#RoadToElba2: Audi RS3 & Porsche Boxster Spyder

#RoadToElba2: Mit dem Audi RS3 und dem Porsche Boxster Spyder. Zuerst ein kleiner Rückblick: 2015 war Elba noch absolutes Neuland, aber gleichzeitig Liebe auf den ersten Blick. 2016 wurde diese Liebe nun gefestigt. Das Rezept dazu war denkbar einfach: Zwei sehr unterschiedliche, aber faszinierende Sportwagen, hervorragendes Wetter und gute Begleitung.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Wie letztes Jahr begann die Reise in Schaffhausen, führte uns durch die Zentralschweiz und über den Julier- und den Berninapass. Die Bernina-Passstrasse gilt durch ihr einzigartiges Alpenpanorama als eine der schönsten Schweizer Alpenstrassen und gehört definitiv zu den OneMoreLap-Roadtrip „must-see’s“. Weiter ging die Reise über die Landesgrenze nach Tirano bis zur Abzweigung nach Stazzona, wo die breiten und gut ausgebauten Strassen plötzlich schmal und verwinkelt werden und etwas Zweifel am Navigationsgerät aufkommen lassen. Ein paar Haarnadeln und Bergdörfer später, ist die Fahrweise allerdings schon an den italienischen Fahrstil angepasst und Mensch & Maschine kriegen eine abwechslungsreiche Vorschau auf ihr späteres Reiseziel.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

