Zeekr X Privilege AWD – Kurzfazit & Einordnung
Kurzfazit:
Der Zeekr X hat mich positiv überrascht. Er ist kein weiterer Elektro-Crossover, sondern ein ernstzunehmender Angriff auf das urbane Luxussegment. Entwickelt auf der hochflexiblen SEA-Plattform von Geely und mit schwedischer Design-DNA aus Göteborg, zielt der X auf Fahrer ab, die kompakte Abmessungen suchen, aber keine Abstriche bei der Performance oder der Materialqualität machen wollen. Die Mischung aus minimalistischem Design, rahmenlosen Details und bis zu 428 PS konnte mich überzeugen.
Für wen geeignet:
Für designaffine Grossstädter, die ein extrovertiertes, aber elegantes Fahrzeug für den Alltag suchen. Perfekt für alle, die eine starke Beschleunigung schätzen, Restkomfort schätzen und sich aber in engen Parkhäusern nicht mit ausladenden Fünf-Meter-Schiffen herumärgern wollen.
Für wen nicht:
Für Menschen, die auf traditionelles Understatement Wert legen oder einen echten Lastesel für den grossen Familienurlaub benötigen. Wer einen Kurvenräuber sucht, ist hier ebenfalls falsch.
Fahrverhalten:
Mit 428 PS im Privilege AWD schiesst der X in 3,8 Sekunden auf 100km/h, bleibt angenehm zurückhaltend und punktet in Sachen Komfort. Die Lenkung ist präzise, doch das Auto fühlt sich eher als souveräner, kleiner Grand Tourer wohl denn als nervöse Kurvenfräse.
Alltag & Komfort:
Trotz kompakter Aussenmasse bietet der X innen dank 2,75 Meter Radstand und dem 1,21m2 grossen Panoramadach ein luftiges, fast schon verschwenderisches Raumgefühl, sogar auch auf den Rücksitzen. Features wie die Massage-Sitze und das Yamaha-Surround-System verwandeln den Pendelverkehr in eine entspannte Wellness-Session.
Langstrecke & Autobahn:
Der 22-kW-AC-Lader ist an der heimischen Wallbox der absolute Benchmark, doch wer die 428 PS wirklich nutzt, sieht die versprochenen 400 km Reichweite nur im Traum – Realisten planen eher mit knapp 320 km – Ladespeed unterwegs mit 150kW ist eher so naja. Zudem trüben Windgeräusche an den rahmenlosen Scheiben die Ruhe, sobald man sich der 180 km/h-Marke nähert.
Emotion & Charakter:
Der X ist ein digitales Gadget mit externen Lautsprechern, die Pferde- oder Traktorengeräusche machen können – völlig irre, aber auf eine schräge Art charaktervoll. Er ist kein „Driver’s Car“, sondern das Gegenstück dazu. Ein toller Dailydriver für die Generation Smartphone, der Luxus über LED-Shows und starke Beschleunigung definiert.

Langfassung: Der unbekannte luxuriöse Bruder von Smart #3 Brabus und Volvo EX30?
Zeekr heisst der Neuling, erst 2021 gegründet und Teil des gigantischen Geely-Universums, das uns bereits Marken wie Polestar oder den von uns sehr gefeierten Smart #3 Brabus eingebrockt hat. Tolle Daily-Driver, wenn man noch weitere puristische Automobile besitzt und hier kommt der nächste Spross der Plattform von Smart #3 Brabus und z.B. auch Volvo EX30. Eigentlich hatten wir diesen Bericht, das sieht man auch an den Wasserzeichen in den Fotos für den sportlichen Elektrospross “Elektrosportwagen.ch” eingeplant, doch schnell war klar – der Zeekr ist keine Kurvensau. Er ist der ruhige, extrovertierte Dailydriver als Counterpart zu einem Sportwagen. Darum nun hier, bei OneMoreLap.com.
Doch von vorne: Nach dem Zeekr 001, kommt nun ein „Luxury Urban Compact SUV“, der mehr auf Luxus pochen soll, als seine Konzernbrüder. Design in Göteborg, trifft auf Engineering in China. Grund genug für eine Bestandsaufnahme im Zeekr X Privilege AWD – einem Auto, das mit 428 PS und einem Design nach dem „Goldenen Schnitt“ antritt.
Ersteindruck: Mathe-Stunde statt schwedische Opulenz?
Das Design des Zeekr X übersieht man nicht – und das liegt an den Proportionen. Zeekr reitet auf dem „Goldenen Schnitt“ (Sectio Aurea) herum, jener mathematischen Formel von etwa 1,618, die schon die alten Griechen für ihre Tempel nutzten. Das Ziel: Trotz der hohen, kompakten Bauweise soll der Wagen für das Auge „perfekt“ ausbalanciert wirken, indem das Verhältnis von Blech zu Glas und die Linienführung dieser natürlichen Harmonie folgen.
Dazu kommen die Details, die man erst beim zweiten Blick wahrnimmt: rahmenlose Türen, versteckte Dichtungsstreifen und Aussenspiegel, die ohne fetten Kunststoffrand auskommen. Es ist eine Form von architektonischer Eleganz, die durch technische Gimmicks wie das interaktive B-Säulen-Display (das beim Laden den Status anzeigt) ergänzt wird.

