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Fahrbericht: Ford Mustang GT Cabrio 2018

Kurzfristig hat sich im Testwagenkalender der Fiesta ST in ein Mustang GT Cabrio verwandelt. Eigentlich keine schlechte Veränderung, hätte sich der Mustang nur nicht als Esel im Körper eines Mustangs herausgestellt. Doch dazu später mehr.

Der Mustang wird ja nun seit einiger Zeit über die offiziellen Ford Händler in Europa verkauft und während wir von der ersten Generation nur mässig begeistert waren, hat sich Ford bemüht, nun mit einem Facelift einige Mängel zu beseitigen.

Was heisst das konkret? Aus dem 5,0 Liter grossen V8-Motor des Top-Modells wurde noch etwas mehr Leistung herausgekitzelt. Rund 450 PS – bislang: 421 PS, das Drehmoment beträgt 529 Nm bei 4600 U./Min. Der Vierzylinder-EcoBoost Motor leistet nur noch 290 PS, das maximale Drehmoment steigt allerdings auf 440 Nm (vorher 421 Nm).

Wars das etwa schon? Nein. Die besten neuen Zutaten kommen noch. Die lahme 6-Gang-Automatik wurde durch eine 10-Gang-Automatik ersetzt. Die zurückhaltende Auspuffanlage wurde ebenfalls entsorgt. Ab sofort gibt es, serienmässig für den V8, eine Klappen-Auspuffanlage mit vier Endrohren.

Soweit die Fakten. Den Rest erzählen wir euch während der Fahrt. Also einsteigen und los.

Startknopf betätigt, startet der V8 mit einem bösen, basslastigen Donnergrollen. Die Klappen-Auspuffanlage könnte man in einen «leisen Start» Modus versetzen, so dass der Mustang zu vorgegebenen Zeiten besonders leise bleibt. Technisch zwar faszinierend, da die Klappen normalerweise aus emissionstechnischen Gründen beim Kaltstart direkt öffnen, aber das Donnergrollen gehört doch irgendwie dazu.

Also bewegen wir den Automatikwählhebel auf D und fahren los. Die 10-Gang-Automatik macht ihren Job erstaunlich sanft, Tempo 50 km/h geht im 8ten Gang. Tempo 80 km/h, also das schweizerische Landstrassentempo, lässt der Mustang locker im 10ten Gang über sich ergehen.

Das adaptive Fahrwerk «Magnetic Ride» war bei unserem Testwagen nicht an Bord, aber auch die nicht-verstellbaren Dämpfer bieten einen guten Komfort, ohne lustlos zu wirken.

Diese entspannte Souveränität des 5.0 Liter V8-Motors macht den Mustang einzigartig. Im Vergleich zu einem BMW M4, der mit seinem doppelt-aufgeladenen Turbomotor wie ein bissiger, aggressiver Hund wirkt, ist der Mustang extrem gelassen und brummelt fröhlich, aber bestimmt vor sich hin.

Innerstädtische Etappen oder eintönige Landstrassen machen Spass, obwohl man in einem hohen Gang mit tiefem Drehzahlniveau fährt. Das ist heute nicht mehr bei vielen Sportwagen so leider.

Nun, die Kehrseite der Medaille ist die eingeschränkte Sportlichkeit. Es mag wohl auch an der verwindungssteiferen Karosserie des Coupés liegen, aber der Mustang als Cabrio ist, besonders ohne die adaptiven Dämpfer, keine Kurvensau. Das Feedback ist unpräzise, die Lenkung zwar mehrfach verstellbar, aber der Hengst sträubt sich.

Nun, ich glaube aber, wenn man das Coupé wählt, das Kreuzchen bei den adaptiven Dämpfern macht und vielleicht sogar noch auf die leichtere Handschaltung zurückgreift, könnte dabei eine magische Verwandlung stattfinden. Wir werden versuchen, einen Testwagen mit etwas sportiverer Konfiguration in die Finger zu bekommen.

Aber da ist ja noch die neue Klappenabgasanlage. Über einen Knopf am Lenkrad lassen sich verschiedene Klang-Modi anwählen. Bei «Race» kommt zwar eine Meldung, die rät, irgendwas im Handbuch zu lesen, aber das kann man beruhigt ignorieren.

Nun, in diesem Modi ist der Klang absolut wunderbar. Schönstes, dreckiges V8-Donnergrollen, dass sich in höheren Drehzahlen immer weiter zu einem bassigen Brüllen entwickelt. Ach, ein Traum.

Vielfahrer sollten auf die 10-Gang-Automatik zurückgreifen, da wir auf Autobahn-Etappen mit 100km/h – 120km/h Tempolimit, auf unter 8 Liter auf 100km gekommen sind. Das ist bemerkenswert für diese Motor- und Fahrzeuggrösse.

Interessant auch der Blinker. Kein gleichmässiges Ticken, sondern ein regelmässiges, aber galopp-ähnliches Klicken in einer tieferen Tonlage als üblich. Wollte da jemand wirklich Pferdegalopp nachstellen oder will das der Zufall? Wir wissen es nicht, aber feiern es.

