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Fahrbericht: BMW M8 Competition Cabriolet

Das neue BMW M8 Competition Cabriolet will alle angreifen und doch seine ganz eigene Nische erstellen. Porsche, Bentley und Aston Martin, sowie den kleineren Bruder M850i will man ins Auge fassen oder sogar toppen. Ob das klappt schauen wir uns jetzt an.

Eine Reise liegt vor mir. Es geht über 4 Stunden, die sich später als 6Stunden herausstellen werden, in die Eifel. Der 8er hat seine Qualitäten als vorzügliches Reisemobil bei unserer Tour des Grandes Alpes schon einmal unter Beweis gestellt.

Hier beginnt die Reise über die Autobahn. Das Navigationssystem zeigt zwischen Stuttgart und Karlsruhe jede Menge Stau. Bis dahin ist es jedoch frei und unbeschränkt.

Der M8 begeistert immer und immer wieder mit seiner eindrucksvollen Beschleunigung. Der 4,4 Liter grosse V8-Antrieb mit M TwinPower Turbo Technologie und Hochdrehzahlkonzept leistet im BMW M8 Competition Cabriolet 625 PS. Zwei Turbolader, zylinderbankübergreifende Abgaskrümmer, Direkteinspritzung mit gesteigertem Druck sowie für höchste Dynamik auf der Rennstrecke konzipierte Kühl- und Ölversorgungssysteme sind die zentralen technologischen Merkmale.

Kombiniert wird das Hochleistungsaggregat mit einem 8-Gang M Steptronic Getriebe mit Drivelogic und dem Allradsystem M xDrive.

Ein Blick ins Datenblatt verrät, dass das BMW M8 Competition Cabriolet innert 3,3 auf Tempo 100 km/h sprinten kann und in nur 11,1 Sekunden sogar auf Tempo 200 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit wird elektronisch auf 250 km/h limitiert. In Verbindung mit dem optionalen M Driver’s Package wird die Begrenzung auf 305 km/h angehoben.

Weiter geht unsere Reise. Der Stau liegt hinter uns. Die A62 ab Landstuhl ist kurvig, wellig und grösstenteils ohne Tempolimit. Die in den Competition Modellen serienmässige M Sportabgasanlage liefert feinen, aber sehr sauberen V8 Sound. Keinerlei sprotzeln, knallen oder nachbollern. Ebenfalls weggefiltert wurden die Geräusche der Turbolader, kein Zischen, kein präsentes Ansauggeräusch. Fast schon langweilig, wäre da nicht die messerscharfe Beschleunigung.

Wir finden uns auf einem typischen Abschnitt der A62 wieder. Das Fahrwerk wird bei hohen Geschwindigkeiten sehr gefordert. Der Abrollkomfort ist zwar gewährleistet, aber über 230 km/h fehlt es dem Cabrio in Kurven und über Wellen an Verwindungssteifigkeit gegenüber Fahrzeugen mit festem Dach.

Elektrische Wankstabilisierung? Fehlanzeige. Wir fahren vor Trier von der Autobahn ab und stattdessen der Mosel entlang. Das Dach öffnet sich in nur 15 Sekunden. Der elektrische Antrieb lässt sich auch während der Fahrt bei Geschwindigkeiten von bis zu 50 km/h aktivieren.

Über die Setup Taste auf der Mittelkonsole lassen sich sämtliche verfügbaren Fahrzeugeinstellungen aufrufen. Nun kann man jeweils die gewünschte „Schärfe“ für Motor, Fahrwerk, Lenkung, Bremse und M xDrive aktivieren. Neu kommt nun erstmals die Möglichkeit hinzu, auch das Bremssystem bedarfsgerecht zu konfigurieren. Bei deaktivierter Fahrstabilitätsregelung DSC werden ausserdem für das Allradsystem M xDrive die drei Einstellungen 4WD, 4WD SPORT sowie 2WD für reinen Hinterradantrieb zur Verfügung gestellt.

Zwei individuell zusammengestellte Varianten des M Setups können gemeinsam mit den bevorzugten Einstellungen für den Antriebssound, die Schaltcharakteristik des 8-Gang M Steptronic Getriebes, die Fahrstabilitätsregelung und die Auto Start Stop Funktion dauerhaft auf den roten M Tasten am Lenkrad abgespeichert werden.

Weiter gibt es da aber noch eine wichtige Taste, die beim M8 erstmals in einem BMW anzutreffen ist. Mit der M Mode Taste auf der Mittelkonsole lassen sich die Fahrerassistenzsysteme sowie die Anzeigen im Instrumentenkombi und im Head-Up Display beeinflussen. So verändern sich in drei Stufen (Road, Sport und Track) die dem Fahrer in den Anzeigen präsentierte Informationsangebot.

Zudem werden die Eingriffe der Fahrerassistenzsysteme wie aktive Bremseingriffe oder Lenkimpulse auf ein unter Sicherheitsaspekten relevantes Minimum reduziert beziehungsweise vollständig deaktiviert.

