Fahrbericht: BMW M550d Touring 2018 / G31

MacBook zuklappen. Notizbuch einpacken. Die Präsentation beim Kunden ist zu Ende. Die Auftragsbestätigung wird in den nächsten Tagen folgen. Beim Verabschieden fällt meinem Kontakt mein Auto auf und er fragt nur kurz: „Oh, ist das der neue 5er?“ – Ich nicke und lächle.

Fahrbericht: BMW M550d Touring 2018 / G31

10 Minuten später bin ich auf der Autobahn. Es dunkelt langsam ein. Vor mir liegen 450 Kilometer auf einsamen, gut-ausgebauten deutschen Autobahnen, meist ohne Tempolimit. Zeit für den dezenten 5er, der unauffällig wie ein leicht-schüchterner Musterschüler wirkt, seine wilde Seite zu entfalten. Hinter der dezenten Optik steckt nämlich der stärkste Sechszylinder-Diesel in einem PKW weltweit.

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Zwei LKWs überholen sich vor mir. Ein Panamera-Fahrer (Generation 1, Facelift) will in typischer Drängel-Manier gleich anschliessend vorbei, doch der Antritt ab 150 km/h oder auch noch ab 200 km/h ist dank vier, ich wiederhole, vier Turboladern, stramm. Zu stramm für den Panamera. Ich nicke und lächle.

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Begeisternd ist nicht nur die rohe Leistungsentfaltung oder das entfachte Drama, wie ich es von meinem BMW M2 kenne, sondern die Ruhe, die Stabilität und die Souveränität. Unglaublich. Angekommen bei 250 km/h, der elektronisch gesetzten Oberkante an Geschwindigkeit, lässt es sich noch gut miteinander sprechen, die Wahrnehmung von Geschwindigkeit wird verzerrt, reisen bei hohen Geschwindigkeiten fast schon gefährlich „simpel“.

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Wo liegt also der Schlüssel, dass die Kraftentfaltung, die laut Datenblatt ähnlich zu dem des M2 sein soll, in solch einer ruhigen, aber effizienten Weise funktioniert? Der TwinPower Turbomotor mit vier Turboladern sorgt mit 400 PS bei 4’400 Umdrehungen und 760 Nm ab 2’000 Umdrehungen für guten Antritt, während das 8-Gang Steptronic Sportgetriebe das Drehzahlniveau tief hält.

Das optionale, adaptive M Fahrwerk mit aktiven Stabilisatoren an Vorder- und Hinterachse sorgt für Stabilität ohne Wanken, unterstützt durch die Integral-Allradlenkung, bei der die Hinterräder je nach Fahrsituation entweder gegen- oder gleichsinnig mitlenken. Alle diese Komponenten sind optimiert für die schnelle Reise und funktionieren perfekt.

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Geheimrezept für ein schnelles Reiseauto erklärt, lasse ich es auf meiner Autobahnreise etwas ruhiger angehen und lasse mich von der Armada an Assistenten (natürlich gegen Aufpreis) unterstützen.

Im Geschwindigkeitsbereich von 0 bis 210 km/h sorgt die Gruppe an Helferleins (Lenk- und Spurführungsassistenten, Ausweichassistent, Querverkehrs­ und Seitenkollisionswarnung, Speed Limit Assist und aktiver Tempomat) dafür, dass meine Arme weniger ermüden, meine Gesamthaltung entspannter wird und ich länger meine Aufmerksamkeit hoch halten kann. Wie bei der Konkurrenz mahnt aber eine Anzeige im Cockpit, das Lenkrad zu umfassen – je nach Fahrsituation nach etwa zehn Sekunden.

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Weiter im Entspannungsprogramm geben mir die optionalen Komfortsitze acht Massageprogramme zur Auswahl, bei welchen ich mir entweder auf gewisse Regionen im Rücken drücken lassen kann oder ich im „Fitnessprogramm“, aktiv dagegen arbeiten kann, um so mögliche Verspannungen zu vermeiden. Würde ich mir sowas für meinen 5er bestellen? Wohl aktuell eher nicht, aber vielleicht in 20 Jahren. (Autorenalter: 25 Jahre)

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Ganz sicher würde ich mir das optionale Duftprogramm „Ambient Air Paket“ ankreuzen. Es pumpt verschiedene Düften, mit einstellbarer Intensität in den Innenraum und versprüht so sprichwörtlich ab und an frischen BMW Neuwagenduft (Blue Suite No. 1).

