Teaser: Ich wollte ein schnelles Auto, das mich nicht dazu bringt, schneller zu fahren.
Wie findet man eigentlich heraus, was man wirklich mag? In einer Zeit, in der Datenblätter immer austauschbarer werden und Marketingabteilungen mit immer neuen Superlativen um sich werfen, geht der eigentliche Charakter eines Autos schnell verloren. Reichweite, Elektrifizierung, Ambientebeleuchtung in 64 Farben, Beifahrerdisplay. Die Liste liesse sich beliebig fortsetzen und das meiste der “neuen Features” trägt nicht zur Fahrfreude dazu – im Gegenteil..
Wer wie ich seit über zehn Jahren regelmässig die meisten Neuerscheinungen fahren darf, entwickelt privat eine gewisse Sehnsucht nach Souveränität. Autos verlieren ihren Statussymbol-Charakter und werden zu dem, was sie eigentlich sein sollten: Spezialwerkzeuge.
Für mich waren Autos immer Spezialwerkzeuge, Werkzeuge zur Fahrfreude. Die Kunst der perfekten Garage liegt daraus folgend darin, Instrumente zu wählen, die einen so starken Reiz ausüben, dass man den Schlüssel jedes Mal mit einem Lächeln in die Hand nimmt – die aber gleichzeitig nicht so extrem sind, dass man sie nur noch super selten fährt. Es geht um die Balance zwischen „Haben-Wollen“ und „Nutzen-Können“, besonders neben den oft polarisierenden Testwagen.

Meine 3-Auto-Garage: Ein klassisches Triple-A-Rating
The Analog: Der Porsche ********* Der analoge Referenzpunkt der Garage. Als Handschalter liefert er genau das, was moderne Sportwagen immer seltener bieten: unmittelbare Rückmeldung, präzise Lenkung und ein komplett ungefiltertes Fahrerlebnis. Keine künstliche Dramatisierung, keine digitale Übersetzung. Er ist das Werkzeug für die One-More-Lap-Momente. Für diese Abende, an denen eine gute Strasse einfach noch einmal gefahren werden muss. Anmerkung: Dieses Fahrzeug wird in einem späteren Teil der Serie detailliert vorgestellt, gehört aber bereits seit August zum festen Bestandteil der Garage.
The Agile: Der Mini Countryman JCW Der „Hammer“ für das urbane Dickicht. Mit seinen 306 PS ist er das agile Kraftpaket, das seine Reifeprüfung auf den staubigen Strassen Siziliens bestanden hat. Er ist die tägliche Dosis Fahrspass, unkompliziert und hocheffizient.
The Absolute: Der Alpina B5 Touring Die Endstufe. Ein Bentley Continental in Kombiform. Maximale Entspanntheit bei maximalem Schub befreit von jeglicher Aufregung. Gleichzeitig der schnellste Serien-Kombi mit 322 km/h Höchstgeschwindigkeit ab Werk.


Das Ende der Experimente und das Loblied auf den Kombi
Lange Zeit war mein Audi A6 Allroad der perfekte Begleiter. Was folgte, war ein elektrisches Experiment: Ein e-tron. Sagen wir es so: Es war am Ende ein Ende mit Schrecken, aber das war mir lieber als ein Schrecken ohne Ende. Die Elektromobilität in ihrer aktuellen Form war für meine spontane Langstrecke und den Anspruch an emotionale Verlässlichkeit schlicht nicht das richtige Werkzeug.
Ich suchte also eine neue Form von Souveränität. Ich wollte ein Drittauto, dass ein Kribbeln auslöst, ein Auto auf das man sich freut. Die Auswahl war mitunter:
- Porsche Cayenne Turbo? Zu prollig, zu sehr SUV-Vorschlaghammer. Schlechte Erfahrungen mit Porsche Service.
- Maserati Levante Trofeo? Ein Ferrari-Herz in einem Gehäuse, das haptisch enttäuscht und keinen Service-Partner im Umkreis bietet.
- Mercedes-AMG E63 S Kombi? Ein technisches Biest, aber Mercedes E-Klasse fuhr immer mein Opa – dieses Bild im Kopf lässt sich auch nicht durch 612 PS wegbeschleunigen.