Die Fahrt an der Mosel entlang gibt Zeit, über den M8 Competition nachzudenken. Er ist ein Schönwetter-Cabrio, nachgeschärft als Competition-Modell und gleichermassen auf einer anspruchsvollen Autobahn nicht verwindungssteif genug für Wellen und Unebenheiten. Auf der Landstrasse kann er seine Grösse auch ohne Allradlenkung kaschieren, obwohl das Gewicht spürbar bleibt.

Er lenkt zwar wirklich sehr gut ein und fährt dynamisch, immer relativiert auf seine Grösse. Die Dämpfer sind nur erträglich im Comfort-Modus. Sport und Sport+ sind deutlich zu straff für eine Landstrasse. Wo führt das also hin? Ich habe mich selbst dabei erwischt, stets zu relativieren. „Gut für seine Klasse“, „gut für seine Grösse“, „gut für ein Cabriolet“ – sollte das wirklich so sein?

Zeit also, eine Pause einzulegen und den Aussencheck vorzunehmen. Vorne erkennt man das BMW Flaggschiff an der BMW Niere, die von M typischen schwarzen Doppelstegen unterteilt ist und das „M8“ Logo trägt.

Unser Testwagen trägt die Farbe „Marina Bay Blau metallic», die ihm absolut hervorragend steht. Die Radhäuser sind ausgestellt und bieten Raum für die grosse Spurweite und die gross dimensionierten Räder. Die Competition Modelle werden mit 20 Zoll grossen geschmiedeten Felgen ausgeliefert.

Das Heck weist ausserdem einen deutlichen Diffusor-Einsatz auf, wobei man die M Sportabgasanlage – optional für das BMW M8 Coupé und das BMW M8 Cabriolet, serienmässig in den Competition Modellen – an ihren dunklen Endrohren erkennen kann. Der Heckspoiler ist beim BMW M8 Coupé und beim BMW M8 Cabriolet in Wagenfarbe und bei den Competition Modellen in Schwarz lackiert. Bei uns war das Carbon-Paket verbaut, was zusammen mit der Aussenfarbe eine wunderbare Symbiose ergibt. Der M8 ist der wohl schönste Bayer, den es als Neuwagen zu erwerben gibt.

Innen will BMW eine Mischung aus „Rennsport-Flair und Luxus-Ambiente“ bieten. So treffen rote Farbakzente an den M Tasten auf das M Logo und Nähte in den M-Farben am Gangwählhebel. Die Carbonleisten passen ebenfalls in das sportlich-luxuriöse Schema, während die Sportsitze einen guten Seitenhalt bei bequemer Polsterung bieten. Schielt man kurz auf den Bentley Continental Convertible, merkt man aber schnell, dass im gesamten Innenraum, angefangen bei der Detailverliebtheit oder auch der Materialwahl noch viel Raum nach oben bleibt, hält man sich die Preisvorstellung des BMW-Verkäufers im Hinterkopf.

Praktisch ist der Windschutz, der im Fondbereich aufgestellt werden kann, um unerwünschte Luftverwirbelungen beim Fahren mit geöffnetem Verdeck zu unterbinden. Somit kann man auch über Tempo 80 noch sehr angenehm offen fahren. Ausserdem sind die M Sportsitze der offenen Sportwagen mit Nackenwärmern ausgestattet.

Das Bowers & Wilkins Diamant Surround Sound System mit vollaktivem 16-Kanal-Verstärker und bis zu 16 teilweise beleuchteten Lautsprechern ist lobenswert und macht die «Grand Tour» noch mehr zu einem Genuss.

Perfekt zum GT-Charakter passt auch das vielschichtige Angebot an Assistenten. Von Driving Assistant Professional mit ACC, über Lenk- und Spurführungsassistenten, bis zu dem Spurhalteassistenten mit aktivem Seitenkollisionsschutz, die Ausweichhilfe sowie die Kreuzungs-, die Falschfahr- und die Querverkehrswarnung vorn.

Was bleibt also?
Das BMW M8 Competition Cabriolet ist in seiner ganz eigenen Nische. Sportlicher als ein DB11 Volante, deutlich mehr GT als ein 911er und weniger High-End mit fantastischer Komfort-Sport Spreizung wie ein Bentley Continental Convertible. Ein M850i in der offenen Version ist wohl gleichermassen der bessere Allrounder, wobei auch der viel schärfere M8 Competition Cabriolet primär in Sachen Beschleunigung und Optik punkten kann. Als Cabriolet finden wir leider zu wenig Argumente den Preisaufschlag zum M850i zu rechtfertigen. Beim Coupé mag das anders aussehen…

Der Verbrauch lag im Schnitt bei 12,4 Liter Benzin auf 100 km. Der Basispreis für das BMW M8 Competition Cabriolet liegt bei CHF 210’900, unser Testwagen in der Farbe «Marina Bay Blau metallic» liegt bei CHF 254’590.

Der OneMoreLap-Konfigurationstipp:
Marina Bay Blau Metallic, 20″ LM-Räder Sternspeiche 811 M Bicolor / MB, Vollleder Merino Schwarz, Intérieurleisten Carbon Fibre, BMW Individual Hochglanz Shadow Line mit erweiterten Umfängen, M Sportabgasanlage

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