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Mercedes-AMG C 63 S Cabriolet (Facelift – 2020) – A205

Die Sonne erwärmt die Haut auf dem Gesicht, das C 63 S Cabrio treibt uns Lachfalten ins Gesicht. Es war einer diese Tage, an denen man sich ganz speziell auf eine OneMoreLap gefreut hat.

Doch beginnen wir von vorne. Der C 63 AMG begleitet mich im Alltag, wie die meisten meiner Testwagen es tun. Ein ganztätiger Termin in der Nähe von Zug steht an, so dass wir frühmorgens gemütlich über die Autobahn tuckern. Fahrmodus in «Comfort», der C gleitet nun mit sehr tiefen Drehzahlen und brummelt unaufgeregt vor sich her, alle Assistenten die man sich so wünscht (mehr dazu später) erhöhen den Fahrkomfort und das Akustik-Stoffverdeck sorgt für sehr wenige Wind- und Störgeräusche. Mit einem Verbrauch von unter 8 Liter / 100 km erledigt er die kleine Autobahntour vom nördlichsten Zipfel der Schweiz in die Zentralschweiz mit Bravur.

Einige (sehr lange) Stunden später ist der Termin vorüber. Der Kaltstart war eine Wonne und bei der Wegfahrt (bis 50 km/h) öffnet sich das Verdeck in unter 20 Sekunden. Die Sonne kitzelt die Wangen, hinter den Sitzen fährt ein grosses Windschott hoch, ebenso oberhalb der Windschutzscheibe und es ist Zeit für den Heimweg.

Genau da passiert es: Obwohl man erst einige Minuten unterwegs ist, sind die vielen Gedanken und typischen Alltagssorgen wie verpufft. Als käme man zu Hause auf dem Sofa an, nur dass man eigentlich noch fährt und dazu den Stauherd «Gubrist» (Schweizer werden es kennen) vor sich hat.

Autobahn, 120 km/h – der AMG schlummert noch immer im Komfortmodus, während das Dach offen ist, der Airscarf den Nacken mit extra-warmer Luft beliefert und auch die wenigen Luftverwirbelungen die Wohlfühlatmosphäre nicht stören.

Szenenwechsel. Es ist derselbe Abend, doch etwas später. Schwarzwald. Das Dach ist weiterhin offen, dazu auch die Auspuffklappen und der Fahrmodus nun in Sport+. Die Auspuffanlage darf trotz Ottopartikelfilter weiterhin fröhlich Sprotzeln bei Gaswegnahme und voluminös ihr facettenreiches V8-Lied singen. Von ganz tiefem Brummeln bis zu heiserem Röhren im oberen Drehzahlbereich.

Der V8-Biturbo im C 63 S AMG ist eng verwandt mit dem Motor des Mercedes-AMG GT und leistet in der S-Version 510 PS und 700 Nm. Die Beschleunigung ist beim Cabrio zwar 0,2 Sekunden langsamer als beim Coupé, aber mit nur 4,1 Sekunden noch immer sehr zügig.

Die Leistung wird über ein 9-Gang-Doppelkupplungsgetriebe an die Hinterräder gesendet. Geniessen wir noch den letzten deutschen 8-Zylinder-Biturbo in der Klasse der mittelgrossen Cabrios – diese Zeit ist wohl vorbei..

Neu mit dem Facelift sind die fahrerorientierten Abstimmungen von Gaspedal, Schaltung, Fahrwerk, Sperrdifferential, Traktionskontrolle und ESP. Das reicht von Basic über Advanced, zu Pro und Master und kennen wir bereits vom AMG GT 63 S 4-Türer.

Trifft man diese Einstellungen wird man schnell merken, dass sich der C63 S AMG entweder schnell und sauber oder heckbetont aber unsauber durch Kurven fahren lässt.

Fährt man die Kurve an, kann man Gänge beim Zurückschalten überspringen und den kleinstmöglichen Gang direkt anvisieren, das geht dank neuer Doppelkupplung blitzschnell. Eine nasse Anfahrkupplung ersetzt den Drehmomentwandler. Das spart Gewicht und optimiert das Ansprechverhalten.