- Audi RS6 C8? Inzwischen fast schon ein Klischee, optisch zu laut und mit dem DRC-Fahrwerk schlicht zu hölzern für den entspannten Langstreckengenuss. Mit der e-tron Geschichte im Hinterkopf? Nein danke.

Die europaweite Jagd nach dem Phantom
Ich suchte ein Fahrzeug, das wie ein guter, gereifter Wein ist, mit Substanz, komplex, aber niemals anstrengend. Ein Auto, das genug Platz für die Hundebox von Monza bietet, eine Standheizung für kalte Tage besitzt und Langstrecke so interpretiert, dass man am Ziel nicht erschöpft ist, sondern inspiriert. Kurz war ich eingeschossen auf den X5 G05. Der Plug-In-Hybrid ungeeignet für nur Langstrecke, Diesel gibt stinkige Finger, 40i ist mir zu normal, X5 M zu hart, X5 M50i leider mit der richtigen Konfiguration (Luftfederung, Standheizung etc.) selten.
Warum eigentlich keinen Alpina? Viel zu oft habe ich sie übersehen, überscrollt bei Autoscout. Wie falsch von mir.
5er war gesetzt, genauer B5 Touring B31 Facelift.
Natürlich musste es Alpinablau sein – die Farbe, die das Erbe der Manufaktur am besten verkörpert. Ich suchte in ganz Europa. Wer einmal versucht hat, ein seltenes LCI-Modell (Life Cycle Impulse) mit der richtigen Ausstattung zu finden, weiss: Man sucht kein Auto, man sucht eine Nadel im Heuhaufen.
Die nackten Zahlen machen die Absurdität dieser Suche greifbar: Während man auf AutoScout24 aktuell aus 68 inserierten Ferrari SF90 wählen kann, in diesem Vergleich fast schon ein Volumenmodell, steht beim B5 LCI auf derselben Plattform eine glatte Null. Mobile.de listet europaweit gerade einmal 8 B5 LCI Touring (GT-Modelle aussen-vor). Filtert man weiter nach dem markentypischen Alpinablau, bleibt ein einziges Exemplar übrig. Sucht man dann noch nach der klassischen Kombination mit den hellen Schmiederädern und dem silbernen Seitenstreifen, landet man bei einem Ergebnis von exakt null. Das ist die Jagd nach einem Phantom.

Schlussendlich wurde ich in Luxemburg fündig. Ein kurzes Zeitfenster vor meinem Eifelbesuch, ein Aussencheck, eine Probefahrt, eine Liste an To-Do’s für den Verkäufer und schon stand ein unterschriebener Vertrag. Kurze Zeit später wurde er in die Eidgenossenschaft geliefert und damit deutlich näher an sein ursprüngliches Herstellungswerk in Buchloe gebracht, dorthin, wo er seit 1965 als eigenständiges Automobil-Meisterwerk zertifiziert wird, aber Ende 2025 leider fast der gesamte Betrieb an BMW überging.
Antrieb: Die 4,4-Liter-V8-Motorengeneration liefert 621 PS.
Kraftentfaltung: Ein maximales Drehmoment von 800 Nm steht bereits ab 2.000 U/min als massives Plateau zur Verfügung.
Fahrleistungen: Der Touring absolviert den Sprint von 0 auf 100 km/h in 3,6 Sekunden.
Spitzengeschwindigkeit: Mit 322 km/h ist er der schnellste Serien-Kombi ab Werk.
Am Ende dieser Suche stand die Erkenntnis: Triple-A ist jetzt Realität. Und Realität bedeutet in diesem Fall beim Alpina: Unaufgeregte Überlegenheit durch Understatement als Rekordhalter. Es ist die Komplettierung einer persönlichen Traumgarage aus purer Mechanik, urbaner Agilität und absoluter Souveränität.
Analog. Agile. Absolute.