So schnell wie die kurvenreichen Strassen gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden und es geht auf die Autobahn südwärts, vorbei an Pisa bis nach Piombino. Der Audi RS 3 mit seinen perfekt gepolsterten Sportsitzen mit integrierten Kopfstützen, den adaptiven Dämpfern (Magnetic Ride, optional) und der fantastischen Bang & Olufsen Audioanlage ist der perfekte Reisewagen. Ein kurzer Wechsel in den Porsche Boxster Spyder offenbart einige Unterschiede. Nervige Windgeräusche ab 120 km/h vom Stoffdach, ruppigeres Fahrwerk und eine aktivere Soundkulisse. Dinge, die wir nun kritisieren und später loben werden? Wir werden sehen.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Übersetzen mit der Fähre nach Elba meistern, trotz steilen Auf- und Abfahrrampen, beide Fahrzeuge problemlos und schon sind wir da. Napoleons Exil, die drittgrösste Insel Italiens und ein Paradies für Liebhaber von kurvigen und hügeligen Küstenstrassen. Wie schon bei #RoadToElba und #RoadToMonaco setzen wir auf Übernachtungsmöglichkeiten von AirBnb (hier klicken um eine Reisegutschrift im Wert von 19 CHF zu bekommen). Das Haus für #RoadToElba2 war in Seccheto, knapp 35 Minuten vom Hafen entfernt und schon wenige Kilometer nach Portoferraio ging es durch saftig grüne Landschaften nach Procchio an die Küste und von da über das Inselinnere bis nach Marina die Campo und wieder der Küste entlang mit herrlichem Meerblick bis zum Haus.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Der nächste Tag startet mit einem traumhaft-sonnigen Morgen, der auf eine #OneMoreLap zu unserem Lieblings-Frühstücksort einlädt. Den Vorrang geben wir unserem lieb-gewonnenen Reisefahrzeug mit dem 2.5 TFSI Fünfzylinder-Triebwerk vom Vortag. Startknopf drücken und der legendäre Fünfender erwacht. Kurz öffnen sich die Klappen der optionalen RS-Sportabgasanlage und spätestens jetzt wissen auch die Nachbarn, dass hier kein ordinärer 1.6 TDI schlummert. Ganz im Gegensatz zum Porsche gibt sich der Audi RS3 2016 optisch zurückhaltend, je nach Konfiguration, fast schon unauffällig. Einzig die verbreiterten Kotflügel vorne zusammen mit den kantigen Schwellerleisten an der Seite, die Spiegelgehäuse in Aluminium und die zwei grossen ovalen Auspuff-Endrohre heben ihn äusserlich vom normalen Audi A3 ab.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Den gewaltigen Unterschied merkt man erst, wenn sich das Fahrzeug in Bewegung setzt. Dynamic Modus aktiviert, das kehlige Röhren und Fauchen unterlegt vom Rhythmus der Fünfzylinder-Zündfolge 1 – 2 – 4 – 5 – 3 packt den Fahrer in seinen Bann und man fühlt sich wie auf einer Wertungsprüfung der Rallye Elba. Die 367 PS katapultieren den Audi RS 3 Sportback in 4,3 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Viel beeindruckender ist jedoch die Zwischenspurt-Power, die Dank einem maximalen Ladedruck von 1,3 bar und einem maximalen Drehmoment von 465 Nm zwischen 1.625 und 5.550 Touren jederzeit bissig zu einem Sprint bereit steht. Wie in jedem RS-Modell kommt auch hier der permanente Allradantrieb quattro zum Einsatz. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger ist die spassraubende Untersteuertendenz nun fast komplett Geschichte, aber mehr dazu später. Die neu entwickelte Lamellenkupplung nutzt eine eigens auf den Audi RS3 Sportback zugeschnittene Software und verteilt blitzschnell zwischen 50 und 100 Prozent der übertragbaren Antriebskräfte an die Hinterachse.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Hört sich gut an, aber fährt es sich auch so gut? Jein. Auf jeden Fall ist es eine grosse Verbesserung zum Vorgängermodell, allerdings ist während dem präzisen Einlenken noch immer eine Untersteuertendenz vorhanden. Im Scheitelpunkt der Kurve muss man im richtigen Moment das androhende Untersteuern mit einem grosszügigen Gasstoss unterdrücken, um dank der radselektiven Momentenverteilung, das Auto über alle vier Räder aus der Kurve ziehen zu lassen. Beherzt man dieses Rezept bewegt man den RS3 sauschnell um jede Kurve und erfreut sich am Hall des Fünfzylinder-Orchesters entlang der Felswände. Für Emotionen ist also trotz sehr neutralem Fahrverhalten gesorgt. Zeit für einen Umstieg in den Porsche.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Das Verdeck muss runter. Also die Entriegelung (elektrisch) betätigen, aussteigen und das Leichtbauverdeck dann von Hand unter dem Heckdeckel verstauen. Die seitlichen Klappen anlegen und den Deckel wieder schliessen. Mit etwas Übung ist das in unter einer Minute möglich. Zündschlüssel umgedreht und schon brüllt der heisere Sechszylinder-Boxer los. Wie beim Cayman GT4 hat Porsche auch dem Boxster Spyder das 3,8-Liter-Herz des „alten“ 911 Carrera S, hier mit 375 PS und 420 Newtonmeter spendiert. Nach der Vorstellung des Porsche 718 Boxster S mit 2,5 Liter Turbomotor sind der GT4 und der Boxster Spyder wohl die Höhepunkte der Non-Turbo-Ära.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Also los. Sportkupplung drücken, Gang rein und los. Die Getriebe- / Kupplungskombination ist ein Traum. Kurz, knackig und mit viel Rückmeldung. Wir setzen uns in Bewegung. Erinnerungen an die Kurztests mit GT4 und Boxster Spyder vom letzten Jahr kommen hoch. Unglaublich, Porsche schafft es bei jedem ihrer Sportwagen, dass Fahrer und Maschine schon nach den ersten zwei Kurven zusammenschmelzen und tiefstes Vertrauen entwickelt. Die lang übersetzten Gänge könnte man schaltfaul fahren, aber die automatischen Zwischengasstösse im Sport Plus Modus beim Runterschalten und das fantastische Getriebe würden wohl auch den grössten PDK-Enthusiasten wieder zum manuellen Getriebe bekehren.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Die Inselbrise weht mir ungefiltert um die Ohren, ich merke die Sonne auf meinen Wangen und der Hall der Sportabgasanlage schallt entlang der Felswände. Wunderschön. Im Vergleich zum Audi ist die Porsche Abgasanlage zwar leiser, aber auch etwas harmonischer. Harmonischer? Ja, Porsche verzichtet auf übermässige Knalleffekte beim Runterschalten wie im Audi und setzt stattdessen auf nachblubbern bei der Gaswegnahme und wirkt so etwas erwachsener.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Alles andere als erwachsen ist das Fahrverhalten. Das Leistungsgewicht von nur 3,5 kg/PS und der tiefe Schwerpunkt machen den Boxster Spyder zum Kurvenkönig. Runterschalten, einlenken und mit einem Hauch Übersteuern auf die nächste Kurve zu knallen. Die 340-Millimeter grosse Bremse aus dem Carrera S verzögert gut und die Dämpfer aus dem Boxster GTS sorgen selbst in schnell gefahrenen Kurven mit welligem Asphalt für gute Beherrschbarkeit. Hammer!