Die ersten Meter: Leise Performance im Westentaschenformat
Der AWD Privilege hat 428 PS und 543 Nm, 0 auf 100 in 3.8 Sekunden. In einem kompakten Crossover. Mit Familie. Mit Einkauf. Mit Hund. Mit allem. Das ist dieser moderne EV-Leistungsüberfluss, den man gleichzeitig unnötig und grossartig finden kann.
Wichtig: Beim Zeekr ist es nicht nur “schnell”, sondern meistens auch angenehm dosierbar. Nicht jeder Elektro-Allrad fährt sich beim Gaspedal wie ein Lichtschalter. Der Zeekr ist sehr kultiviert erzogen. Erst wenn man im Touchscreen-Menü den Schieberegler bei Beschleunigung auf “Sport” schiebt, wird er sein volles Potenzial schon bei wenig Gaspedal-Input auf die Strasse loslassen.

Landstrasse: Wie viel Agilität verträgt ein 428-PS-Luxus-Crossover?
Auf gutem Asphalt macht der Zeekr X Spass. Geradeaus stabil, zackig genug, Lenkung naja, Traktion sowieso gut. In schnellen Kurven auf Zug durchfahren wirkt er erwachsen. Aber: Längsdynamik ist nicht alles. Das Fahrwerk, bestehend aus MacPherson-Federbeinen vorn und einer 5-Lenker-Achse hinten, ist spürbar auf Komfort getrimmt.
Heisst also: Sobald die Strasse wellig oder die Kehren enger werden, spürt man das Leergewicht von fast zwei Tonnen (1’960 kg). Die Dämpfung wirkt dann manchmal etwas überfordert und neigt zum Nachschwingen. Es fehlt ihm die letzte Ausgewogenheit eines Smart #3 Brabus, dafür bietet er mehr Fahrkomfort. Die Lenkung ist direkt, aber feedbackarm – eben leider typisch für ein modernes Elektroauto, das eher als “Urban Companion” denn als “Pass-Räuber” konzipiert wurde. Wer den “Flow” sucht und die Leistung eher zum souveränen Überholen nutzt, wird hier sehr glücklich. Wer das Messer zwischen die Zähne nehmen will, wird spätestens dann aussteigen, wenn er hört, dass die Dämpfer nicht adaptiv sind.

Antrieb & Technik: Ist das die aktuell beste kompakte Elektro-Plattform?
Das Herzstück des Privilege AWD ist die 69 kWh Lithium-Ionen-Batterie, die auf NMC-Zellen (Nickel-Mangan-Cobalt) von CATL setzt, den Zeekr schon bei der Gründung strategisch an Bord holte. Die Spannungsebene liegt zwar nur bei klassischen 400 Volt, aber besonders stolz ist man auf die Siliziumkarbid-Inverter-Technologie der dritten Generation, die dabei hilft, die gewaltigen 543 Nm Drehmoment extrem effizient zu verwalten. Um die Reichweite zu maximieren, kann das System innerhalb von nur 0,4 Sekunden den vorderen Motor komplett entkoppeln und als reiner Hecktriebler agieren.
Nachbessern könnte man unterdessen beim Ladesystem. Zwar zieht der Zeekr X im Privilege-Trim serienmässig mit 22 kW Wechselstrom, doch am DC-Schnelllader kann er maximal 150 kW abzapfen, was für 2026 nicht mehr ganz State-of-the-Art ist. Immerhin: Für die Effizienz im Winter sorgt zudem eine serienmässige Wärmepumpe, die Abwärme der Komponenten nutzt, um den Innenraum zu heizen und so die Batterie zu entlasten.
Autobahn: Digitale Gelassenheit bis 180 km/h
Auf der Autobahn spielt der X seine Rolle als luxuriöser Crossover überzeugend. Adaptive Geschwindigkeitsregelung und Highway Assist arbeiten unaufgeregt im Hintergrund, während das grosse 24,3-Zoll-Augmented-Reality-Head-up-Display Navigationshinweise prominent direkt ins Sichtfeld projiziert.
Ein Wermutstropfen bleibt die bei 180 km/h elektronisch gesetzte Höchstgeschwindigkeit. Und so elegant die rahmenlosen Türen und filigranen Spiegel auch wirken – jenseits von 150 km/h machen sich leichte Windgeräusche bemerkbar.
Interessant wird es beim Verbrauch. Wer mit 120 km/h mitschwimmt, bleibt im vertretbaren Bereich um die 18 kWh/100 km. Wer dauerhaft schnell unterwegs ist, sieht die kWh-Anzeige steigen. Der Zeekr kann schnell reisen, aber Reichweite ist dann eine Frage der Disziplin.

