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Fahrbericht: VW Golf GTI TCR

Wir sind den TCR bereits auf der Rennstrecke gefahren und nun dürfen wir ihn über unsere Heimstrecke scheuchen und dazu noch im Alltag einsetzen. Welche neuen Erkenntnisse haben sich ergeben?

«Was man uns bisher gezeigt hat, war ein sehr schönes und emotionales Upgrade zum normalen GTI Performance. Zwar ohne Handschaltung und wesentlich alltagstauglicher als der Clubsport S damals, aber vom Fahrgefühl sehr ähnlich.» – Das war unser Schlusssatz im TCR-Kurztest von der Presseveranstaltung auf der Rennstrecke von Portimao.

Nun ist er also hier, auf unserer Heimstrecke und er liefert ab. Wir fahren die «schärfste» Konfiguration die lieferbar ist: Das optionale Paket «Reifnitz» kommt mit 19-Zoll-Felgen des gleichnamigen Typs in Schwarz matt mit Reifen der Dimension 235/35 R 19, einer Aufhebung der Vmax-Begrenzung und der adaptive Fahrwerksregelung DCC inklusive einer Tieferlegung um 20 mm gegenüber dem Normalfahrwerk (minus fünf Millimeter gegenüber dem GTI-Fahrwerk) sowie einer speziellen, sportlichen Abstimmung der Vorderachs- und Hinterachsdämpfer.

Wie damals auf der Rennstrecke überzeugt er mit geradliniger Performance, die gut beherrschbar abrufbar ist und sich durch die optimierten Dämpfer und das intensivierte Lenkfeedback auch schön fahren lässt. Anbremsen, über die Schaltwippen runterschalten, mit Schwung in die Kurve, langsam das Gas steigern, die Sperre arbeiten lassen und wieder aus der Kurve rausfeuern.

Einfach, präzise, zurückhaltend. Etwas Wabendekor hier, neue Sitzbezüge da und dezente Verspoilerungen aussen. Vielen GTI-Fans zu sehr zurückhaltend, für mich genau perfekt. Geschmacksvoll und typisch-GTI. Die Farbe «Pure Grey» ist exklusiv für den TCR vorbehalten.

Die weiteren Farbtöne sind GTI-Klassiker der ersten Stunde: „Pure White“, „Tornadorot“, „Deep Black Perleffekt“ und „Oryxwhite Perlmutteffekt“. In Kombination mit „Pure Grey“, „Pure White“ und „Tornadorot“ kann das Dach optional in der Kontrastfarbe „Schwarz“ bestellt werden. Schönes Detail: Beim Öffnen der Vordertüren wird das TCR-Logo auf den Asphalt projiziert.

Werfen wir einen Blick in die technischen Daten. Ein 7-Gang-DSG arbeitet mit dem 2.0 TSI mit Ottopartikelfilter (OPF) zusammen und leistet 290 PS bei 5’400 – 6’400 U/min. Das maximale Drehmoment liegt bei 380 Nm zwischen 1’950 – 5’300 U/min.

Somit haben wir ein Plus von 45 PS und 10 Nm im Vergleich zu einem normalen Golf GTI Facelift (7.5). Die Höchstgeschwindigkeit lässt sich optional von 250 km/h auf 260 km/h anheben. Der Standartsprint von 0-100 km/h vergeht in 5.6 Sekunden. Das Leergewicht beträgt 1’410 kg.

Zurück auf die Landtrasse. Da wo der TCR doch hingehören will. Kleine Pause, die Erinnerungen Revue passieren lassen. Etwas fehlt hier. Wir vermissen dieses freche, raue, leichtfüssige vom Clubsport S. Ihr erinnert euch, den besten GTI den wir je fahren durften. Na gut, die TCR Rennversion mal aussen vor.

Der TCR mag zwar grösstenteils seine Fahrwerkskomponenten geerbt haben dürfen, doch wo bleibt die knackige Handschaltung? Ein optionaler Verzicht auf die Rückbank? Vergessen wir nicht, dass der Namenszusatz «TCR» doch vieles erhoffen lässt – aber der GTI dann in Realität mehr GTI als TCR ist.

Nun, für die meisten Kunden wir das genau richtig sein. Die Fahrwerksabstimmung ist mit genug Restkomfort ausgestattet, der Innenraum ansprechend, die Displays modern, die Assistenten immer bereit. Sind wir frech, wenn wir den Funktionsumfang des TCR im Facelift-GTI erwartet hätten und stattdessen einen neuen Clubsport S als TCR?

Wünsche und Realität sind oft weit auseinander und der TCR schafft es leider nicht, in Sachen Fahrdynamik und Emotionen an den Clubsport S anzuknüpfen. Selbst die Konkurrenten aus Südkorea (i30 N), Japan (Civic Type R) oder Frankreich (Mégane R.S. Trophy) sind ihm enteilt.

Doch nicht alle Käufer priorisieren Fahrdynamik und Emotionen, so wird auch der GTI TCR guten Absatz finden, wenn auch aus Gründen seiner grossen Historie, seiner schönen Verarbeitung oder der typischen-GTI-Optik.

Sind wir vielleicht etwas streng? Ja. Der GTI TCR ist ein sehr guter «Hot Hatch», aber das reicht halt einfach nicht mehr in einem so kompetitiven Wettbewerbsumfeld. Zudem steht der Golf 7 am Ende seines Modelllebenszyklus. VW als Erfinder dieses Segments wurde jahrelang immer gejagt und muss nun wieder zum Jäger werden.

Was bleibt also?
Wir wollten ihn so sehr mögen, den TCR. Zwar ein sehr guter Sportler der Kompaktklasse, doch hinter dem Namen steckt nicht genug, um euch eine deutliche Kaufempfehlung abgeben zu können. Wir freuen uns nun auf den nächsten Golf GTI aus der Modellreihe 8, die Zeit ist reif.

Der Verbrauch lag im Schnitt bei 8,4 Liter Benzin / 100 km. Der Basispreis für den VW Golf GTI TCR liegt bei CHF 45’950, unser Testwagen in “Pure Grey” mit optionaler Ausstattung bei CHF 53’677.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Tornadorot mit Dach in Schwarz, Pretoria 8 J x 19 schwarz, Sportreifen 235/35 R 19, inkl. DCC mit 20mm Tieferlegung, Seitenscheiben hinten und Heckscheibe abgedunkelt, zu 90 % lichtabsorbierend, Sitzbezüge in Titanschwarz-Flashrot, Dekorfolie “Wabe”

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