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Zeekr 7X Privilege AWD im Test: Der Q8-Killer aus Göteborg?

Zeekr 7X Privilege AWD – Kurzfazit & Einordnung

Kurzfazit:
Der Zeekr 7X ist der Moment, in dem die deutsche Premium-Konkurrenz nervös zum Telefon greifen sollte. Während man in Ingolstadt für einen vergleichbar ausgestatteten Q8 e-tron locker das Doppelte hinlegt, liefert Zeekr hier ein SUV ab, das nicht nur mit 646 PS und 800V-Technik auftrumpft, sondern auch haptisch dort weitermacht, wo Audi aufgehört hat. Er ist kein „Billig-Chinese“, sondern ein technologisches Machtwort mit schwedischer Design-DNA.

Für wen geeignet:
Für tech-affine Familienväter, die keine Lust mehr auf 400V-Lade-Geduldspiele haben und Luxus über Materialgüte definieren, statt über ein prestigeträchtiges Logo am Kühlergrill.

Für wen nicht:
Für Menschen, die „Fahrfreude“ über Rückmeldung in der Lenkung definieren. Der 7X ist ein hocheffizienter Gleiter, aber kein Skalpell für den Flüelapass.

Fahrverhalten:
Dank der aktiven Luftfederung schwebt der 7X über den Asphalt. Die 646 PS schieben den 2,5-Tonner in 3,8 Sekunden nach vorne, als gäbe es keine physikalischen Gesetze. In Kurven spürt man das Gewicht, aber er bleibt sicher und komfortabel.

Alltag & Komfort:
Ein Wellness-Tempel auf Rädern. Die 90-Grad öffnenden Fondtüren sind ein Segen für den Kindersitz-Einbau oder den Hund. Das Interieur mit Nappa-Leder und echten Tasten (Halleluja!) fühlt sich mechanisch hochwertig an.

Langstrecke & Autobahn:
Hier ist er König. 800-Volt-Architektur bedeutet: In 10 Minuten Strom für 300 km nachladen. Wer an der richtigen Säule steht, ist schneller wieder weg, als der Espresso an der Raststätte braucht, um abzukühlen.

Emotion & Charakter:
Er ist ein “Heimlifeisser”. Er protzt nicht mit Krawall, sondern mit einer Souveränität, die man sonst nur aus Fahrzeugen der 120k-Klasse kennt.

Langfassung: Von der Ungewissheit zur 800-Volt und 10-Jahre-Garantie Valiumtablette

Es ist ein kühler Dienstagmorgen, als ich vor dem Zeekr 7X in „Tech Grey“ stehe. Mein Gehirn schaltet sofort in den Vergleichsmodus. Ich denke an meinen alten Audi e-tron 55. Eigentlich war der Audi ein angenehmer Begleiter – solide verarbeitet, leise, ein vertrautes Stück Auto. Doch am Ende fühlte sich jeder Kilometer ohne Garantie wie russisches Roulette an.

Die bekannte Problematik mit der Motorkühlung schwebte wie ein Damoklesschwert über jeder Fahrt. Wenn du weisst, dass ein Defekt ausserhalb der Kulanz den wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten kann, schwindet die Fahrfreude schneller als die Reichweite im Winter. Und genau hier setzt der Zeekr an, bevor ich überhaupt eingestiegen bin. Hier steht ein Versprechen von bis zu 10 Jahren Garantie im Raum.

Antrieb: Warum 646 PS keinen Wahnsinn sind

Wir müssen reden. Über Zahlen, die auf dem Papier nach einem Super-Sportwagen klingen, aber in einem Familien-SUV stecken. Der Zeekr 7X Privilege AWD wirft mit 475 kW um sich – das sind 646 PS und gewaltige 710 Newtonmeter Drehmoment. Erinnert ihr euch an den M235, bei dem wir uns fragten, wo die 50 Nm hin sind? Hier stellt sich diese Frage nicht. Zeekr hat einfach 30% mehr reingepackt als die Konkurrenz und ab auf die Strasse!