Exterieur: Vom goldenen Schnitt bis zu einem Display in der B-Säule
Mit 4’432 mm Länge und 1’836 mm Breite steht der X genau im urbanen Sweet Spot. Kompakt genug für die städtischen Parkhäuser, breit genug für etwas Präsenz. Trotz 1’566 mm Höhe wirkt er nicht hochbeinig oder plump. Die Silhouette ist sauber gespannt, die Flächen sind bewusst modelliert, ohne überladen zu wirken.
Interessant: Die Designer sprechen vom „Goldenen Schnitt“, um die Proportionen harmonisch zu halten. Ob man das mathematisch überprüft oder nicht, visuell funktioniert es. Der X steht satt auf der Strasse. Aerodynamisch ist das Ganze ebenfalls durchdacht. Mit einem cw-Wert von 0.28 spielt er für einen kompakten Crossover vorne mit.

Die sogenannte „Frameless-Philosophie“ zieht sich konsequent durch. Rahmenlose Türen kennt man von Coupés. Hier sind zusätzlich die Aussenspiegel sehr filigran gestaltet, die Übergänge zwischen Glas und Blech wirken fast nahtlos. Die Fensterdichtungen sind verborgen, was dem Auto eine saubere Oberfläche gibt. Kritikpunkt: Die versenkten Türgriffe, bei denen man mit seinen Fingern tief in die schmale Griffmulde greifen muss, sind wirklich unangenehm.
Ein Detail, das polarisiert, aber Charakter zeigt: das interaktive B-Säulen-Display. Es zeigt den Ladestatus an, begrüsst mit einem Smiley oder dient als Interface. Spielerei? Vielleicht. Aber es passt zur digitalen Identität des Autos.
Am Heck sorgt die durchgehende Leuchteinheit mit 229 LEDs für eine klare Signatur mit beleuchtetem Zeekr-Schriftzug. Modern, technisch und wie ich finde sehr selbstbewusst. Nach zwei Wochen konnte ich mich mit dem Aussendesign nicht wirklich anfreunden. Da gefällt mir der 7X (Fahrbericht folgt) deutlich besser. Aber einen Aspekt gelingt dem X: Er wird auf jeden Fall diskutiert und wiedererkannt werden.
Interieur: Digital minimalistisch, aber nicht seelenlos
Das Beste am Zeekr X ist sein Interieur. Nicht, weil irgendwo ein Start-Button dramatisch pulsiert. Sondern weil der Zeekr X innen eine Qualität ausstrahlt, die man in dieser Preisklasse nicht erwartet. Keine grellen Kontraste, kein Klavierlack-Hochglanz-Overkill, kein LED-Zirkus. Stattdessen eine fast nordische Zurückhaltung. Viel Grau, matte Oberflächen, klare Linien. Wow! Gefällt.
Nichts klappert, nichts wirkt hohl, wenn man mit dem Finger anklopft. Selbst die Lautsprecherabdeckungen in den Dreiecksfenstern sind nicht einfach perforiertes Plastik, sondern fein gestaltete Metallgitter mit Wabenstruktur. Das Yamaha-Soundsystem ist nicht nur akustisch sehr gut, sondern eben auch optisch.