Kurzer Zwischenstopp. Schauen wir uns das Auto mal von aussen an. Viel hat sich nicht verändert. Die bullige Optik bleibt, neu sind Hauptscheinwerfer, Tagfahrlicht, Blinkerleuchten und die dreigeteilten Rücklichter in LED-Technologie. Die GT-Modelle erkennt man an einer Abgasanlage mit vier Endrohren.

Innen haben sich ebenfalls nur Details geändert. Grösste Änderung ist der digitale Tacho, der die Informationen, je nach Fahrmodi, in verschiedenen Facetten zeigen kann. Von einem traditionell-runden Tacholayout bis zum horizontalen Retro-Drehzahlmesser. Das neue Infotainment wirkt im Vergleich zur (viel) teureren Premiumkonkurrenz bereits wieder leicht angestaubt.

Die Sitze sind bequem, gekühlt und beheizt, aber würden in meiner Konfiguration wohl trotzdem durch die optionalen Recaro-Schalensitze ausgetauscht werden. Eine Lenkradheizung gibt es serienmässig im GT.

Nette Spielerei: Beide Akzentfarben im Tacho lassen sich, neben vordefinierten Farbtönen, auf individuelle Hex-Werte einstellen. So kann man beispielsweise die Farben seiner Firmen-Corporate-Identity auf den Tacho seines Mustangs übertragen.

Allerdings gibt es auch im Innenraum, neben positiven Details, wie der blauen Kontrastnaht, die perfekt zur Aussenfarbe korreliert, auch wieder Fragezeichen.

Beispiele gefällig? Die Lüftungsdüsen, die wir auch aus diversen Dacia und Suzuki-Modellen kennen oder auch die zum Teil fragwürdige Materialwahl, die sich ab und an auch ein Knarzen entlocken liess. Im Hinblick auf die fantastische Preis/Leistung, müssen wir hier aber ein Auge zudrücken.

Das Sound-System überrascht dagegen positiv. Die 12 Lautsprecher des Shaker-Sound-Systems machen einen erstaunlich guten Job und bieten deutliche Höhen in einer guten Kombination mit satten Bässen. Ebenfalls ein schönes Detail: Die Mustang-Logo-Projektion, welche die Form des Logos auf den Asphalt projiziert und so für einige positiv-überraschte Blicke von Mitfahrer und Mitfahrerinnen gesorgt hat.

Das Verdeck lässt sich über einen Klapp- und Drehknopf manuell entriegeln, während dann die Elektronik den Rest erledigt. Fährt man offen, sind die Luftverwirbelungen bis 80 km/h gut erträglich, darüber wird es stürmisch.

Eigentlich wären bei unserem Testwagen auch einige Assistenzsysteme an Bord gewesen, darunter der Pre-Collision-Assistent mit Fussgänger-Erkennung. Er kann die Schwere von Kollisionen mit anderen Fahrzeugen und Zusammenstösse mit Passanten reduzieren oder den Unfall im besten Falle sogar ganz verhindern.

Erstmals steht im Mustang auch die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Distanzwarner zur Verfügung. Sie unterstützt den Mustang-Bändiger indem sie den Abstand zum vorausfahrenden Auto immer konstant hält.

Ebenfalls erhältlich ist ein Spurhalteassistent, der vor einem unbeabsichtigten Verlassen der eigenen Strassenseite warnt und gegebenenfalls über leichte Lenkkräfte beim Korrigieren der Fahrspur hilft.

Leider konnten wir das aber nicht testen, da unser Testwagen von einem Vortester- oder einer Vortesterin vorne links leicht beschädigt wurde und der Sensor wohl auch etwas abbekommen hat.

Ob die wirren weiteren Fehlermeldungen, die wir über die Testdauer angezeigt bekommen haben, ebenfalls von dieser Beschädigung abstammen ist unklar. Die Meldung «Pre-Collision Assistent nicht verfügbar» ist wohl definitiv damit verbunden, allerdings sahen wir auch noch «Lenkgefühl Auswahl nicht verfügbar», «GPS nicht verfügbar» und «Reifenmobilitätskit Service erforderlich».

Als dann auch noch ein leichter Wassereinbruch beim Verdeck auf der Fahrerseite dazu kam und schlussendlich auch noch ein kaputtes Ventil für einen schleichenden Plattfuss sorgte, war der Fall klar. Dieses Exemplar von Mustang ist störrisch und will sich mit uns nicht mehr anfreunden.

Schade, dass wir statt einem Heissblüter wohl eher einen bockigen Esel im Mustang-Kleid erwischt haben. Das Facelift steht dem Mustang aber insgesamt sehr gut. Die verfeinerte Auspuffanlage, das moderne Infotainment, die aktuellen Assistenzsysteme und das Eisenschwein an Motor schnüren ein ganz besonderes Paket. Mit umfangreicher Serienausstattung, viel Emotionen kommt der Mustang zu einem sehr fairen Preis.

Der Verbrauch lag im sportlichen Schnitt bei 12,1 Liter pro 100 km. Unser von Ford Schweiz zur Verfügung gestellte Testwagen in “Velocity Blue” beginnt als Cabrio ab CHF 65’400. Der Testwagenpreis beträgt CHF 71’900.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Fastback-Karosserie, Ruby Red, Dach in Schwarz lackiert

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