Der 7X nutzt modernste Siliziumkarbid-Inverter an der Hinterachse, um den Strom so verlustfrei und unmittelbar in Vortrieb zu verwandeln, dass es fast schon unheimlich ist. Und für die Technik-Feinschmecker unter euch: Das Herzstück dieses Systems ist die 100-kWh-CATL-Qilin-Batterie (NMC-Zellchemie). In der Welt der Stromer ist das quasi die ‚S58-Motorenkennung‘ – das mechanische (oder eben chemische) Meisterwerk unter dem Blech. Die Qilin-Architektur (Cell-to-Pack 3.0) sorgt nicht nur für eine beeindruckende Energiedichte, sondern vor allem für ein Thermomanagement, das die 800V-Architektur erst so richtig zum Atmen bringt. Während andere nach drei harten Sprints oder am Schnelllader thermisch die Segel streichen, bleibt die Qilin-Zelle cool.

Während mein alter e-tron 55 sich beim Kickdown erst einmal kurz sammeln musste (Gedenksekunde inklusive), schiesst der Zeekr in 3,8 Sekunden auf 100 km/h. Es ist diese Art von EV-Leistungsüberfluss, die man gleichzeitig für völlig unnötig und absolut grossartig halten kann. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei elektronisch begrenzten 210 km/h.

Fahrdynamik: Die “spitze” Lenkung: Gier statt Gummiband

Die erste Überraschung ist die Lenkung: Der 7X hat eine super spitze Lenkung, die eine fast schon unanständige Gier nach Einlenken zeigt. Sobald du den Einschlag initiierst, folgt die Vorderachse mit einer Direktheit, die man eher in einem deutlich kleineren Auto vermuten würde. Er „beisst“ regelrecht in den Scheitelpunkt, manche würden sagen, er ist nervös um die Mittellage. Aber mir gefällt das. Ich sehe da eher Präzision und eine Agilität an der Front, die den Wagen handlicher wirken lässt.

Das Faszinierende daran: Diese scharfe Vorderachse trifft auf ein extrem komfortables Fahrwerk. Zeekr nutzt das adaptive Luftfahrwerk mit CCD (Continuous Damping Control) um den sprichwörtlichen Sänften-Stil zu erreichen. Er bügelt Querfugen, Kanaldeckel und Frostaufbrüche so souverän weg, dass man fast vergisst, auf 21-Zöllern unterwegs zu sein. Es ist eine seltene Kombination: Du hast diese präzise, gierige Lenkung, die Lust auf Dynamik macht, und gleichzeitig eine Federung, die dich völlig entspannt durch den Alltag trägt.

Irgendwie witzig und wohl typisch OneMoreLap: Man ertappt sich dabei, wie man Kurven aggressiver anpeilt, einfach weil das Auto so bereitwillig einlenkt, nur um dann im Scheitelpunkt festzustellen, dass man eigentlich immer noch in einer gemütlichen Lounge sitzt. Witziges Gefühl!

Exterieur: Einheitsbrei oder Design-Minimalismus dank skandinavischem Touch?

Der 7X gefällt. Weniger polarisierend als seine Brüder X und 001 ist er mehr zurückhaltend, fast schon minimalistisch. Die Front wird von einer dominanten LED-Lichtleiste bestimmt, die wie ein präziser Strich über der Motorhaube liegt. Darunter, in dem dunklen Panel, verbergen sich die Matrix-LED-Scheinwerfer. In der Seitenansicht versucht der 7X, die Souveränität der grossen Baureihen in das SUV-Segment zu retten. Eine langgezogene Dachlinie und ein langer Radstand von 2,90 Metern sorgen für Präsenz. Ein echtes Highlight ist der orangefarbene Akebono-Bremssattel mit dem markanten “ZEEKR”-Schriftzug.

