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Fahrbericht: Renault Mégane R.S. Trophy-R mit Carbon-Keramik-Paket (1/50)

Streng limitiert und die Speerspitze der Mégane Linie – wie fährt sich der Renault Mégane R.S. Trophy-R mit Carbon-Keramik-Paket, von dem es in der Schweiz genau zwei Exemplare gibt? Das und mehr schauen wir uns in diesem Fahrbericht genauer an.

Dazu besuchen wir eine ehemalige Bergrennstrecke, die von 1927 bis 1950 über 3,8 km zahlreiche Fahrer und Zuschauer anzog und nun 2020 ihr Revival erleben wird. Der „kleine Klausen“, also das Opfertshofer Bergrennen war damals eines der bestbesuchten Automobilrennen der ganzen Schweiz. 

Perfektes Gefilde für unseren Testwagen. Doch bevor wir den seltenen Renner auf seinen Fahreindruck testen, tauschen wir die serienmässige Rad/Reifen-Kombination gegen Carbonfelgen und High-Performance Bereifung (Bridgestone Potenza S007) – standesgemäss mitgeliefert in Lederhüllen auf der Mulde, die anstelle der Rücksitze im Fünftürer Platz gefunden hat. Mühsam? Nein im Gegenteil. Das ist sehr ähnlich wie bei einer mechanischen Uhr mit Handaufzug. Man freut sich, nach dem Ritual des „Aufziehens“, umso mehr auf das, was folgen wird.

Und was folgt ist gut. Sehr gut. Spätes Anbremsen in eine Haarnadelkurve, er lenkt, dank massig negativ-Sturz, sehr knackig ein, schwingt das Heck gerne etwas mit, spricht direkt an und beschleunigt zügig aus der Kurve hinaus.

Vor der nächsten Kurvenkombination ist eine kleine Senke, die vom Rennsportfahrwerk mit einstellbaren Öhlins-Stossdämpfern perfekt absorbiert wird und auch der Störfaktor der Allradlenkung ist Geschichte. Das sorgt nun endlich dafür, dass das letzte Quäntchen Vertrauen zwischen Fahrer und Fahrzeug hergestellt wird. Fantastisch.

Dazu leistet auch die erhebliche Gewichtsreduktion ihren Beitrag. Das wurde erzielt durch eine Motorhaube aus Carbon-Glasfaser-Verbundmaterial mit Lufteinlass zur besseren Motorkühlung, dünneren Fensterscheiben, einem Titan-Sportauspuff von Akrapovič, der entfernten Rücksitzbank und extraleichten Schalensitzen von Sabelt aus Verbundwerkstoffen.

Das Ergebnis: ein Fahrzeuggewicht von nur 1’306 Kilogramm, über 130 Kilogramm weniger als der Mégane R.S. Trophy (ohne Optionen) – sowie ein beeindruckendes Leistungsgewicht von 4.35 kg / PS.

Die Kleinserie von Fahrzeugen mit dem Carbon-Keramik Paket ist auf 50 Stück weltweit (2 Stück für die Schweiz) limitiert, wobei auch der Trophy R nur auf 500 Stück insgesamt ausgelegt ist. Das besondere Paket bringt dann noch die erwähnten 19-Zoll-Carbonräder, 390-Millimeter Brembo Keramikbremsscheiben an der Vorderachse mit goldenen Bremssätteln und modifizierte Front-Lufteinlassöffnungen an Stelle der Zusatzscheinwerfer im Zielflaggendesign mit.

Das hört sich nun alles sehr nach Hightech an und das ist es auch. Getreu seiner Geschichte und seinen Vorgängern knackt er seine eigene Bestzeit auf der Nürburgring-Nordschleife und stellt mit einer Zeit von 07 Minuten, 40 Sekunden und 10 Hundertstel einen neuen Rekord für Serienfahrzeuge mit Frontantrieb auf.

Interessant dabei: Als Motorisierung dient der gleiche 300 PS starke 1,8-Liter-Turbobenziner wie beim Mégane R.S. Trophy. Im leichten Trophy-R Trim beschleunigt er in nur 5,4 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ermöglicht 262 km/h Höchstgeschwindigkeit. Es gibt ihn ausschliesslich mit einer 6-Gang-Handschaltung.