Sehr cool! Für die aufgeregte Langstrecke habe ich einen ID7 (ja Elektro, aber gut😁). Für den Spaß im Sommer eine 17er JCW Cabrio, praktisch und lustig. Was aktuell fehlt ist das “nicht jeden Tag” Auto, vielleicht eine Alpina? Dir einen schönen Sonntag.
Gute Idee 🙂
Toller Artikel, Mega Auto! Meine Garage besteht derzeit aus einem Tesla als Daily und einem GT4 zum Spass haben 😎
Vielen Dank, freut mich sehr!
Das klingt nach einer ziemlich perfekten Kombination: Der Tesla als entspannter, effizienter Daily und der GT4 für die Momente, in denen Autofahren einfach nur Spaß machen soll. Zwei Autos mit sehr klaren Rollen.
Viel Freude weiterhin mit dieser Garage und allzeit gute Fahrt! 😎
A very good read Andreas. I am on my 2nd G31 B5 Touring and have commentated extensively on the Alpina Register. My first was 336, an absolute gem of a car loaded with extras. At the time of purchase I was driving a G31 530dX and the plan was to keep the diesel for my daily 80 mile of commute using the B5 as a “Toy”. Within 48 hours of collecting 336 the Diesel was pensioned off and put out to grass on the driveway. I could not believe the all round completeness and competency of the Alpina. In my 4 years of ownership I covered over 80,000 miles in all weathers both in the UK & Europe. As the miles were creeping up and Alpina would soon be no more I decided to replace her with a newer model. I now own 973, like yours the facelifted version. The TU3 engine used in the LCi is very different in terms of power delivery to the earlier TU2. You have quoted the book figures of 621/800, a dyno run will show you something very different. At 50K miles I dyno’d 336 she was making 654/920. I’ve recently dyno’d 973 and she makes 672/950. Again if you time the performance for yourself you will find the car is significantly quicker across the board than any quoted figures. (Way above) As you say, it is the sum of the package that makes the B5 such an incredible machine. Awesome power laid on the road without noise, fuss or drama. Handling to match the power without harshness or vice combined with super fluid dynamics. These are totally practical daily drive cars built to devour continents in comfort and refinement.
Like yourself I get to drive other cars (Thru a hobby job) Porsche’s, Ferrari’s, Lamborghinis, McLaren’s, Audi’s, GTR’s etc. While all are fantastic driving machines in their own way none are complete as the B5. The gentle, relaxed, laid back nature of these Alpina’s is something that cannot be appreciated unless lived with in daily. Truly iron fists within a velvet gloves.
Thank you for sharing this – and also for the incredible mileage you’ve covered in these cars. Running a B5 Touring for 80,000 miles across the UK and Europe in all conditions is probably one of the best possible real-world validations of what makes this car so special.
Your experience with replacing the 530d after just 48 hours made me smile. I can absolutely see how that happens. The B5 simply removes the need for a “separate” daily because it does everything so effortlessly.
The dyno numbers are fascinating as well. Those figures really underline what many owners feel from the driver’s seat: the car is clearly stronger than the official numbers suggest.
And I completely agree with your conclusion. The B5 is not about drama or theatre. It’s about completeness. Power, composure, comfort and real usability combined in a way very few cars manage. As you say, iron fist in a velvet glove.
Thank you again for the great comment and for adding such valuable real-world insight. Enjoy every mile with 973 and have many great drives ahead! Best wishes from 851
Einmal mehr bin ich von einem Erfahrungsbericht von Andreas überaus angetan. Congratulations!
Es ist immer sehr schön, wenn man eigene Auto-Erfahrungen von anderen bestätigt bekommt.
Beispiel: die Aussage von Andreas „Ich wollte ein schnelles Auto, das mich nicht dazu bringt, schneller zu fahren.“ Genau so geht es mir auch. Ich bin weder ein tiefenentspannter Cruiser, der gerne mal zum Verkehrshindernis wird, noch ein Racer, der eine Gefahr für andere darstellt. Aber immer, wenn ich mich in einen Porsche 911 setzte, hat es mich innerlich dazu gedrängt, schneller zu fahren, als ich eigentlich wollte. Nicht extrem schnell, nicht gefährlich schnell, aber halt doch rasanter, als es in 95% der Zeit, die ich im Auto verbringe, meinem Temperament entspricht.