Das Heck wird von einem weiteren durchgehenden LED-Lichtband dominiert. Es ist clean, mit dem “ZEEKR”- und “7X”-Schriftzug auf einem schwarzen Panel.

Interieur: Der “Knopfdruck-Luxus” und das wirkliche Highlight des 7X

Das eigentliche Party-Piece ist der Verzicht auf klassische Mechanik: Die Türen öffnen auf Knopfdruck. Anstatt an einem Griff zu ziehen, genügt ein einfacher Druck auf den Taster an der B-Säule und die Tür schwingt elektrisch auf. Sensoren überwachen dabei das Umfeld, damit du nicht das Nachbarauto oder den Betonpfosten in der Tiefgarage küsst und das Ganze passiert auch so zügig, dass es nach 1.5 Wochen nicht nervig langsam ist, sondern echt gefällt. Schliessen? Einfach das Bremspedal betätigen und wie magisch schliesst sich die Türe vollautomatisch.

Innen merkt man sofort: Hier wurde nicht gespart, hier wurde geklotzt. Die Nappa-Leder-Sitze sind nicht nur weich, sie sind handwerklich auf einem Niveau, das man sonst in einer deutlich höheren Preiskategorie findet. Die Kontrastnähte sind so präzise gesetzt, dass man fast schon eine Lupe herausholen möchte. Die Sitze sehen nicht nur gut aus, sind sehr bequem und bieten guten Seitenhalt.

Der Materialmix? Ausgezeichnet. Die Verarbeitung? Ebenfalls ausgezeichnet. Ablageflächen, Konnektivität, Displays, Bedienung – alles ohne Makel. Dachhimmel? Alcantara. Wow. Wir müssen über den Moment sprechen, der uns besonders beeindruckt hat. Die Bedienung. Lenkradtasten, gutes taktiles Feedback, selbiges gilt auch für das Drehrad am Lenkrad. Es geht also doch und Zeekr setzt noch einen drauf: Unter dem 16-Zoll-Screen findet sich eine Leiste mit echten, physischen Kippschaltern. Zeekr nennt sie “Piano Keys” – und für uns Petrolheads sind sie die Erlösung.

Das mechanische Feedback: Wer eine La Marzocco zu Hause hat oder die Lünette einer Submariner dreht, weiss, was ich meine: Es geht um das Klicken. Das haptische Feedback dieser Schalter im 7X ist hervorragend. Es fühlt sich nach Mechanik an, die einen klaren Druckpunkt hat.

Du willst die Fahrmodi ändern? Klick. Du willst die Lautstärke regeln, ohne auf den Screen zu starren? Ein echter Drehwalzen-Regler. Es ist diese Art von “blindem Vertrauen”, die uns in modernen Autos in den letzten Jahren so oft geraubt wurde. Hier kannst du während der Fahrt operieren, ohne den Blick von der Strasse zu nehmen. Das ist kein Rückschritt, das ist durchdachte Premium-Ergonomie.

Einziger Wermutstropfen: Warum man dann trotzdem die Klimaeinstellungen und die Lüftungsdüsen-Steuerung (bei der man den Luftstrom über Touchscreen herumfummeln muss) in den Screen verbannt hat, bleibt das letzte grosse Rätsel der chinesisch-schwedischen Ingenieurskunst.

In den Kopfstützen an verbaut Zeekr integrierte Lautsprecher für das Zeekr Sound Pro System. Das Geniale: Navigationsanweisungen oder Telefonate kommen direkt in dein Ohr, ohne dass die schlafenden Passagiere oder der Hund im Kofferraum gestört werden. Die Audio-Bühne ist dank der 21 Lautsprecher sehr gut, auch wenn man im EQ etwas nachhelfen muss, damit die Referenzlieder richtig klar werden.