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Das Fahrverhalten ist puristische Endstufe und trotzdem muss man wie z.B. in Konkurrenten aus Hethel, nicht auf Komfortfeatures wie Navigation (optional), Rückfahrkamera (optional) oder Alcantara-Lenkrad verzichten. Man muss aber auch anmerken, dass das verbaute PCM System schon etwas angegraut ist und in den neuen Porsche 718 Boxster & Cayman nun endlich der lang ersehnte Nachfolger zum Einsatz kommt. Die serienmässigen Sportschalensitze bieten viel Seitenhalt und sind komplett manuell verstellbar. Hervorragend. Die klassische Stoffschlaufe als Türöffner sparen 250 Gramm und wirken unglaublich sexy. Kurzer Aussencheck.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Die Front- und die Heckschürze übernimmt der Boxster Spyder vom Cayman GT4. Hinter den Kopfstützen erheben sich zwei Streamliner oder auch „Bürzel“, die in der langen Heckklappe mit einem ausfahrbaren Spoiler auslaufen. Das ist keine freakige Anwandlung eines Porsche Designers sondern eine Hommage an den 718 Spyder aus den 1960er-Jahren. Überraschend: Die Bodenfreiheit ist trotz 20mm abgesenktem Sportfahrwerk (aus dem Boxster GTS) Elba-tauglich.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Zurück in den Audi RS 3 Sportback. Nach der ersten Kurve muss ich mich vergewissern, ob in der Zwischenzeit nicht Ottfried Fischer mit seinen zwei Zwillingsbrüdern auf den Rücksitzen Platz genommen haben. Aber nein, der Audi ist einfach 400kg schwerer und das merkt man. Obwohl der bärenstarke Motor viel kompensiert, wäre es ein noch viel dynamischeres Automobil, wenn man es etwas auf Diät setzen würde. Dem fantastischen Fünfzylinder sei Dank, kann man dem Boxster Spyder allerdings auch gut folgen, aber halt nur solange die Strasse gerade ist.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

In Kurven wirft die Natur der Physik den Audi durch sein Gewicht und seinen höheren Schwerpunkt zurück. Zusätzlich haben sich bei uns jeweils nach einigen harten Anbremsmannövern, die Bremsen zu Pudding verwandelt und der Porsche konnte davon ziehen. Wer also plant die Performance vom RS 3 nicht nur bei Ampelstarts auszuloten und zum Beispiel auch auf die Rennstrecke möchte, sollte definitiv zu den optionalen Bremsscheiben aus Kohlefaser-Keramik greifen. Diese sind, basierend auf meinem Kurztest mit dem Audi RS 3 auf der Rennstrecke von Vallelunga, auch nach mehreren Runden noch standhaft.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Zwei Wochen Elba. Beide Sportwagen haben ihre Stärken und Schwächen offenbart und für eine einzigartige Soundkulisse gesorgt. Einen Einblick davon gibt es im eingebundenen #RoadToElba2 Video oben. Die Fahrzeuge sind gezeichnet mit toten Insekten und einer Schicht von Blütenstaub und Sand. Wir hingegen sind gezeichnet mit Erinnerungen, die sich sehr weit vorne in unserer Sammlung an Autoerlebnissen einreihen werden.

#RoadToElba: Porsche Boxster Spyder & Audi RS 3

Die Insel Elba hat daran einen massgeblichen Anteil und der nächste #RoadToElba Trip kommt bestimmt. Der Verbrauch lag bei beiden Sportwagen auf der Autobahn bei etwa 8 Litern pro 100 km und auf der Insel zwischen 13 und 15 Litern. Der Kaufpreis vom Audi RS 3, wie von uns getestet, liegt bei CHF 89‘365 (in der Schweiz), der Porsche Boxster Spyder bei Euro 90‘765 (in Deutschland). Eine Danksagung möchten wir an dieser Stelle noch der AMAG Chur zukommen lassen, die uns nach einem Reifendefekt am RS 3 während der Rückfahrt mit exzellentem Service und raschem Austausch des kaputten Reifens geholfen hat.

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