Vielleicht ist das ja aber genau der Sinn eines Sportwagens, den ich bislang einfach nicht verstanden habe… das könnte durchaus sein. Bislang dachte ich immer, der Sinn eines Sportwagens besteht darin, schnell fahren zu können, wenn man es selbst möchte. Aber wenn das Auto einem dazu bringt, schneller zu fahren als man eigentlich will… Ich hatte schon geglaubt, meine Porsche-Erfahrung hinge mit mangelnder Willensstärke zusammen. Wenn ich jetzt aber lese, dass es Andreas ähnlich zu ergehen scheint, finde ich das sehr tröstlich.
Toll finde ich in diesem Blog-Beitrag auch das Sinnieren über die perfekte 3-Auto-Garage. Über Walter Röhrl habe ich mal gelesen, dass er mit zwei Autotypen auskommt: 911er und VW-Bus. Beneidenswert, weil weniger Qual der Wahl… Wenn man nicht der Meinung ist, dass ein Auto-Quartett die ideale Anzahl an Autos ist, die man besitzen sollte, dann finde ich auch, dass 3 Autos die perfekte Anzahl sind. Es scheint, dass Andreas ans Ende seiner experimentellen Suche nach der mit 3 Autos gefüllten (Traum-)Garage gekommen ist (so ganz sicher wäre ich mir allerdings nicht, ob in den nächsten Jahren nicht doch noch eine kleine Variation erfolgen wird…). Er ist angekommen und glücklich.
Nachdem ich mich für ihn über den wirklich wunderschönen Alpina B5 Touring gefreut habe, stelle ich mir die Frage: Und wie weit bin ich?
Gesetzt ist momentan ein (geleaster) VW T7 Multivan Edition mit Hybrid- und Allradantrieb. Deckt die Umweltfreundlichkeit ab, wenn man oft elektrisch fährt, kann gelegentlich für Transporte eingesetzt werden oder wenn man auf einer langen Strecke zwischendurch mal schlafen möchte.
Auto Nr. 2 soll in den nächsten zwei Wochen einziehen. Ein Porsche Macan S mit 381 PS, 6-Zylinder und Luftfederung in meiner Lieblingsfarbe Blau. Der Macan besitzt nicht das von Andreas erwähnte „Prollige und zu sehr SUV-Vorschlaghammermäßige“ des Cayenne Turbo. Und er fährt sich verdammt sportlich, wenn es sein muss. Höchste Porsche-Ingenieurskunst in Sachen Fahrwerk und Agilität. Und weil es ihn nur noch in der Elektro-Variante gibt, ist es vielleicht gut, den Benziner in seiner letzten Ausbaustufe zu besitzen.
Bleibt die Frage nach Auto Nr. 3. Obwohl ich noch nicht selbst damit gefahren bin, ist beim inspirierenden Recherchieren für mich ein heißer Favorit geworden: BMW 230e X-Drive. Allrad, Hybrid, 326 PS und in 5,5 Sekunden von Null auf Hundert.
Technisch verwandt mit Auto Nr. 2 von Andreas: „The Agile: Der Mini Countryman JCW“.
Während der Active Tourer eher der Wolf im Schafspelz ist, gewinnt der Mini sicherlich die Wertung bei Design und Emotionalität.
Beim Blick in meine Garage stelle ich leicht bedauernd fest: ein bisschen viel Vernunft-Autos, zu wenig Emotion.
Deshalb würde es mich sehr interessieren, wie die 3-Auto-Garagen von anderen Blog-Leserinnen und -Lesern aussehen.