Nun, wenn man das nüchtern mit einem Civic Type R vergleicht, könnte man meinen, das sei sehr viel Aufwand, für sehr wenig zeitlichen Vorsprung (3 Sekunden). Das ist es auch, aber genau da liegt der Reiz. „Engineering“ ist das Zauberwort. Wer selbst jemals, beispielsweise, ein optimiertes Fahrwerk in sein Auto eingebaut hat und auf seine Bedürfnisse abstimmen liess, weiss, was kleine „Tweaks“ bewirken können.

Es gibt Hemden die einfach „passen“ und es gibt solche, die sich anschmiegen und in denen man sich ausserordentlich wohl fühlt. Der Trophy R ist voller kleinerer und grösserer Optimierungen, die ihn von einem guten Hot-Hatch zu einem der puristischen und geschichtsträchtigsten Hot-Hatches haben werden lassen.

Wir haben den „kleinen Klausen“ also bezwungen und im „Flow“ gleich noch einige weitere kurvige Passagen mitgenommen. Man wünscht sich im Trophy R nicht-endend-wollende Kurvenpassagen, möglichst ohne Geraden.

Warum? Schalten. Der einzige Schwachpunkt, den wir allerdings auch schon im Mégane R.S. Kurztest und im Mégane R.S. Trophy Fahrbericht bemängelt haben, bleibt auch hier bestehen. Haptik und Feedback sind nicht das wirklich Wahre. Aber soll es so sein, ein Schwachpunkt ist immer.

Kurzer Aussencheck. Dank dem Carbon-Keramik-Paket bekommen wir vorne einen dynamischen Lufteinlass, doch weit beindruckender ist die Arbeit der Aerodynamik-Ingenieure.

Unter dem Frontstossfänger verstärkt ein Luftleitflügel den Luftdruck auf die Frontpartie, die Unterbodenverkleidungen gewährleisten eine reibungslose Luftströmung unter dem Fahrzeug und der Heckdiffusor ist mit dünnen, leicht gebogenen Finnen ausgestattet. Trophy R typisch, natürlich mit viel Kriegsbemalung.

Innen findet man sich auf sehr bequemem Gestühl wieder. Die Schalensitze von Sabelt aus Verbundwerkstoffen mit Alcantara-Bezug sind nur in der Länge verstellbar, die Rückenlehne ist fix. Erstaunlicherweise sind sie sehr komfortabel positioniert, also weit weniger aufrecht als z.B. die ebenfalls nicht-neigbaren Schalensitze im Cayman GT4 (Baureihe 981), was für guten Langstreckenkomfort sorgt.

Eine individuelle Nummerierung an der Einstiegsleiste verrät, welche Nummer der 500 Fahrzeuge man besitzt. Wir hatten die Nummer 24 / 500.

Weiter gibt es einen Tempomaten, einen Licht- und Regensensor, LED-Scheinwerfer, eine Rückfahrkamera, DAB-Radio, eine Klimaanlage, das kleine Infotainmentdisplay, Navigation und viele weitere Annehmlichkeiten.

Erstaunlich für eine so puristische Auslegung, aber irgendwie auch gut, denn die Anfahrt zur nächsten Rennstrecke kann ja auch mal länger dauern.

Was bleibt also?
Der Renault Mégane R.S. Trophy-R mit Carbon-Keramik-Paket ist eine Meisterleistung. Wer nur das Datenblatt liest und den Preis sieht, wird es nicht verstehen, aber die Wahrheit liegt zum Glück auf der Strasse und da hat er sich tief in unsere Herzen gefahren. Der Radwechsel auf die Carbonfelgen ist eine Wohltat für alle, die Materialgüte schätzen und gerne eine emotionale Verbindung zum Auto, durch das eigene mechanische Mittun, aufbauen wollen.

Einfach gesagt: Der Trophy R zeigt, wie weniger Gewicht bei gleichbleibender Leistung jedem Auto massive Vorteile verschaffen könnte. Einige Hersteller sollten sich von dieser Philosophie mal eine dicke Scheibe abschneiden.

Der Verbrauch lag im Schnitt bei 11,6 Liter Benzin auf 100 km. Der Basispreis für den Mégane R.S. Trophy-R liegt bei CHF 63’740, unser Testwagen in der Lackfarbe «Spezialeffekt- und Perlmutteffekt-Lackierung “Blanc Nacré” und “Rouge Flamme”» inkl. Carbon-Keramik-Paket (CHF 29’000) liegt bei CHF 92’740.

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