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Fahrbericht: Audi R8 Coupé V10 Performance

Ab und an ist es Zeit für ein Facelift. So auch beim R8 oder sollten wir sagen, er wurde nochmals aufgehübscht für seine Abschiedsvorstellung? Der Audi R8 Coupé V10 Performance im Fahrbericht bei uns.

Die schlechte Nachricht zuerst. Im Rahmen der Audi-Hauptversammlung Anfangs 2019 hat Konzernchef Bram Schot verkündet, dass sowohl der Audi TT als auch der Audi R8 keine direkten Nachfolger bekommen werden. Irgendetwas muss die Lücke füllen, aber nach der aktuellen Audi Vision wird das kaum noch mit viel Hubraum und wenig Elektrik daher rollen.

Zurück zur Gegenwart. Da steht er also. Der R8, den wir vor einigen Jahren als R8 V10 Plus bei seiner Pressevorstellung schätzen gelernt haben und später als Testwagen im heimischen Gefilde lieben gelernt haben.

Entriegeln, reinsetzen, es fühlt sich an, als hätte man seinen Lieblingssneaker nach langer Zeit wieder angezogen. Es sitzt sich perfekt, das Alcantara-Lenkrad und der Startknopf wollen angefasst werden, schöne Erinnerungen kommen hoch.

Das Orchester des Kaltstarts eines V10-Saugers ist ein Traum. Wir rollen los. Nach 50 km auf der Schweizer Autobahn, geplagt von Baustellen und Tempolimits erreichen wir die heimische Landstrasse. Bevor ich die Komponenten-Modi schärfe, merke ich mir für später: «Alltagskomfort: absolut vorhanden» – einige Kurven später bin ich bereits wieder auf der ganz anderen Speerspitze des R8 angekommen. Seinem Handling.

Zieht man den Anbremsvorgang leicht in die Kurve, rotiert das nun entlastete Heck leicht um die Vorderachse und dreht sich mit ein. Wunderschön, wenn man das mit dem Hochdrehen des V10-Saugers quittieren kann.

Man muss ihn keinesfalls bis ans Limit drehen, aber man macht das gerne freiwillig. Als einer der letzten Hochdrehzahl-Sauger verändert er über das Drehzahlband seinen Klang mehrfach und das hat Suchtpotenzial.

Der Klang ist weiterhin herzerwärmend und voluminös, wenn doch auch in gewissen Drehzahlregionen stärker gedämpft als noch beim Vorfacelift.

Einige technische Daten: Der 5,2 Liter grosse Saugmotor leistet nun 620 PS. Bis zu 580 Nm sind bei 6500 U/min abrufbar. Diese Leistungsspritze verkürzt den Sprint auf 100 km/h von 3,4 auf 3,1 Sekunden und vergrössert die Höchstgeschwindigkeit von 324 auf 331 km/h.

Die optionalen 19 Zoll grossen Bremsscheiben aus kohlefaserverstärkter Keramik mit speziell entwickelten Kühlkanälen, sind innenbelüftet, gelocht und schwimmend gelagert. Hört sich speziell an, bremst aber wirklich fantastisch.

Audi verspricht beim Facelift nun Modifikationen am Fahrwerk und in der Lenkung, dazu ist der Performance-Modus nun serienmässig bei allen Versionen an Bord. Wir konnten diese feinen Änderungen auf Winterreifen leider nicht «herausfahren».

Allerdings konnten wir auch ohne das optionale «Magnetic Ride» Fahrwerk und den stattdessen strafferen Federn und Dämpfer keine nervöse oder unangenehme Härte feststellen. Diese Tendenz gefällt sehr. Daumen hoch.

Kurzer Aussencheck. Der Flügel auf dem Heck ist weiterhin das Erkennungszeichen des Audi R8 Coupé V10 Performance, während die anderen R8-Versionen einen ausfahrbaren, kleineren Flügel bekommen.

Das Facelift erkennt man am breiteren und flacheren Singleframegrill, an flachen Schlitzen vorne an der Fronthaube und einem breiteren Splitter vorne. Dazu hinten markantere Luftauslassgitter und eine neue dreiteilige Luftfilterabdeckung im Motorraum. Ebenfalls neu: ovale Auspuffendrohre.

Innen bleibt alles wie bisher. Weiterhin ist es wohl das minimalistischste Cockpit, bei gleichzeitig hochstehender und intuitiver Bedienung. Weg von diesem Touchscreen-Wahn, hin zu interaktiven Dreh- und Drückreglern mit dem fahrerorientierten Multifunktionsdisplay “virtual cockpit”, dass auch gleichzeitig als Tacho dient. Einfach perfekt.

Die Sportsitze sind fantastisch, die Verarbeitung ebenfalls. Sucht man Kritikpunkte, könnte man allenfalls die (für Audi-Verhältnisse) veraltete Kartendarstellung aufzählen oder die Schaltwippen aus Plastik, aber deswegen kauft wohl kein Kunde keinen R8.

Anprangern mag man höchstens, dass man fühlt, wie Audi dem R8 ein kleines Facelift spendiert hat und alle Beteiligten gleichermassen immer im Hinterkopf hatten, dass er keinen Nachfolger kriegen wird. Erinnern wir uns zurück, 2004 beim Film «I Robot» war die Studie «Audi RSQ» ein futuristischer Ausblick auf den ersten Audi R8, der 2006 erschien. Damals zukunftsweisend, heute im Vergleich zu den anderen Audi Produkten eher etwas veraltet.

Interessant, warum man beispielsweise nicht die digitalen Rückspiegel des Audi e-Tron als kleines technisches Highlight in den R8 implementiert hat. Die Aussparungen in den Türen erinnern nämlich sehr an die Aussparungen, die wir im e-Tron-Vorserientestwagen (ohne digitale Spiegel) ebenfalls in den Türen fanden. Schade, so hat der Kunde noch weniger Anreize auf einen Neuwagen im Vergleich zu jungen Gebrauchten.

Was bleibt also?
Der aktuelle R8 ein alltagstauglicher Supersportler, mit perfekter Balance und wunderbaren Fahreigenschaften. Kurzgesagt: Ein fantastisches Auto und das wird er dank seinem V10-Sauger auch für immer sein. Für mich war der Spyder sogar noch einen Hauch emotionaler, als das Coupé.

Wir hätten uns aber gewünscht, dass Audi, als einer der Marktführer bei digitalen Innovationen, wenigstens kleine Bemühungen betrieben hätte, im R8 den traditionellen Sauger mit dem einen oder anderen digitalen Gadget (ohne Antriebseinfluss) zu kombinieren.
Mach’s gut lieber R8, du wirst immer in unseren Herzen und Erinnerungen bleiben.

Der Verbrauch lag im Schnitt bei 14,6 Liter Benzin / 100 km. Der Basispreis für den R8 Performance liegt bei CHF 229’500, unser Testwagen mit optionalen Ausstattungen in der Aussenlackierung “Mythosschwarz metallic ” liegt bei CHF 253’457 .

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp:
Aussenfarbe “Javagrün Metallic”, R8 Performance-Designpaket, Sideblades in Carbon glänzend, Aluminium-Vollfräsräder im 5-Doppelspeichen-Dynamik-Design, anthrazitschwarz glänzend, glanzgedreht, Grösse 8,5 J x 20 vorn, 11 J x 20 hinten, mit Reifen 245/30 R 20 vorn, 305/30 R 20 hinten, LED-Scheinwerfer, abgedunkelt, mit dynamischem Blinklicht und Audi Laserlicht, inklusive Fernlichtassistent, Audi Ringe und Schriftzüge in Schwarz glänzend Audi exclusive

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