenkung könnte Radstand und Breite weiter kaschieren, doch unser Testwagen kommt ohne und genau deshalb bleibt das Gewicht auf engen Landstrassen ehrlicher Teil des Charakters.

Und genau das ist der Punkt: Das M850i Cabriolet performt am besten mit präzisen, überlegten Inputs, nicht mit roher Attacke. Schön im Flow bleiben und der 8er ist ein erstaunlich handzahmer Freund. Auch ein Auto und das muss man hier ganz deutlich sagen, mit dem man nicht nur eine Stunde unterwegs sein sollte. Die Qualitäten, die Ruhe, der Federungskomfort und der doch grosse Unterschied zu den anderen BMW Coupés “erfährt” man nicht in zehn Minuten. Das hier schreit nach einem grossen Roadtrip!

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Antrieb & Technik: Sind wir hier am Peak-V8-BMW? Pre-Elektrifizierung?

Der M850i fährt verfügt über wohl den besten BMW-V8, der ohne Elektrifizierung auskommt. Wir sprechen über den N63B44T3, also die weiterentwickelte N63-Generation. Und genau diese Updates erklären, warum der Motor nicht nur kräftiger, sondern auch „aufgeräumter“ wirkt. BMW hat beim 2018er Update unter anderem Zündung und Thermomanagement überarbeitet, dazu bessere thermische Abschirmung an Kurbelgehäuse und Zylinderkopf zur Haltbarkeit. Technisch noch spannender: höherer Einspritzdruck, grössere Turbolader, ein optimierter Ansaugtrakt und zusätzliche Kühlung.

Das Resultat ist nicht nur Leistung auf dem Papier (530 PS und 750 Nm, 4 Sekunden von 0 auf 100 km/h abgeriegelt bei 250 km/h). Genau die Art Leistung, die sich nie anstrengen muss. Auf der Strasse übersetzt sich das so: Du gibst Gas, und der V8 macht nicht „jetzt kommt gleich was“, sondern „ist schon da“.

Kein hektisches Ansprechen, kein nervöses Aufschäumen. Sondern ein Schub, der wie aus dem Nichts aufgebaut wird und dann einfach bleibt. Genau das passt zum Charakter dieses Autos: GT statt Theater. Es mag kein Geheimnis mehr sein, aber über diesen N63 werden wir hier in Zukunft noch einiges mehr lesen, jedoch mit noch etwas mehr Drehmoment..

Autobahn: Ist das genau der Ort, für den dieses Auto gebaut wurde?

Hier ergibt das M850i Cabriolet noch mehr Sinn. Hohe Reisegeschwindigkeit – perfekt. Die Karosserie liegt ruhig, der Geradeauslauf ist souverän, und der V8 wirkt bei 160 km/h unterfordert. Offen gefahren geht auch – jedoch bis 120 km/h – darüber wird es mir zu windig. Geschlossen ist das mehrlagige Stoffverdeck akustisch erstaunlich gut isoliert. Keine Geräusche, kein permanentes Rauschen, wenig unangenehmes Dröhnen in Tunnels. Das Dach lässt sich in rund 15 Sekunden auch während der Fahrt (bis 50 km/) öffnen oder schliessen.

Der Motor- und Auspuffklang passt genau zu diesem Charakter. Nicht laut, nicht aufdringlich, sondern präsent. Immer da, nie störend, die ideale Mischung aus Fahrfreude ohne Proll-Faktor. Was gehört bei einem GT dazu? Richtig, Langstreckentauglichkeit im Bezug auf Reichweite. BMW nennt für das M850i Cabriolet WLTP-Werte zwischen 10,7 und 11,0 l/100 km. In der Realität und trotz Winterreifen habe ich das in der Schweiz sogar leicht unterbieten können mit 10.3 l/100 km. Somit Reichweite wenn man sich etwas zurückhält: 650-660 km. Das passt!

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

Exterieur: Wie viel Show bringen das Facelift, M-Optik und Iconic Glow?

Beim Facelift hat BMW leichte Anpassungen gesetzt – ich kann es ehrlicherweise in freier Wildbahn nicht unterscheiden. Feine aerodynamische Änderungen an Front- und Heckschürzen, grössere Lufteinlässe, das M Sportpaket kommt jetzt serienmässig. Gut so. Wer will ein 8er ohne M-Paket?

Die Iconic Glow Niere ist dabei der diskussionswürdigste Eingriff. Nachts ist sie alles andere als subtil und eher ein Detail, dass man bewusst an- oder abschaltet. In der Seitenansicht bleibt der 8er souverän. Lange Haube, breiter Stand, grosse Räder, der Bürzel am Heck erinnert einen Hauch an den Bangle-6er. Unterm Strich ist das Exterieur genau das, was es sein soll: ein selbstbewusstes Cabrio, ein opulenter BMW, ohne ins Lächerliche abzurutschen. Jeden Tag fahrbar (im Vergleich zu anderen Marken), perfekt für die Oper, perfekt für St. Tropez.