Vielen Dank für diesen tollen und sehr persönlichen Kommentar. Es freut mich wirklich sehr, wenn sich eigene Beobachtungen im Alltag anderer Autofahrer wiederfinden. Gerade das Gefühl beim 911 kenne ich gut: ein fantastisches Auto, das einen fast automatisch zu einer etwas engagierteren Fahrweise verführt. Das gehört wohl tatsächlich zur DNA eines echten Sportwagens. Deine Garage klingt übrigens sehr stimmig. Der T7 als vielseitiger Allrounder und der Macan S als sportlicher Daily sind eine spannende Kombination. Beim dritten Auto darf dann vielleicht tatsächlich noch ein bisschen mehr Emotion hinein. Ich bin gespannt, wie sich deine Garage weiterentwickelt – und natürlich auch, welche Kombinationen andere Leser hier fahren. Vielen Dank nochmals für den schönen Kommentar und weiterhin gute Fahrt! 🚗
Hallo Andreas,
dein Gedanke der Garage als Werkzeugkasten für Fahrfreude trifft für mich erstaunlich präzise ins Schwarze. Wenn man lange genug Autos fährt oder erlebt, verlieren Datenblätter tatsächlich ihren Reiz. Leistung, Displays, Assistenzsysteme – alles interessant, aber selten der Grund, warum man sich auf eine Fahrt freut. Entscheidend ist am Ende der Charakter.
In meiner Garage stehen deshalb vier Autos, die genau diesem Gedanken folgen. Vier sehr unterschiedliche „Werkzeuge“, jedes mit einer klaren Aufgabe.
Der Mercedes-Benz EQE SUV 500 4MATIC ist gewissermassen das Fundament. Ein unglaublich souveränes, leises und müheloses Auto. Einsteigen, losfahren, ankommen – entspannt, effizient und komfortabel. Er gleitet über lange Distanzen mit einer Ruhe, die fast schon etwas Meditatives hat. Gleichzeitig vermittelt er diese typische Mercedes-Gelassenheit: hochwertig, komfortabel und technisch beeindruckend, ohne sich aufzudrängen. Ein Fahrzeug, das jede Strecke angenehm und entspannt wirken lässt – genau das richtige Werkzeug für die lange Reise und den Alltag.
Daneben steht der MG Cyberster 4×4, der fast wie ein Gegenentwurf wirkt. Ein elektrischer Roadster ist heute noch eine seltene Spezies, und genau das macht ihn so faszinierend. Niedrig, offen, futuristisch gezeichnet und voller Charakter. Er verbindet klassische Roadster-Gene – Wind, Offenheit, unmittelbare Nähe zur Strasse – mit moderner Elektrotechnik. Jede Fahrt fühlt sich ein wenig wie ein Blick in die Zukunft an, ohne dabei die spielerische Freude am Offenfahren zu verlieren.
Dann gibt es noch den Renault 5 E-Tech Electric Roland-Garros. Dieses Auto bringt eine wunderbare Leichtigkeit in meine Garage. Kompakt, charmant und stilvoll interpretiert er eine Ikone der Automobilgeschichte neu. Gerade in der Roland-Garros-Edition bekommt er eine besondere Eleganz, die perfekt zu seinem sympathischen Charakter passt. Er erinnert daran, dass Fahrfreude oft im Kleinen liegt: wendig, unkompliziert und einfach angenehm im täglichen Gebrauch, perfekt für die Fahrten in der Stadt.
Und schliesslich der emotionale Pol der Garage: der Mercedes-AMG SL 63. Ein Auto, das nicht versucht rational zu sein. Elegant, exklusiv, V8, Klang, Präsenz – ein Auto, das jede Ausfahrt zu einem Ereignis macht. Ein moderner Grand Tourer mit klassischem Herzen. Der V8-Biturbo verleiht dem Auto eine kraftvolle Präsenz, während Fahrwerk, Design und Verarbeitung jene Mischung aus Sportlichkeit und Luxus schaffen, für die der SL seit Jahrzehnten steht. Offen über eine schöne Strasse zu gleiten, begleitet vom tiefen Klang des Motors, hat eine besondere Qualität – eine Mischung aus Kraft, Eleganz und purer Fahrfreude. Rational braucht man ihn nicht. Aber genau darin liegt sein Wert. Wenn man den Schlüssel in die Hand nimmt, weiss man: Diese Fahrt wird etwas Besonderes.