Die Lichtinszenierung mit dem Diamant-Muster im Armaturenbrett ist zwar Geschmackssache, wirkt aber bei Nacht wie eine futuristische Skyline. Es bricht mit der Langeweile vieler anderer Interieurs, ohne dabei ins Kitschige abzudriften. Zeekr hat verstanden, was Familien brauchen. Die hinteren Türen öffnen fast im 90-Grad-Winkel. Das ist für Personen, Objekte oder auch übergrossen Schosshund ideal.

Assistenz & Alltag: Volle Hütte statt Verzicht

Tolles Augmented-Reality-Head-Up-Display, doch wir müssen ehrlich sein: Wie schon beim 001 neigt auch der 7X zur digitalen Überfürsorge. Der Wagen ist bis unters Panoramadach mit Sensorik vollgestopft, was in einem ständigen Konzert aus Warnungen resultiert. Einmal kurz den Blick zum Beifahrer schweifen lassen? Bing. Zwei km/h über dem Limit? Bong. Es ist diese typische, nervöse Art neuer EV-Generationen, die einen manchmal an den Rand des Wahnsinns treiben kann.

Gott sei Dank hat Zeekr dazugelernt. Man muss sich nicht mehr durch sieben Untermenüs wühlen, während man eigentlich nur seine Ruhe will. Über ein selbstkonfigurierbares Dropdown-Menü im Touchscreen lassen sich die nervigsten Systeme mit einem Wischer von oben nach unten und gezielten Klicks deaktivieren. Mein Tipp: Legt euch den „Driver Monitor“ und den „Speed Limit Alert“ direkt auf die Schnellzugriffe. So wird aus dem digitalen Aufpasser innerhalb von Sekunden wieder die automobile Valiumtablette, die wir uns gewünscht haben.

Im Schweizer Berufsverkehr ist der adaptive Tempomat (Teil des ADAS-Pakets) ein absoluter Segen. Er hält die Spur und den Abstand so unaufgeregt, dass der Stresspegel merklich sinkt. Und für die engen Parkhäuser in Zürich oder die heimische Garage gibt es das nächste Party-Piece: Wie beim Parking Assistant Professional der deutschen Konkurrenz lässt sich der 7X per Smartphone von aussen in die Lücke zirkeln.

Fazit

Der Zeekr 7X Privilege AWD ist die automobile Antwort auf die deutsche Überheblichkeit. Er kombiniert eine gierige Vorderachse, die nach Kurven schnappt, mit einem Fahrwerk, das die Strasse einfach wegmeditiert. Er ist kein mechanisches Charakter-Monster wie ein Alpina B5, und er will es auch gar nicht sein. Er ist der derzeit fähigste „EV-Daily“ in seiner Kategorie, den man für dieses Geld in die Garage stellen kann. Er protzt nicht, er liefert einfach ab – und zwar mit einer Haptik bei den physischen Tasten und einer Materialwahl, an die kein Konkurrent herankommt.

Die 10 Jahre Garantie (5+5) sind dabei der K.O.-Schlag gegen die etablierte Konkurrenz. Wer heute noch 120k für ein SUV ausgibt, das nach wenigen Jahren zum finanziellen Risiko wird, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Der 7X ist kein Kompromiss, sondern ein Statement für intelligente Souveränität.

Unser Testverbrauch lag bei winterlichen Temperaturen im Schnitt bei 22,8 kWh / 100 km. Wer den rechten Fuss zügelt und die Rekuperation im Alltag geschickt nutzt, kommt locker auf Werte um die 20 kWh. Der Basispreis für den Zeekr 7X (Core) beginnt bei CHF 51’900, unser voll ausgestatteter Testwagen als Privilege AWD lag bei CHF 64’990.

OneMoreLap.com-Konfigurationstipp:
Tech Grey (extrem pflegeleicht und edel), Interieur Nappa Charcoal Black, 21-Zoll Leichtmetallräder und zwingend das Service-Paket abschliessen, um die vollen 10 Jahre Garantie-Valium geniessen zu können.

Weitere Impressionen:

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