Interieur: Muss Luxus immer eine eigene Welt sein oder reicht das beste BMW-Interieur?

Innen ist alles sehr sauber gemacht. Merino-Leder, perfekte Verarbeitung, eine stimmige Ergonomie und eine klar fahrerorientierte Architektur. Das M850i fühlt sich nicht an wie ein “Oh-wir-müssen-nun-eine-neue-Klientel-ansprechen”-Inszenierung, sondern wie der beste BMW, den man bauen konnte. Und genau das ist für mich kein Nachteil, sondern der eigentliche Reiz.

Viele hat genau das enttäuscht. Zu wenig Drama, zu wenig Exotik, zu wenig „Anlass“. Ich sehe es anders. Für mich ist das Interieur der G-Generation BMW mit Abstand eines der besten in der gesamten Automobilwelt. Das hatten wir bereits – ich weiss. Aber ich wiederhole es gerne und oft.

BMW M850i xDrive Cabriolet im Test: Abschiedsrunde, Fahrverhalten, Alltag, Langstrecke und Fazit

“BMW schafft hier etwas, das heute fast niemand mehr sauber hinbekommt: eine perfekte Koexistenz aus Touchscreen, physischen Tasten und digitaler Einfachheit.”

Du hast das grosse Display, du hast die Lenkradtasten, du hast die Direktwahltasten unter dem Bildschirm, die personalisierbaren 1-9 Favoritentasten und du hast den iDrive Controller. Vier Bedienebenen, keine davon zwingend, jede davon sinnvoll. Du kannst fahren, bedienen ohne hinzuschauen. Du kannst einstellen, ohne zu suchen.

Dazu kommt die Sitzposition. Angenehm tief, sportlich integriert, nicht thronend. Die Multifunktionssitze punkten auf langen Strecken mit Lüftung und Heizung. Nackenheizung ist auch an Bord. Ein schönes Gegenargument zur angeblichen Nüchternheit ist BMW Crafted Clarity. Der Schaltwählhebel aus Glas, ebenso wie der iDrive Controller und der Startknopf, bringen genau diese subtile Form von Luxus rein.

Gerade der Glas-Schaltwählhebel passt erstaunlich gut zum Charakter des M850i. Er wirkt nicht sportlich im klassischen Sinn, sondern technisch elegant. Kantig, kühl, hinterlässt er in der Hand einen Eindruck, den ich selbst Wochen später beim Schreiben noch im Handballen spüre. Genau das sind die Details, an die man sich erinnert – und nicht an diese homöopathischen Kippschalterchen, die ab 2026 jeder Hersteller als „Gangwahlhebel“ verbaut, weil der Buchhalter damit 16.20 CHF pro Einheit einspart.

Ein weiterer Baustein dieses sehr bewusst funktionalen Luxuskonzepts ist die optionale Bowers & Wilkins Diamond Surround Soundanlage. Technisch ist das trotz Oben-Ohne Architektur ein ernstzunehmendes Setup: 16 Lautsprecher, ein vollaktiver 16-Kanal-Verstärker mit 1’375 Watt Leistung, Edelstahlgitter und diamantbeschichtete Hochtöner. Das Ergebnis ist ein sehr präziser, sauber aufgelöster Klang mit klarer Bühne und spürbarer Tiefe. Im Coupé und Gran Coupé noch stärker, aber auch hier eine absolute Wohltat.

Fazit

Peak-V8-Technik von BMW trifft auf das wohl schönste Aussendesign der aktuellen BMW Modellpalette. Dazu der stimmige Innenraum, der für viele zu “normal” ist. Der Sound ist wunderbar. Die Souveränität ist beeindruckend. Die Geniesser-Atmosphäre ist sehr hoch, auch als Cabrio – dazu ist der 8er relativ selten. Das mag ich. Und genau deshalb ist diese Abschiedsrunde mehr als Nostalgie: Sie ist ein Reminder, wie gut “gross, schnell & ausgeglichen” sein kann, wenn man nicht krampfhaft Sportwagen spielen muss. Auf Wiedersehen, 8er. Vielleicht mit einer neuen Version oder einem gebrauchten Exemplar?

Unser Verbrauch lag im Schnitt bei 13.2 l / 100 km. Der Basispreis beginnt bei CHF 180’300.00 CHF, der Testwagenpreis lag bei 218’390 CHF.

OneMoreLap.com-Konfigurationstipp:
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