Allgemein wirkt der C 63 S AMG gegenüber seinem Facelift verschärft, sportlicher und fokussierter. Er lenkt zackig ein, gibt wichtige Informationen von der Vorderachse durch die Lenkung weiter und bietet im Kurvenscheitelpunkt verschiedene Optionen an. Je nach dem wie man sich entscheidet, verlässt man die Kurve in einem leichten Powerslide oder ganz sauber und blitz schnell. Die Karosserie verwindet sich Cabrio-typisch zwar etwas mehr als ein Coupé, jedoch ohne unsportlich zu wirken. Diesen Punkt nehme ich gerne in Kauf für das variable Dachkonzept.

Aussencheck. Unser Testwagen kommt in der Farbe «Brilliantblau Metallic» und AMG Performance Schmiederäder im 5- Doppelspeichen-Design (hinten 20-Zoll, vorne 19-Zoll) – was für eine perfekte Kombination. Die Felgen im leichten Retro-Design zusammen mit der dunkelblauen Aussenhaut und den Details (optional) in Carbon.

Das Facelift erkennt man auch an der neu-gestalteten Heckpartie. Das umfasst die Endrohre, die Spoilerlippe, die breiten Seitenschweller, die Flics im hinteren Stossfänger und einen muskulöseren Diffusor mit Diffusorbrett unterhalb.

Blick ins Interieur. Hier finden wir das digitale Tacho, welches wir bereits aus dem C 43 AMG kennen. Leider ebenfalls noch ohne die neueste Version des «MB-UX», aber es ist auch so führend im Vergleich zur Konkurrenz.

Neu ist die Möglichkeit den Nackenföhn «Airscarf» mit den Performance-Sitzen zu kombinieren. Dazu sind nun auch individuell belegbare Tasten mit kleinen Displays am Lenkrad angehängt für Funktionen wie die Auspuffklappensteuerung oder die Härte der Dämpfer.

Dazu etwas Alcantara am Lenkrad (optional) und viel Carbon an der Mittelkonsole und fertig ist der schönste Innenraum in dieser Klasse. Zum Thema Materialwahl und Verarbeitung muss man Mercedes-Benz immer wieder loben. Was mir gefehlt hat? Ich hätte gerne einen Akzent der Aussenfarbe innen wiedergesehen, wenn auch nur optional im Zuge einer Ziernaht oder ähnlichem. Leider ist das im Konfigurator nicht anwählbar und wohl nur über eine Spezialbestellung möglich.

Die optionale Burmester Audioanlage lässt auch keine Wünsche offen. Weiter gibt es (optional) ein Assistenzpaket «Plus» mit einem aktiven Abstands-Assistenten, einem Lenk-Assistenten und einem Notbremsassistenten.

Was bleibt also?
Der C 63 S AMG hat als Facelift für 2020 das Rad nicht neu erfunden, leicht verfeinert kommt er an den Start und ist uns ans Herz gewachsen. Ein sehr emotionaler Motor, hohe Dynamik, vernünftige Aussenmasse, ein gelungener Spagat zwischen Alltag und Sportlichkeit und dazu noch die Möglichkeit das Dach zu öffnen. Das beste Rezept für eine wunderbare OneMoreLap aus dem aktuellen Mercedes-AMG / Mercedes-Benz Portfolio? Ich bin sehr davon überzeugt.

Preis & Verbrauch
Der Verbrauch lag im Schnitt bei 9,4 Liter pro 100 km. Der Testwagen, der von Mercedes-Benz Schweiz zur Verfügung gestellt wurde, war in der Farbe „Brilliantblau metallic“ lackiert und lag preislich mit Sonderausstattung bei CHF 150’138.-. Die Konfiguration für das Mercedes-AMG C 63 S Cabriolet startet bei CHF 123’100.-.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp zur Optik:
Aussenfarbe in „Brilliantblau Metallic“, AMG Performance Schmiederäder im 5-Doppelspeichen-Design, AMG Night-Paket, AMG Performance Sitze für Fahrer und Beifahrer mit stärker konturierter Sitzform

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5 Kommentar

  1. Danke für die detaillierte und emotionale Beschreibung des C63. Hat mir sehr geholfen bei der Entscheidung C63 vs C43. Gerne würde ich noch erfahren, welche Einstellungen gewählt wurden für den Fahreindruck „schnell und sauber“.

    1. Lieber Andreas, schön zu hören, das freut uns sehr. Viel Spass mit deinem C63. Sofern ich mich richtig erinnere war das Sport+ und Pro. Herzliche Grüsse und weiterhin gute Fahrt.

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