Am Ende ergibt sich daraus genau die Balance, die du beschreibst:
– Souveränität und Reisekomfort im EQE
– futuristische Roadster-Faszination im Cyberster
– charmante Leichtigkeit für die Stadt im R5
– Emotion, Exklusivität und grosse Momente im SL
Vier Autos, vier Charaktere – und jedes erfüllt eine Aufgabe.
Vielleicht ist das tatsächlich die Kunst einer guten Garage: nicht möglichst viele Datenblätter zu sammeln, sondern Fahrzeuge zu wählen, bei denen man immer wieder Lust hat, den Schlüssel zu nehmen und einfach loszufahren.
Auf genussvolle Kilometer voller Fahrfreude!
Meiql
Hallo Michael,
Vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Man merkt sofort, dass deine Garage nicht zufällig zusammengewürfelt ist, sondern genauso bewusst zusammengestellt wurde wie ein guter Werkzeugkasten. Gerade die Kombination aus EQE SUV und dem SL 63 als emotionalem Gegenpol finde ich spannend. Das ist genau diese Balance zwischen rationaler Gelassenheit und purer Fahrfreude, die eine Garage mit mehreren Autos interessant macht. Und der Cyberster bringt dann noch eine komplett andere Perspektive hinein, ein grossartiger Elektrosportwagen, den wir auch schon bei Elektrosportwagen.ch testen durften.
Was mir an deiner Beschreibung besonders gefällt: Vier Autos, vier Charaktere, das klingt nach einer sehr stimmigen Garage. Und vermutlich auch nach einer, bei der man sehr öfter Lust hat, einfach den Schlüssel zu nehmen und loszufahren. Wechselst du alle Fahrzeuge auf Winterbereifung oder nur z.B. EQE & R5? Vielen Dank fürs Teilen deiner Perspektive und weiterhin viele genussvolle Kilometer.
Herzliche Grüsse
Andreas
Blog kommentiert aber leider nicht erschienen…
Hey Michael, vielen Dank für deinen Kommentar – ja wir schalten jeweils die Kommentare manuell frei – mitunter aus Schutz vor Spam
Hallo Andreas
Vielen Dank für deine schönen Worte – das hast du wirklich treffend beschrieben. Genau so fühlt es sich auch an: vier Autos, vier völlig unterschiedliche Charaktere. Je nach Stimmung greift man zu einem anderen Schlüssel, und das macht die Sache tatsächlich sehr lebendig.
Aktuell fährt übrigens nur gerade der R5 auf Winterbereifung. Damit bin ich bisher gut gefahren. Wenn es wirklich winterlich wird, ist er der einzige Begleiter, während die anderen Fahrzeuge bei Salz und Schnee lieber in der Garage bleiben dürfen.
Herzliche Grüsse
Meiql
Kleine bewundernde Anmerkung zur Beschreibung der automobilen Quadriga von Andreas.
Nicht nur charakterstarke tolle Autos, sondern auch so elegant und feinsinnig beschrieben: auf den Punkt zutreffend, klug analysiert und trotzdem mit viel Herzblut formuliert. Ein Lesegenuss.
Hallo, Andreas,
habe in meinen Kommentar natürlich die Garage von Michael gemeint. “In der Eile sind die Fehler”, sagte schon der Konstanzer Schriftsteller Fritz Mühlenweg, der mit Sven Hedin die Mongolei bereiste. Ich war in meinen Gedanken schon mit der Frage beschäftigt, wie ich meine neue aufblasbare Hundebox auf den Rücksitzen so befestigt kriege, dass sie gerade steht.
Exgüsi.
Wäre nett, wenn Du meinen Flüchtigkeitsfehler korrigieren könntest. DANKE.
Hoi Andreas
Ein sehr persönlicher Beitrag über ein tolles Fahrzeug – wie immer schön und bildlich ge- und umschrieben!
Ich kann deinen Beitrag und die Kommentare der anderen Leser sehr gut nachvollziehen. Jeder hat seine eigenen Wünsche, Ansichten und Möglichkeiten.