Auch die 360-Grad Kamera, die das Fahrzeug aus allen Winkeln zwischen die Echtzeitaufnahmen der verschiedenes Kameras einrechnet, ist ein wahrer Schmaus für die Augen, funktioniert doch alles so hochaufgelöst und absolut verzögerungsfrei.

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Allerdings gibt es auch Dinge, die ich mir bei meiner Bestellung sparen würde. Das Rumgefuchtel für die Gestensteuerung der Multimediaeinheit funktioniert nicht feinfühlig, lenkt zu sehr ab und lässt den Fahrer aussehen, als hätte er gerade einen epileptischen Anfall.

Der Displayschlüssel mit integriertem Akku lädt entweder im Schneckentempo über die induktive Lademöglichkeit in der Mittelkonsole auf oder über ein externes Kabel am USB Anschluss. Noch ein Gerät, bei welchem ich ständig im Hinterkopf haben muss, ob es noch genug Akku hat? Nein, danke.

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Ein weiterer Negativpunkt ist die Grösse dieses Fahrzeuges. Obwohl die Breite fast identisch zu einem BMW M4 ist, überragt die Länge mit 4.943 Metern schon viele Parklücken, kratzt nahe an der Länge eines 7ers (5.098 m) und macht das Manövrieren dementsprechend mühsam.

Das ferngesteuerte Parken über den Displayschlüssel ist zwar ein nettes Gimmick, aber der oben-erwähnte Tribut zu einem weiteren Gerät mit Akku wäre es mir nicht wert.

Fahrbericht: BMW M550d Touring 2018 / G31

Zurück zu unserer Autobahnreise, die nun auf den letzten Kilometern noch durch eine geschwungene Landstrasse führt. Während bisher der Comfort-Modus absolut perfekt war, gebe ich dem Sport-Modus eine Chance. Die Lenkung wird eine Stufe härter, das Fahrwerk ebenso und ab Kurvenscheitelpunkt spürt man auch, wie das Fahrzeug dezent seinen Heckantriebs-Charakter auslebt, indem der xDrive-Antrieb einen Grossteil der Kraft an die Hinterachse lotst.

Leider treibt mich der falsche, aber gruselig-realistische Reihensechser-Klang, der mich an meinen BMW M2 erinnert, wieder in den Comfort-Modus zurück. Da fühlt sich für mich das Fahrzeug harmonisch an, als würde es in seiner persönlichen “Komfortzone” befinden.

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Kleiner Zwischenstopp für einen Optik-Check: Den schnellsten Diesel-5er aus dem Hause BMW erkennt man an seinem serienmässigen M Aerodynamikpaket mit vergrössertem Lufteinlass in Verbindung mit den in Grau ausgeführten M-Designelementen im vorderen Stossfänger, die Rahmen der Nierenelemente mit ihren schwarz-glänzenden Stäben, die Aussenspiegelgehäuse und die seitlichen Lufteinlässe. Die Abgasanlage schliesst links und rechts mit M Performance spezifischen Endrohrblenden in dunklem Chrom ab.

Fahrbericht: BMW M550d Touring 2018 / G31

Angekommen nach unserer 450 km Reise, die ich im M2 nie ohne Tankstopp schaffe, zeigt der M550d noch über einen Drittel an Tankvolumen an, bei gleichzeitig neuem zeitlichen Rekord, verbunden mit dem erwähnten Reisekomfort, der für kaum Ermüdung gesorgt hat. Höchste Zeit also, dem M550d unsere OneMoreLap-Autobahn-Auszeichnung zu verleihen.

Fahrbericht: BMW M550d Touring 2018 / G31

Unser Verbrauch lag im sportlichen Schnitt bei 10,4 Liter pro 100km. Der Basispreis des BMW M550d Touring startet bei CHF 107’900.-. Unser von BMW Schweiz zur Verfügung gestellter Testwagen in Rhodonitsilber metallic lag bei CHF 145’010.-.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Bluestone Metallic, 668 M Felgen, Exklusivleder „Mokka“ und Interieurleisten in Piano Black

  1. Was stimmt denn eigentlich? Ddie Fachpresse spricht beim BMW M 550 XD je nach dem von 2, 3 oder sogar 4 Turboladern!!
    Danke für ein kurzes Feedback

    1. Der erste M550d, Baureihe F10/F11, die bis 2017 gebaut wurde, hatte drei Turbolader. Dasselbe Triebwerk findest du auch z.B. im aktuellen X5 M50d.

      Im neuen M550d, Baureihe G30/G31 sind es vier Turbolader geworden. Hoffe, das hilft dir so weiter!

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