Die warm schimmernde Bronze-Akzente mit leichtem Kupferstich geben dem Innenraum eine eigene Identität. Kein kaltes Aluminium, kein Chrom. Eher ein satinierter, leicht kupfer-bronzener Ton. Das wirkt geschmacksvoll ausgewählt.
Ein interessantes Element im Innenraum sind die sogenannten „Ice Block“-LEDs. Ein durchgehendes Band zieht sich über das Armaturenbrett, während die Türverkleidungen mit einer perforierten Struktur arbeiten. Dort wird subtil die Skyline von Ningbo zitiert – eine Hommage an den Unternehmenssitz. Ob ich nun mit beleuchteter chinesischer Skyline durch die Schweiz düsen möchte, bin ich mir nicht sicher, aber auch hier zeigt Zeekr wieder Selbstvertrauen. Wie immer lassen sich Farben frei konfigurieren, hier jedoch zusätzlich noch dynamische Verläufe, pulsierende Effekte oder Synchronisation mit dem Yamaha-Soundsystem.








Die Sitze sind zwar als einteilige Sportsitze ausgeformt, jedoch mit weniger Seitenhalt als man es sich wünschen würde. Gleichermassen bequem und mit Massagefunktion. Das kleine Fahrerdisplay wirkt bewusst reduziert. Geschwindigkeit, Fahrstufe, Reichweite – fertig. Keine überladenen Grafiken, keine verspielten Animationen. Die zwei Joysticks auf dem Lenkrad sind gewöhnungsbedürftig aber funktionieren zuverlässig und sind deutlich besser als Touch-Schaltflächen auf dem Lenkrad.
Typisch Zeekr sind die spielerischen Details: Über einen Aussenlautsprecher im vorderen Radhaus lassen sich vordefinierte Geräusche wie das Wiehern eines Pferdes, Traktor-Sounds oder eigene Ansagen abspielen.







Assistenzsysteme: Der digitale Schutzengel mit dem nervösen Zeigefinger
Beim Thema Sicherheit lässt Zeekr keine Zweifel aufkommen, denn der X ist bis unter das Panorama-Dach mit modernster Sensorik vollgestopft. Insgesamt gehören 19 verschiedene Assistenzsysteme zum Standardrepertoire. Doch während die Hardware grundsolide wirkt, zeigt die Software im Alltag eine sehr eigene Persönlichkeit, die vor allem durch eine ständige akustische Untermalung auffällt. Der Zeekr X agiert oft wie ein übervorsichtiger Beifahrer, der ständig Angst hat, man könnte etwas übersehen, wobei besonders der Driver Monitor für genervte Augenblicke sorgte. Eine Kamera auf der Lenksäule überwacht den Fahrer permanent, doch die Speichen des Lenkrads verdecken bei Kurvenfahrt oft die Sicht der Linse.
Die Folge ist ein penetrantes Warnsignal, weil das System fälschlicherweise glaubt, man sei abgelenkt, obwohl man lediglich eine Kurve fährt. Auch der Speed Limit Alert erkennt Tempolimits zwar präzise, quittiert aber jede kleinste Änderung der Geschwindigkeit, selbst 31 km/h bei 30 km/h Tempolimit mit einem Piepsen, was auf Dauer anstrengend wirken kann. Das kann man alles über selbst konfigurierbare Widgets so “in die Nähe ziehen”, dass man es zügig nach jedem Neustart abschalten sollte, aber etwas mehr europäische Gelassenheit wäre wünschenswert.
Fazit

Der Zeekr X AWD ist eines dieser Autos, bei denen man spürt, dass viel Substanz vorhanden ist. Die Plattform gehört aktuell zu den stärksten Grundlagen im kompakten Performance-Segment, der Antrieb überzeugt und das Interieur liefert in dieser Preisklasse einen echten Überraschungsmoment.
Die Richtung stimmt. Die Frage ist nicht, ob der Zeekr technisch mithalten kann, sondern ob Herr und Frau Schweizer bereit sind, sich vom etablierten Bestseller Volvo EX30 zu lösen und einer neuen Marke Vertrauen zu schenken. Unser Verbrauch lag im Schnitt bei 19.4 kWh / 100 km. Der Basispreis für den X AWD Privilege mit 428 PS beginnt bei CHF 46’990.–, der Testwagenpreis in Grid Grey lag bei CHF 47’990.
Interessant ist zudem das Garantiepaket: Zeekr liefert das Fahrzeug serienmässig mit 5 Jahren bzw. 100’000 Kilometern Garantie aus. Wer den Wartungsplan konsequent bei einem autorisierten Zeekr-Servicepartner einhält, kann diese auf bis zu 10 Jahre beziehungsweise 200’000 Kilometer erweitern. Das ist in dieser Klasse ein starkes Signal – gerade für eine noch junge Marke.
In Kombination mit Leistung, Ausstattung und Innenraumqualität ergibt sich ein Preis-Leistungs-Verhältnis, das derzeit zu den spannendsten Angeboten im Segment zählt.
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