Die Anmerkung zu Walter Röhrl finde ich spannend. Reduziert und trotzdem vielseitig. Dazu eine kleine Rückschau aus meiner Garage. Ich war mal im Besitze eines Roadsters und einem Töff. Dazumal jung, single und ungebunden (lange her!). Beides wunderbare Geräte, das eine war ein MB SL 600, V12 6.0 l Sauger, das andere eine Honda CBR 1100XX. Die Krux war, dass ein Roadster oder Cabrio sich dasselbe Zielbild teilen, wie eine Strassenmaschine. Schönes Wetter bevorzugt. Nun sind die schweizer Strassen bei schönem Wetter aber tendenziell gut besucht. Auch wenn ein zweispuriges Fahrzeug noch so viel Punch hat, wenn man nicht gerade des Lebens müde ist, sind die Überholmöglichkeiten begrenzt. Ein Motorrad findet schneller eine Lücke – die muss ja auch nicht gross sein. Und so fiel die Wahl für eine Ausfahrt halt schneller auf das Motorrad, wenn Zeit/Dress/Frisur keine Rolle spielten.
Blick ins heute, mit Familie, Haus und Hund. Da hat nach einem Kombi nun ein T7 Multivan Einzug gehalten. Praktisch, vernünftig (kurze Strecken mit Strom aus der eigenen PV-Anlage) und Platz ohne Ende. Zu viert mit Hund und einem MTX-Bike (im Wageninneren transportiert) in den Urlaub ohne Probleme. Wobei ich zugeben muss, dass wir schlechte Packer sind. Tendeziell findet zu viel Material den Weg ins Auto.
Als Gegenpol fungiert nun quasi wie bei Walter ein Sportcoupé. Allerdings ist mein Geldbeutel nicht üppig genug für einen 911 – so ist es ein GR86 geworden. Die Power und das Ansehen mögen limiert sein, aber jedesmal, wenn ich ins Büro fahre steige ich auch nach gut 3 Jahren gerne ein und verstehe die hier beschriebene Herausforderung, trotz der gegebenen Möglichkeit, nicht zu schnell fahren zu wollen. Ich freue mich diebisch über jede Kurve, die ich mit dem GR86 anvisieren kann und niemand im Wege steht. Onemorelap at its best, sozusagen.
Aber dann gibt es halt doch noch ein drittes Fahrzeug in der Garage: Die CBR 1100XX hat bis heute überlebt und wenn schönes Wetter ist und ich Zeit habe, ja dann…
Ich wünsche dir, Andreas, und allen anderen Leser jederzeit eine wundervolle Fahrt mit sicherer Heimkehr!
Lieber Arno, vielen Dank für deinen ausführlichen und sehr ehrlichen Einblick, genau solche Perspektiven machen diese Diskussion so spannend.Deine Beobachtung zum „gleichen Zielbild“ von Cabrio und Motorrad trifft es perfekt. Zwei Fahrzeuge, die beide nach schönem Wetter verlangen, konkurrieren am Ende um dieselben Momente. Und wie du es beschreibst: Das Motorrad gewinnt oft, weil es in unserer realen Verkehrswelt schlicht mehr „Spielraum“ hat. Das ist eine sehr nüchterne, aber treffende Erkenntnis. Umso spannender finde ich den Blick auf deine heutige Garage. Der T7 als rationales Fundament passt perfekt in dein aktuelles Leben – Familie, Hund, Alltag. Und genau dort zeigt sich ja oft, wie sich die Prioritäten verschieben. Gleichzeitig hast du dir mit dem GR86 (grossartiges Auto!) genau das bewahrt, was vielen Konfigurationen heute fehlt: Leichtigkeit. Kein Überfluss, keine Übermotorisierung, sondern ein Auto, das über das Fahrerlebnis kommt. Dass du nach drei Jahren immer noch gerne einsteigst, ist wahrscheinlich das stärkste Qualitätsmerkmal überhaupt.
Was mir an deiner Garage besonders gefällt: Sie ist nicht perfekt im Sinne von „maximal“, sondern stimmig im Sinne von „ehrlich“. Und genau das ist am Ende wahrscheinlich näher an der Realität von Fahrfreude als jede theoretische Traumgarage. Vielen Dank fürs Teilen und ebenfalls allzeit gute und sichere Fahrt! 🏁